Lange wollte Julia Meck nicht öffentlich über ihre Ehe sprechen. Nachdem Kraemer in einem YouTube-Video eingeräumt hatte, sie geschlagen und ihr eine Kette vom Hals gerissen zu haben, entschied sie sich nun, ihre Sicht der Dinge zu erzählen.
Im Gespräch mit der BILD wirkt die 25-Jährige nach eigener Einschätzung erleichtert. "Mir geht es viel besser seit der Trennung", sagt sie. Sie sei glücklich, aus der Beziehung heraus zu sein, und bekomme langsam ihr Selbstbewusstsein zurück.
Erst Kontrolle, dann Gewalt
Meck berichtet, dass die Beziehung zunächst ganz anders begonnen habe. Kraemer sei aufmerksam gewesen, habe ihr Blumen geschenkt und sich Kleinigkeiten gemerkt, die ihr wichtig waren.
Mit der Zeit habe sich das jedoch verändert. Sie sei zunehmend wegen ihres Aussehens, ihrer Kleidung und ihres Verhaltens kritisiert worden. Selbst ein freundliches "Hallo" zu einem anderen Mann habe für Streit sorgen können. "Ich fühlte mich klein, hatte nichts zu sagen", beschreibt Meck ihre damalige Situation.
Sie habe schließlich ständig darauf geachtet, was sie sagte und wie sie sich verhielt. Selbst ihre Mimik habe sie kontrolliert, aus Angst, Kraemer könnte sich provoziert fühlen.
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"Ich bin wie auf Eiern gelaufen"
Besonders eindrücklich schildert Meck, wie stark sie sich nach eigenen Angaben anpasste. Wenn sie beispielsweise eine Uhrzeit genannt habe und eine Minute später nach Hause gekommen sei, sei ihr das als Lüge vorgeworfen worden.
Die Situation ging laut ihrer Schilderung so weit, dass sie sogar ein Mimik-Coaching machte. Sie habe tatsächlich geglaubt, mit ihrer Gesichtsmimik etwas falsch zu machen und dadurch Konflikte auszulösen. "Ich bin wie auf Eiern gelaufen", sagt sie im BILD-Interview.
Auch tagelanges oder wochenlanges Schweigen habe sie als Bestrafung erlebt. Einmal sei Kraemer während einer Reise in San Francisco alleine zurück nach Deutschland geflogen und habe sie dort zurückgelassen.
"Alle paar Wochen ist es eskaliert"
Nach den psychischen Belastungen sei es laut Meck schließlich auch körperlich immer schlimmer geworden.
Zunächst habe Kraemer ihr demnach ins Gesicht gefasst und zugedrückt. Später sei es regelmäßiger zu körperlichen Übergriffen und schließlich auch zu Schlägen gekommen. "Ich hatte immer Angst", sagt die 25-Jährige. "Alle paar Wochen ist es eskaliert."
Ihre Aussagen zu früheren Übergriffen sind dabei ihre persönliche Schilderung und wurden nicht unabhängig bestätigt.
Streit vom 26. Juli wurde zum Wendepunkt
Am 26. Juli eskalierte ein Streit schließlich erneut. Meck wählte die Polizei. Kraemer räumte später in seinem YouTube-Video ein, ihr eine Kette vom Hals gerissen und sie mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen zu haben.
Gleichzeitig behauptete er, selbst deutlich härter und häufiger geschlagen worden zu sein. Genau diese Darstellung habe Meck dazu gebracht, nun öffentlich über ihre Version zu sprechen.
Sie schildert den Vorfall als Situation, in der sie sich in die Defensive gedrängt gefühlt habe. Kraemer habe sie demnach an einer Wand festgehalten, ihr die Kette vom Hals gerissen und sie ins Gesicht geschlagen. Sie habe versucht, sich aus seiner Umklammerung zu befreien und ihm dabei in ihrer Verzweiflung gegen die Brust geschlagen. "Ich hatte Todesangst", sagt sie.
"Ich habe mich nie so einsam gefühlt"
Meck hat inzwischen Strafantrag gegen ihren Noch-Ehemann gestellt. Die Ehe ist beendet.
Im Rückblick sagt sie, sie habe lange gehofft, die Beziehung noch retten zu können. Sie habe Kraemers Entschuldigungen und Erklärungen immer wieder geglaubt.
Heute zieht sie ein ernüchterndes Fazit: "Ich habe mich nie so einsam gefühlt wie in dieser Ehe." Nun wolle sie ihr Leben neu aufbauen – und auch anderen Frauen Mut machen, die Gewalt in einer Beziehung erleben. Ihr Wunsch für die Zukunft ist dabei erstaunlich schlicht: "Frieden. Frieden für mich und meine Hunde."