Der Herbst ist bereits da, doch vom klassischen Herbstwetter ist in Österreich vorerst wenig zu spüren. Eine markante Hochdrucklage über Europa lässt in den kommenden Tagen noch einmal sehr warme Luft nach Mitteleuropa strömen. Auch Österreich gerät dabei zunehmend unter den Einfluss der ungewöhnlichen Wärme – und der Sommer könnte sich damit bis in den Oktober hinein bemerkbar machen.
Auslöser ist ein großräumiges Wetterphänomen, das Meteorologen als "Heat Dome", also Hitzeglocke, bezeichnen. Dabei baut sich in höheren Luftschichten ein kräftiger Hochdruckrücken auf. Die Luft sinkt großflächig ab, wird dabei komprimiert und erwärmt sich zusätzlich. Gleichzeitig verhindert das stabile Hochdruckgebiet, dass kühlere und feuchtere Atlantikluft rasch nach Mitteleuropa vordringen kann.
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Warmluft aus dem Süden
Die ungewöhnliche Wetterlage entsteht durch ein Zusammenspiel mehrerer Systeme. Über dem Nordatlantik bildet sich ein markanter Höhentrog, während sich über West- und Mitteleuropa ein kräftiger Rücken aufwölbt. Zwischen beiden Druckgebilden wird warme Luft aus südlichen Regionen weit nach Norden transportiert.
Besonders deutlich fällt die Wärme zunächst in Spanien, Portugal und Frankreich aus. Dort sind verbreitet Temperaturen über 30 Grad möglich, in Teilen der Iberischen Halbinsel sogar bis nahe 40 Grad. Die warme Luft breitet sich anschließend weiter nach Norden und Osten aus.
Österreich liegt dabei nicht im Zentrum der extremsten Hitze, bekommt aber einen deutlichen Teil der Warmluft ab. Vor allem in den Niederungen und geschützten Tälern können die Temperaturen wieder 25 Grad oder mehr erreichen. Lokal sind auch Werte nahe 30 Grad möglich. Damit wären für Ende September und den Beginn des Oktobers ungewöhnlich sommerliche Bedingungen erreicht.
Hochdruck hält Herbst auf Abstand
Das Besondere an der Wetterlage ist ihre mögliche Beständigkeit. Das Hochdruckgebiet könnte sich bis in die ersten Oktobertage hinein über weiten Teilen Europas behaupten. Atlantische Tiefdruckgebiete werden dabei weit nach Westen abgedrängt und erreichen Mitteleuropa nur eingeschränkt.
Für Österreich bedeutet das häufig viel Sonne, wenig Niederschlag und milde bis warme Temperaturen. Gerade in den Alpentälern kann sich die Luft bei kräftiger Sonneneinstrahlung besonders stark erwärmen. In höheren Lagen bleibt es ebenfalls ungewöhnlich mild.
Die Temperaturabweichungen sind dabei beträchtlich: In Teilen Europas werden in rund 1500 Metern Höhe bis zu 8 bis 12 Grad über dem langjährigen Durchschnitt berechnet. Diese Werte zeigen, wie außergewöhnlich die Luftmasse für die Jahreszeit ist.
Von einer klassischen Hitzewelle wie im Hochsommer kann in Österreich allerdings nicht überall gesprochen werden. Die Tage sind Ende September bereits deutlich kürzer, und die Nächte können trotz warmer Nachmittage frisch ausfallen. Genau dieser Gegensatz macht die Wetterlage charakteristisch für den späten September: tagsüber fast sommerlich, nachts bereits herbstlich.
Sommerliche Wärme bis in den Oktober?
Nach den derzeitigen Modellberechnungen könnte sich die ungewöhnliche Wärme sogar über den Monatswechsel hinaus halten. Wie weit die warme Luft tatsächlich nach Österreich vorstößt und wie lange sie bleibt, ist allerdings noch mit Unsicherheiten behaftet.
Fest steht: Der September verabschiedet sich vielerorts deutlich wärmer, als es die Jahreszeit vermuten lässt. Und auch zum Start in den Oktober könnte sich der Herbst in Österreich noch einmal gedulden müssen.