Menschen, die als hochsensibel gelten, nehmen Sinneseindrücke häufig besonders intensiv wahr. Doch reagieren sie deshalb tatsächlich stärker auf Lärm, Temperatur oder schlechte Luft? Dieser Frage gingen Forscher der Washington State University nach.
Für die Untersuchung wurden Erwachsene aus Chicago zwei Wochen lang per Smartphone-App zu ihrer Umgebung und ihren Gefühlen befragt. Insgesamt flossen mehr als 3.800 Befragungen in die Auswertung ein.
Sicherheit und soziale Kontakte spielen eine Rolle
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei Menschen mit ausgeprägter Hochsensibilität vor allem das soziale Umfeld mit der aktuellen Stimmung zusammenhängt. Dazu zählen etwa das Gefühl, sicher zu sein, eine ordentliche Umgebung und freundliche Begegnungen.
Fühlten sich die Teilnehmer sicher und willkommen, ging das vergleichsweise stärker mit positiven Gefühlen einher. Wahrgenommene Unsicherheit und Unordnung standen dagegen eher mit negativen Emotionen in Verbindung.
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Lärm und Temperatur weniger entscheidend
Bei klassischen Umweltreizen zeigte sich ein anderes Bild: Lärm, Temperatur und Luftqualität beeinflussten die Stimmung von Menschen mit höheren Sensibilitätswerten nicht nachweisbar stärker als jene anderer Teilnehmer.
Die Ergebnisse widersprechen damit der verbreiteten Vorstellung, dass Hochsensible grundsätzlich auf sämtliche Sinnesreize intensiver reagieren. Vielmehr könnte es darauf ankommen, wie sie ihr Umfeld wahrnehmen und ob sie sich darin sicher und wohlfühlen.
Was bedeutet das für den Alltag?
Studienleiterin Kimberly Meidenbauer fasste die Ergebnisse in einer Pressemitteilung so zusammen: "Es scheint eher um das soziale Umfeld zu gehen als um die physische Umgebung."
Für Betroffene könnte es daher hilfreich sein, stärker auf ihr Sicherheitsgefühl und die Qualität ihrer sozialen Kontakte zu achten. Zeit mit Menschen zu verbringen, deren Gesellschaft guttut, oder belastende Begegnungen zu begrenzen, könnte im Alltag eine Rolle spielen.
Allerdings hat die Studie nicht untersucht, ob eine gezielte Veränderung des sozialen Umfelds die Stimmung tatsächlich verbessert. Die Ergebnisse zeigen Zusammenhänge, beweisen aber keine Ursache.