16 Kinder versteckt

Horror-Haus: Ermittler fanden "fast wilde Tiere"

© Getty Images/Tetra images RF
Ein Routineeinsatz führte Ermittler in den USA zu einem Fund, der selbst erfahrene Beamte erschütterte: 16 Kinder sollen über Jahre abgeschottet und unter katastrophalen Bedingungen gelebt haben.
Zur Vollversion des Artikels

Was Einsatzkräfte in einem kleinen Ort im US-Bundesstaat Ohio entdeckten, sorgt in den USA für Entsetzen. In einem abgelegenen Wohnhaus fanden Behörden insgesamt 16 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen eineinhalb und 18 Jahren. Die jungen Bewohner sollen über einen langen Zeitraum nahezu vollständig von der Außenwelt isoliert worden sein. Die Ermittler waren ursprünglich wegen eines anderen Verfahrens vor Ort. Dass sich hinter den Mauern des Hauses eine derartige Tragödie abspielte, ahnte offenbar niemand.

"Sie sahen fast wie wilde Tiere aus"

"Wir wussten nicht, dass sie dort sein würden", erklärte der zuständige Generalstaatsanwalt auf einer Pressekonferenz. Der Zustand einiger Kinder schockierte selbst erfahrene Einsatzkräfte. "Sie sahen fast wie wilde Tiere aus", sagte der Ermittler über den Anblick nach der Befreiung. Noch deutlicher wurde der zuständige Sheriff: "Ein Großteil unseres Viehs wurde unter besseren Bedingungen gehalten als diese Kinder."

Auf engstem Raum eingesperrt

Symbolbild © Getty Images

Besonders erschütternd: Nach Angaben der Behörden verbrachten die Kinder den Großteil ihrer Zeit in einem einzigen Zimmer von gerade einmal rund zwölf Quadratmetern Größe – kleiner als viele Schlafzimmer.

Wie genau die Kinder über Jahre hinweg dort festgehalten wurden, wollten die Ermittler zunächst nicht bekanntgeben. Käfige oder ähnliche Vorrichtungen wurden nach bisherigen Erkenntnissen jedoch nicht gefunden. Eine 18-jährige Bewohnerin mit Entwicklungsstörung soll nicht einmal in der Lage gewesen sein, ihren eigenen Namen zu schreiben. Bis heute ist unklar, ob alle 16 Kinder Geschwister sind oder in welchem Verwandtschaftsverhältnis sie zueinander stehen.

Sieben Kinder im Krankenhaus

Nach der Befreiung mussten sieben Kinder sofort medizinisch versorgt werden. Zwei von ihnen wurden wegen ihres kritischen Zustands sogar per Rettungshubschrauber in Kliniken gebracht. Ein Kind befand sich nach Behördenangaben zeitweise in Lebensgefahr. Die Jugendbehörden übernahmen unmittelbar nach dem Einsatz die Obhut über die Kinder.

Eltern und Großeltern angeklagt

Die Eltern der Kinder sowie die Großeltern wurden inzwischen festgenommen. Gegen die vier Familienmitglieder laufen Verfahren wegen Kindesgefährdung und weiterer möglicher Straftaten. Der Generalstaatsanwalt fand dafür drastische Worte: Es handle sich um "pures Böses". Die Beschuldigten weisen sämtliche Vorwürfe zurück und plädierten vor Gericht auf nicht schuldig.

Niemand wusste von den Kindern

Besonders rätselhaft bleibt, wie die Familie die Kinder über Jahre verborgen halten konnte. Nach Angaben der Ermittler zog die Familie in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach innerhalb des Bundesstaates um und vermied offenbar konsequent Kontakte zu Behörden, Ärzten und Schulen.

Das Haus lag abgeschirmt hinter dichtem Gestrüpp und Bäumen am Rand einer kleinen Gemeinde mit weniger als 1.000 Einwohnern. Die wohl erschütterndste Erkenntnis der Ermittler: Offenbar wusste außerhalb der Familie niemand, dass die Kinder überhaupt existierten.