Grausige Szenen beim Grazer Derby, Spieler unter Schock, ein schwer verletzter Torhüter. Nach gut 20 Minuten prallt Sturm-Goalie Daniil Chudjakow (22) mit GAK-Spieler Jacob Italiano zusammen und erleidet einen Unterschenkelbruch. Die Verletzung erschüttert beide Mannschaften. Selbst der 6:1-Kantersieg kann die Stimmung bei Sturm kaum aufhellen.
"So eine richtig grausige Verletzung wünscht man keinem, das nimmt uns alle mit, da macht auch der Sieg nichts wett", sagt Simon Seidl. Für Trainer Fabio Ingolitsch folgt auf den Schock die nächste Hiobsbotschaft: Vor dem Europa-League-Duell mit Marseille am Donnerstag fällt nach sieben bereits fehlenden Profis auch noch sein Stammtorhüter aus.
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»Die Verletzung trübt diesen Abend sehr«
Sturms Spieler mussten den Ausfall ihres Teamkollegen erst einmal verkraften. Ammar Helac übernahm zwischen den Pfosten, während die Gedanken noch bei Chudjakow waren. "Wir sind über das Ergebnis und die Leistung total happy, aber die Verletzung trübt diesen wunderschönen Abend sehr", erklärte Ingolitsch.
Die Grazer widmeten ihrem verletzten Torhüter den Sieg. Dreifachtorschütze Oumar Diakite hielt bei den Feierlichkeiten ein Chudjakow-Trikot in die Höhe.
Auch beim GAK hinterließ der Unfall Spuren. Trainer Gerald Scheiblehner sah darin sogar den Wendepunkt der Partie. "Wir waren geschockt, haben uns fast nicht mehr getraut in die Zweikämpfe zu gehen, aber von dem leben wir. Unsere Stärke ist zu unserer Schwäche geworden", erklärte der 49-Jährige.
Besonders betroffen zeigte sich Jacob Italiano, der am Zusammenprall beteiligt gewesen war. "Es war eine schreckliche Situation, ich wünsche ihm das Beste und eine schnelle Genesung", sagte der GAK-Offensivspieler.
Sturm gehen die Spieler aus
Für Ingolitsch verschärfte sich die ohnehin angespannte Personalsituation weiter. Schon vor dem Derby hatten Emran Soglo, Filip Rozga, Otar Kiteishvili, Gizo Mamageishvili, Nelson Weiper, Leon Grgic und Seedy Jatta gefehlt.
Der Sturm-Trainer sprach von "potenziellen Stammspielern und teilweise Unterschiedsspielern". Nun kam mit Chudjakow der nächste schwere Ausfall dazu.
Besonders bitter ist der Zeitpunkt. Die Grazer stecken mitten in einem Mammutprogramm mit neun Pflichtspielen innerhalb von weniger als einem Monat. Erst drei davon sind absolviert. Schon am Donnerstag (18.45 Uhr) kommt in der Europa League Olympique Marseille.
Eine größere Rotation ist angesichts der Verletztenliste kaum möglich. Im Tor ist nun Helac gefragt.
Diakite wird zum Derby-Helden
Was Sturm nach dem Verletzungsschock auf den Platz brachte, beeindruckte selbst den eigenen Trainer. Dabei hatte das Derby denkbar schlecht begonnen: Christopher Cvetko schoss den GAK früh in Führung (10.).
Doch die Grazer schlugen zurück. Luca Weinhandl glich aus, danach drehte Sturm die Partie endgültig. Oumar Diakite traf gleich dreimal – der erste Hattrick seiner Profikarriere.
"Man hat gesehen, dass die Spieler noch das eine oder andere Prozent mehr geben wollten für Chudi", sagte Ingolitsch. Die Reaktion seiner Mannschaft bezeichnete er als "außergewöhnlich".
Für den 22-jährigen Ivorer war es ein weiterer Beleg seiner starken Form. Sechs Tore in vier Ligaspielen stehen bereits zu Buche, obwohl er noch kein einziges Mal über die volle Distanz gespielt hat.
Ingolitsch sah darin die Lösung für ein lange bestehendes Problem: "Wir haben einen Goalgetter schmerzlich vermisst in den letzten Jahren seit dem Abgang von Mika Biereth. Es scheint so, als hätten wir jetzt einen gefunden."
Auch Simon Seidl glänzte mit drei Torvorlagen. Für seinen Trainer war der 24-Jährige "in der Offensive der mit Abstand beste Spieler".
Marseille wartet – Sturm muss wieder liefern
Viel Zeit, den Derbyabend aufzuarbeiten, bleibt den Grazern nicht. Am Donnerstag empfängt Sturm Olympique Marseille in der Europa League. Nach den bisherigen Partien stehen die Steirer dort noch ohne Punkt da.
Ingolitsch wollte sich von der langen Verletztenliste nicht bremsen lassen. "Marseille ist wieder über uns zu stellen, aber in dem Stadion muss man uns erst einmal schlagen, wir hoffen, dass wir den Rückenwind mitnehmen", erklärte der Trainer.
Helac, der nach Chudjakows Verletzung ins Tor musste, sah im Derby eine wichtige Erfahrung für die kommenden Wochen. "Im Derby so zurückzukommen, ist unglaublich", sagte der Keeper. "Es ist kein Geheimnis, dass die Wochen anstrengend werden, genau so etwas kann aber der kleine Funke sein, damit eine zweite Luft entwickelt wird."