Telefonunterlagen, WhatsApp-Nachrichten, Kontakte zu Investoren: Norwegen will die Vorgänge hinter drei FIFA-Affären aufklären lassen. Der Verband verlangt, die interne Kommunikation rund um Gianni Infantino zu sichern und relevante Unterlagen den Mitgliedsverbänden offenzulegen.
Die Forderung kommt vor dem UEFA-Treffen am Donnerstag und Freitag (8./9. Oktober) im Berliner Ritz-Carlton. Die Spitzen der 55 Mitgliedsverbände beraten über einen Gegenkandidaten für die FIFA-Wahl am 18. März 2027. Dessen Vorstellung wird eher Ende Oktober erwartet. Die Nominierungsfrist endet am 18. November.
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Trumps Anruf und 30 Millionen Dollar
Norwegen will drei Fälle prüfen lassen: Trumps Anruf wegen der später auf Bewährung ausgesetzten WM-Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun, den Friedenspreis für Trump und das gestoppte Investorenprojekt "FIFA Forward Enterprise". Es geht um mögliche politische Einflussnahme, übergangene Kontrollen und persönliche finanzielle Interessen.
Laut "Times" soll für Infantino im Investorenprojekt nach seiner FIFA-Präsidentschaft eine Führungsrolle mit 30 Millionen Dollar Jahresgehalt plus Boni vorgesehen gewesen sein. Die FIFA bestreitet, dass darüber gesprochen wurde, und betont die unabhängige Entscheidung im Fall Balogun. Trump hatte erklärt, nur um Überprüfung gebeten zu haben.
FIFA reagiert, Norwegen drängt
Außerdem verweist der Weltverband auf Infantinos September-Brief und seine Bereitschaft zu einer unabhängigen Prüfung. Am 15. Oktober soll der FIFA-Rat in Zürich über Investorenprojekt, Disziplinarverfahren und Kontrollstrukturen beraten.
Norwegen verlangt eine erste Bewertung bis 12. Oktober, eine Entscheidung über eine Voruntersuchung bis 19. Oktober und eine erstinstanzliche Entscheidung bis 22. Jänner 2027. Verbindlich ist dieser Zeitplan nicht.
Nigeria erwägt Entschädigung
Auf unabhängige Entscheidungen beruft sich die FIFA auch im Streit um Nigerias WM-Aus. Laut "New York Times" und "Le Monde" stellten FIFA-Juristen fest, dass DR-Kongo-Torhüter Lionel Mpasi seinen Verbandswechsel von Frankreich nicht abgeschlossen hatte. Sein Einsatz beim Play-off-Sieg gegen Nigeria im November 2025 blieb dennoch ohne Sanktion.
Die FIFA bezeichnet Nigerias Protest als unzulässig und bestreitet eine Einflussnahme Infantinos. Gegen Jamaika und bei der WM habe es keine Probleme mit der Spielberechtigung gegeben.
Nigeria erwägt inzwischen Entschädigung für entgangene WM-Einnahmen und Sponsorengelder, erklärte ein ungenannter Vertreter der staatlichen Sportkommission gegenüber ESPN. Allein die WM-Teilnahme hätte mindestens 12,5 Millionen Dollar an FIFA-Zahlungen gebracht: zehn Millionen für die Teilnahme und 2,5 Millionen für die Vorbereitung. Allerdings hätte Nigeria auch nach einem erfolgreichen Protest noch Jamaika schlagen müssen, um die WM zu erreichen.
Europa braucht einen Herausforderer
Die Beschwerden allein kosten Infantino weder Amt noch Kandidatur. Bei nachgewiesenen Verstößen sind Geldstrafen und eine Sperre für Fußballtätigkeiten möglich, die ihn an der Amtsausübung hindern würde. Für einen Machtwechsel bei der Wahl braucht Europa einen Herausforderer, der auch außerhalb des Kontinents genügend Stimmen gewinnt.
Gehandelt werden Victor Montagliani aus Kanada, Präsident des Kontinentalverbands CONCACAF, und Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa aus Bahrain, Chef des asiatischen Fußballverbands AFC.
Eine Kandidatur hat keiner erklärt. UEFA-Präsident Aleksander Čeferin und PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi haben abgesagt.