Verhandlungen
Iran: Trump ohne Entscheidung
Im Iran-Krieg und im Konflikt zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon geht das Ringen um eine Friedenslösung weiter. Nachdem US-Präsident Donald Trump zuvor eine "endgültige Entscheidung" zu den Verhandlungen mit Teheran angekündigt hatte, verließ er eine Lagebesprechung im Weißen Haus US-Medienberichten zufolge nach zwei Stunden ohne eine Entscheidung.
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Verteidigungsminister Peter Hegseth ließ wissen: Die USA seien bereit, die Angriffe auf den Iran wieder aufzunehmen, sollte keine Einigung im Streit über das iranische Atomprogramm erzielt werden. "Wir sind mehr als fähig, wenn nötig, wieder anzugreifen", sagte Hegseth in Singapur. Die USA hätten genug Waffen in den Lagern, sowohl vor Ort als auch weltweit. "Wir sind also in einer sehr guten Position."
Rahmenabkommen soll vorliegen
Seit Tagen laufen zwischen den USA und dem Iran intensive Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zur Verlängerung der seit dem 8. April geltenden Waffenruhe und weitere Verhandlungen. Berichten zufolge soll eine Einigung kurz bevorstehen. Auf dem Tisch liegt nach Angaben aus US-Kreisen ein Rahmenabkommen für weitere Verhandlungen, auf das sich Unterhändler beider Seiten geeinigt hätten. Es sieht demnach eine Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage vor. Erstmals seit Kriegsbeginn Ende Februar wollen beide Seiten zudem wieder vertieft über das iranische Atomprogramm verhandeln. Aus US-Kreisen hieß es, es fehle nur noch Trumps Zustimmung.
Trump selbst forderte unter anderem, der Iran müsse dem Verzicht auf Atomwaffen zustimmen und die Straße von Hormuz "sofort" wieder öffnen. In seinem Onlinedienst Truth Social schrieb der US-Präsident zudem, der Bestand des Iran an hoch angereichertem Uran müsse "zerstört" werden. Teheran müsse Minen in der Meerenge entfernen und die Blockade der Straße von Hormuz "ohne Gebühren" beenden. Im Gegenzug würden die USA ihre Seeblockade iranischer Häfen beenden.
Der Iran warf Trump jedoch vor, zentrale Vereinbarungen des geplanten Abkommens zu verzerren oder zu ignorieren. Die den iranischen Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars schrieb unter Berufung auf informierte Kreise, der US-Präsident versuche, einen vorgetäuschten Erfolg zu inszenieren.
Teheran bietet Trump die Stirn
Außenamtssprecher Esmail Baghaei sagte laut der Nachrichtenagentur ISNA, dass der Iran und die USA weiterhin Botschaften austauschten. Eine endgültige Einigung sei aber bisher nicht erzielt worden. Baghaei erklärte demnach weiter: "Von dem Begriff "müssen" haben wir uns vor 47 Jahren verabschiedet. Wir richten uns nicht nach dem, was andere von uns verlangen, sondern entscheiden auf der Grundlage unserer Interessen und Rechte." Dieses "müssen" sollte als "wir bitten Sie" interpretiert werden, hieß es weiter.
Irans Parlamentspräsident Mohammad Baqer Qalibaf zeigte sich trotz positiver Anzeichen für eine Verhandlungslösung misstrauisch. "Wir vertrauen weder Garantien noch Worten. Maßgeblich sind allein die Taten", schrieb er auf X. Der wahre Gewinner einer Vereinbarung sei derjenige, der am Tag danach besser auf einen Krieg vorbereitet sei, fügte er hinzu. Qalibaf schrieb, der Iran erlange Zugeständnisse nicht durch Gespräche, "sondern durch Raketen".
Teheran widerspricht Trump in drei Punkten
Konkret widerspricht der Iran laut Fars Trumps Aussagen in drei Punkten:
Trump habe ignoriert, dass unmittelbar nach Unterzeichnung zwölf Milliarden Dollar (10,31 Mrd. Euro) aus eingefrorenen iranischen Auslandskonten freigegeben werden müssten. Ohne diese Freigabe werde der Iran in keine weiteren Verhandlungsphasen eintreten. Das Abkommen enthalte keine Bestimmung zur gebührenfreien Öffnung der Straße von Hormuz, hieß es. Der Iran weise die Aussage zurück, wonach das bereits angereicherte Uran abgebaut oder vernichtet werden solle. Die Absichtserklärung enthalte keine solche Bestimmung.
Die Punkte legen nahe, dass beide Seiten noch weit von einer Einigung entfernt sein könnten. Die uneingeschränkte Öffnung der Straße von Hormuz, die als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung ist, hat aus US-Sicht höchste Priorität.
Zudem weist der Iran auf die Forderung eines vollständigen Waffenstillstands im Libanon hin - im Sinne der libanesischen Hisbollah-Miliz. Im Zuge des Iran-Kriegs war es auch wieder zu schweren Angriffen von Israels Armee im Libanon sowie der Hisbollah gegen den Erzfeind Israel gekommen.
Entwaffnung der Hisbollah nicht in Sicht
Derweil führten Militärdelegationen Israels und des Libanon im Pentagon "produktive" Gespräche, die kommende Woche auf politischer Ebene weitergeführt werden sollen, wie Elbridge Colby, ein ranghoher Vertreter des US-Verteidigungsministeriums, auf X mitteilte.
Israel und die libanesische Regierung - die keine Konfliktpartei ist - hatten Mitte April eine Waffenruhe geschlossen. Die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah gehen trotzdem weiter. Beide Seiten greifen sich weiter täglich an. Der Konflikt hat sich zuletzt zugespitzt. Seit Mitte April führen die Regierungen Libanons und Israels Gespräche unter Vermittlung der USA. Israel will vor allem eine dauerhafte Entwaffnung der Hisbollah-Miliz durchsetzen.
Die libanesische Regierung pocht auf eine dauerhafte Waffenruhe. Sie hat sich zur Entwaffnung der Schiiten-Miliz verpflichtet und beauftragte die reguläre Armee damit. Durchgesetzt konnte die Entwaffnung aber bisher nicht werden. "Die Hisbollah wird nur dann entwaffnet werden, wenn sich die libanesische Gesellschaft gegen sie erhebt - was derzeit unwahrscheinlich erscheint - oder wenn die israelische Armee den gesamten Libanon erobert, was unmöglich ist", schrieb dazu ein Kommentator der israelischen Zeitung "Yediot Ahronot".
Straße von Hormuz bleibt in kritischer Sicherheitslage
Die Sicherheitssituation in der Straße von Hormuz bleibt kritisch. Das stellte die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) in einer Mitteilung am Samstag klar. Die US-Seeblockade von iranischen Häfen bestehe unverändert. "Schiffe, die der Blockade unterliegen, sollten weiterhin den Anweisungen der Blockadekräfte Folge leisten", hieß es. Die Nichtbefolgung könne zu einer "raschen Eskalation" führen.
Innerhalb der letzten 24 Stunden passierten nach iranischen Angaben insgesamt 20 Schiffe die Straße von Hormuz. Laut dem Staatssender IRIB durften die 20 Schiffe in Koordination mit der Marine der Revolutionsgarden (IRGC) die Meerenge passieren.
Schon am Freitag teilte die Marine der iranischen Revolutionsgarden mit, dass 24 Schiffe, unter anderem Tanker, Containerschiffe und Handelsschiffe, trotz der US-Blockade die Meerenge durchqueren konnten. Die Revolutionsgarden warnten jedoch erneut, dass die Überwachung der Straße von Hormuz weiterhin strikt erfolge und jeder Übergriff "mit vernichtenden Schlägen" erwidert werde.