Neue Erkenntnisse
Irre Wende im Rätsel um den Bau der Roten Pyramide
Seit Jahrzehnten versuchen Forscher weltweit, die Frage zu beantworten: Wie haben die alten Ägypter ihre riesigen Pyramiden erbaut? Bisher konnte niemand das Rätsel lösen. Wissenschafter diskutierten über Rampen, Schlitten und ausgefeilte Transportsysteme. Jetzt sorgt ein fast kaum beachtetes Detail bei der Roten Pyramide für Aufmerksamkeit, das die Pyramidenforschung grundlegend verändern könnte.
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Xavie Landreau und sein französisch-ägyptisches Forscherteam vom privaten Forschungsinstitut Paleotechnic haben zwei große Erdwälle in der Nähe der Roten Pyramide genauer unter die Lupe genommen. Dabei stellten die Wissenschafter fest, dass es sich bei den Strukturen womöglich nicht um Baumrampen handeln könnte, sondern um eine riesige Stauanlage. Ihre Forschung haben sie in der Fachzeitschrift "npj Heritage Science" veröffentlicht.
Wasser soll beim Bau verwendet worden sein
Laut ihrer These sollen die alten Ägypter Wasser gezielt für den Bau von Pyramiden verwendet haben. Dabei könnten sie Überschwemmungen kontrolliert als schwere Baumaterialien transportiert haben.
Die zwei untersuchten Erdwälle liegen auf beiden Seiten der Schlucht Wadi Dahshir. Sie befinden sich rund 40 Meter von der Roten Pyramide entfernt. Die Wälle sind jeweils zwischen 600 und 700 Meter lang, bis zu 30 Meter breit und etwa sieben Meter hoch.
Pharao Sneferu ließ die Rote Pyramide errichten
Die Pyramide ließ der Pharao Sneferu um das Jahr 2600 v. Chr. für sich errichten. Mitte des 20. Jahrhunderts etablierte sich unter den Forschern die Annahme, dass die Wälle als Rampen oder Transportwege für Kalksteinblöcke aus nahe gelegenen Steinbrüchen dienten.
Nun haben die Forscher rund um Landreau die Strukturen mithilfe von Satellitenbildern, historischen Karten und modernen Geländemodellen neu untersucht. Ihnen ist eine klare Zickzack-Form in der Mitte der Anlage aufgefallen. Die Rampentheorie würde hier weniger passen. Jedoch könnte dies auf einen Überlauf hindeuten, der bei starken Hochwassern das Wasser kontrolliert ableiten sollte.
Dämme zur Wasserspeicherung verwendet
Landreau erklärte gegenüber dem Magazin "New Scientist": "Sie haben wahrscheinlich nicht wie moderne Betondämme ausgesehen. Stattdessen waren es vermutlich breite Erddämme, die aus Erde, Mergel und Steinen gebaut wurden, mit Steinverkleidungen an den Stellen, an denen das fließende Wasser die Konstruktion hätte angreifen können." Somit hätten die Dämme das Wasser gespeichert und zur Baustelle weitergeleitet. Dadurch sollte der Transport von Steinblöcken, Holz und Versorgungsgütern auf dem Wasserweg ermöglicht werden.
Das Forschungsteam betont, dass ihre Erkenntnisse noch kein endgültiger Beweis sind. Ihre Schlussfolgerung basiert bisher nur auf Landschaftsanalysen. Gezielte Ausgrabungen vor Ort sollen weiter Klarheit schaffen, ob die Wälle wirklich Dämme gewesen sind.