Die Verhandlungen für den Kollektivvertrag (KV) der 90.000 Beschäftigten in der IT-Branche sind am Donnerstagvormittag in die zweite Runde gegangen. Mit einer raschen Einigung wird nicht gerechnet, im Vorjahr waren sieben und im Jahr davor neun Gesprächsrunden für eine Einigung zwischen den Arbeitgebervertretern der UBIT und der Gewerkschaft GPA notwendig. Die GPA fordert heuer 3,9 Prozent mehr Gehalt, die UBIT bietet eine Ist-Erhöhung um 1,2 und ein KV-Plus von 2 Prozent an.
"Wirtschaftliche Unsicherheiten in unserer Branche"
Für die Arbeitnehmer war das nach der ersten Gesprächsrunde am 19. Oktober zu wenig. "Die IT-Branche entwickelt sich seit Jahren besser als die Gesamtwirtschaft. Wenn Umsätze und Wertschöpfung steigen, dann dürfen die Einkommen der Beschäftigten nicht gleichzeitig sinken", betonte GPA-Verhandlungsleiterin Birgit Patzak-Windisch. Dem konterte UBIT-Verhandlungsleiter Martin Zandonella: "In den Verhandlungen müssen die bestehenden wirtschaftlichen Unsicherheiten, die es gerade in unserer Branche gibt, jedenfalls Berücksichtigung finden."
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Rollierende Inflation bei 3,3 Prozent
Die reale Bruttowertschöpfung liege im Bereich Information und Kommunikation bei 1 Prozent und damit nur 0,1 Prozentpunkte über dem österreichischen Durchschnitt, so der Branchenvertreter. Dem hält die GPA entgegen: 2025 erzielte die Informationstechnologie einen Umsatz von 44,31 Mrd. Euro, was einem Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach. Zudem seien Bruttowertschöpfung und Exporterlöse weiter gestiegen.
Basis für die heurige Herbstlohnrunde ist eine rollierende Inflation von 3,3 Prozent. Dies ist der Durchschnittswert der Teuerung der vergangenen zwölf Monate. Im Oktober 2026 lag die Inflation bei voraussichtlich bei 3,6 Prozent.
Mindestgehalt bei 2.420 Euro
Neben Gehaltserhöhungen verlangt die Gewerkschaft Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen - etwa ein Recht auf Stundenerhöhung bei regelmäßiger Mehrarbeit sowie bezahlte freie Tage am 24. und 31. Dezember - und eine Überarbeitung des Ist-Erhöhungsmodells im Kollektivvertrag.
Das Mindestgehalt im IT-KV liegt derzeit bei 2.420 Euro brutto, Lehrlinge verdienen im ersten Lehrjahr 960 Euro. Es gilt eine Normalarbeitszeit von 38,5 Stunden. Wobei viele qualifizierte IT-Beschäftigte laut GPA über dem Mindestgehaltsschema verdienen, also höhere IST-Gehälter bekommen. Hier spieße es sich aber. Denn jedes Jahr könnten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zehn Prozent der Beschäftigten, jedenfalls aber neun Personen, von der IST-Erhöhung ausnehmen. Die GPA will daher eine "gerechtere Weiterentwicklung" des IST-Erhöhungsmodells.
Auf den heuer geltenden Kollektivvertrag einigten sich die Sozialpartner erst am 10. März des heurigen Jahres. Die Verhandlungen dafür begannen am 14. November 2025. Das Ergebnis damals: Die KV-Erhöhung lag bei 2,9 Prozent, die Ist-Gehaltssumme sowie die Zulagen wurden um 2,75 Prozent erhöht.
Sollte es heute keine Einigung geben, wird am 23. November weiter verhandelt.