Kabinett-Theater

Jelinek-Hommage zum 80er: "Ich möchte seicht sein"

© EPA/ROLAND SCHLAGER
Christof Dienz hat zu einem Theateressay Jelineks eine Komposition geschaffen, die im Wiener Kabinetttheater mit Anna Clare Hauf zur Österreichischen Erstaufführung gelangte.
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Nicht mit einer pompösen Zeremonie (der sie ohnehin ferngeblieben wäre), sondern mit einer originellen Monooper auf einer Minibühne in Wien-Alsergrund ist am Dienstag der 80. Geburtstag von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek gefeiert worden. Der in Wien lebende Innsbrucker Christof Dienz hat zu "Ich möchte seicht sein", einem programmatischen Text Jelineks über das Theater, eine Komposition geschaffen, die im Kabinetttheater zur Österreichischen Erstaufführung gelangte.

"Ich möchte seicht sein" © Hans Schubert

"Ich will nicht spielen und auch nicht anderen dabei zuschauen." So beginnt der 1983 erstmals publizierte Essay, mit dem Jelinek zum klassischen Theater auf Distanz ging, noch lange ehe sie ihre berühmten Textflächen als Spielvorlage für experimentierfreudige Szeniker schrieb. Einerseits lässt sie in der radikalen Ablehnung der Vorspiegelung falscher Tatsachen("Ich will keine fremden Leute vor den Zuschauern zum Leben erwecken.") eine starke Nähe zu Bert Brecht erkennen, andererseits greift sie auch die bekannten Hierarchien im Theaterbetrieb direkt an.

"Ich möchte seicht sein" © Hans Schubert

Gottes Hand und leuchtende Sackerl

Wenn Jelinek von der "Hand Gottes, des Regisseurs" schreibt und dessen Kunst verhöhnt, "die leeren Einkaufstüten zum Leuchten zu bringen, diese schlappen undichten Sackeln mit mehr oder weniger Dichtung drin", dann nehmen Regisseurin Alexandra Millner und Bühnen- und Figurenbauer Helmut Pokornig die Autorin beim Wort und setzen dieses in unmittelbare Bilder um. Auf den beiden Seitenbühnen erscheinen dann etwa eine Gipshand und ein aus dem Himmel herabhängender langer, weißer Bart sowie zwei gezeichnete Säcke, in denen zunächst "0 Prozent Inhalt und 0 Prozent Sinn", bald aber im Sinne der Erleuchtung "100 Prozent Bedeutung" enthalten sind.

"Ich möchte seicht sein" © Hans Schubert

Viele derartige Einfälle aus dem Bereich Objekt- und Schattentheater gibt es, ganz im Zentrum des einstündigen Abends über den fünfseitigen Text steht aber die Sängerin Anna Clare Hauf. Auf der mittleren Bühne wird sie flankiert von zwei gipsernen Theatermasken, von denen die lachende gelegentlich grün, die griesgrämige rot aufleuchtet. Sie spricht und singt und demonstriert dabei auch die immer wieder hervorgehobene Musikalität der gelernten Organistin Jelinek.

"So ist es gut"

Der Komponist betätigt sich dabei als begleitender Zithervirtuose, die Kontrabassistin Alexandra Dienz als seine kongeniale Partnerin. Die meisten Instrumente bringt aber Hauf selbst zum Einsatz, von der Ratsche über Pfeifen bis zu Klangstäben und Schlaghölzern. "Wir sind unsere eigenen Darsteller. Brauchen wir nichts außer uns!", heißt es am Ende einer gar nicht seichten, sondern durchaus fordernden Stunde, die sich als gelungenes Geburtstagsgeschenk erweist. "So ist es gut."