Trend aus Wien?

Jugendliche nehmen Krebs-Medikament für mehr Wachstum

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Ein neuer Internet-Trend sorgt bei Medizinern für Alarm: Junge Menschen nehmen ein Krebsmedikament in der Hoffnung, dadurch noch ein paar Zentimeter zu wachsen.
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Der Trend heißt "Heightmaxxing" und ist Teil der sogenannten Looksmaxxing-Szene. Vor allem junge Männer versuchen dabei, ihr Aussehen möglichst perfekt zu machen. Was zunächst mit Sport, Hautpflege und Styling beginnt, kann schnell deutlich weiter gehen – bis hin zu Medikamenten und Operationen. Beim Heightmaxxing dreht sich alles um die Körpergröße.

Zwei Zentimeter pro Monat?

In einem Looksmaxxing-Forum wird dafür der Wirkstoff Erdafitinib angepriesen. Er soll angeblich ein Wachstum von zwei Zentimetern pro Monat ermöglichen. Mögliche Schäden an Augen, Nieren und Leber werden in dem Beitrag heruntergespielt. Dazu gibt es gleich vermeintliche Gegenmittel wie Augentropfen, Phosphatbinder und Nahrungsergänzungsmittel. Der Verfasser warnt allerdings selbst: "Das ist nichts für den durchschnittlichen Teenager!"

Krebsmedikament statt Wachstumsmittel

Erdafitinib ist keineswegs ein Mittel zum Wachsen. © Getty Images

Erdafitinib ist keineswegs ein Mittel zum Wachsen. Unter dem Namen Balversa ist der Wirkstoff zur Behandlung von fortgeschrittenem Blasenkrebs bei Erwachsenen zugelassen. Er blockiert bestimmte Rezeptoren, die auch eine Rolle bei der Regulierung des Knochenwachstums spielen.

Die Blockade des Rezeptors FGFR3 kann das Wachstum der Knochen beeinflussen. Genau diesen Effekt machen sich die Anhänger des Heightmaxxing-Trends zunutze – allerdings ohne ausreichende wissenschaftliche Grundlage für eine sichere Anwendung bei gesunden Jugendlichen.

Gefährliche Veränderungen an den Knochen

Wachstumsfugen sind knorpelige Bereiche an den Enden langer Knochen. Sie ermöglichen Kindern und Jugendlichen, in die Länge zu wachsen. Nach der Pubertät schließen sie sich normalerweise. Wird das Wachstum dort gestört, kann das schwerwiegende Folgen haben: Die Fugen können sich krankhaft verbreitern und unregelmäßig werden. Die Knochen werden dadurch geschwächt, Fehlstellungen, Schmerzen und dauerhafte Wachstumsstörungen sind möglich.

Auch Forscher der US-Arzneimittelbehörde FDA warnen vor einer "toxischen Wirkung auf das Skelettwachstum". Für gesunde Jugendliche gibt es keinen Beleg, dass die Einnahme von Erdafitinib sicher ist.

Die Spur führt nach Wien

Den wissenschaftlichen Ausgangspunkt für den gefährlichen Hype lieferte eine Studie der Medizinischen Universität Wien. Im Juli 2024 veröffentlichten Forscher Beobachtungen zu zwei krebskranken Kindern, die mit Erdafitinib behandelt worden waren. Bei beiden stellten sie ein unerwartet stark beschleunigtes Längenwachstum fest. Gleichzeitig veränderten sich ihre Wachstumsfugen.

Den wissenschaftlichen Ausgangspunkt für den gefährlichen Hype lieferte eine Studie der Medizinischen Universität Wien. © Getty Images

Die medizinische Beobachtung wurde später in der Looksmaxxing-Szene aufgegriffen und zum vermeintlichen Rezept für mehr Körpergröße umgedeutet. Doch die Wiener Forscher untersuchten schwer kranke Kinder im Rahmen einer Krebstherapie – nicht gesunde Jugendliche, die größer werden wollten. Ihre Studie ist kein Beleg dafür, dass Erdafitinib als Wachstumsmittel geeignet oder sicher ist.