EVN öffnet Stausee

Kampf des Großen Kamp ums Überleben

© Petrijünger Grunddorf/D. Gauster
Die Hitze kennt kein Erbarmen, und der Kamp kennt keinen Ausweg mehr. Irgendwo zwischen Jettsdorf und der Verzweiflung liegt ein Fluss, der um sein Überleben ringt. Zur Stabilisierung des Flusses gibt nun die EVN deutlich mehr Wasser als bisher aus den Stauseen ab.
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Die Hitze liegt über Niederösterreich wie eine schwere Decke, aus der es kein Entkommen gibt. Und mittendrin: ein Fluss, der aufgibt. Bei Jettsdorf im Bezirk Tulln zieht sich der Große Kamp zurück, verschwindet, stirbt an manchen Stellen einen stillen Tod. Wo sonst ein Meter Wasser auf 15 Metern Breite fließt, bleibt nur noch trockener Grund. Ein Anblick, der Einheimischen den Atem raubt.

Ein Hilferuf aus der Tiefe / Kann die EVN den verdurstenden Kamp retten?

Auch Pielach und Traisen kämpfen ums Überleben. Die Fische darin haben keine Lobby, nur seichtes, warmes Wasser, das ihnen langsam den Boden unter den Flossen entzieht. Die Bezirkshauptmannschaft Krems zieht die Notbremse und bittet die EVN um Verstärkung. Die Antwort: Statt bisher 1.400 Litern pro Sekunde strömen nun 2.000 Liter aus dem Stausee Ottenstein in den ausgedürsteten Kamp.

Die Sonne als Gegenspielerin

Doch der wahre Gegner sitzt am Himmel. Die Hitze verdunstet, was die Stauseen mühsam nachliefern, erklärt Alexander Neumayr, Obmann der Wasserwerksgenossenschaft. Und selbst das gerettete Wasser muss sich teilen – zwischen Großem Kamp und Mühlkamp. Regen? Fehlanzeige. Die Pegel sinken weiter, unaufhaltsam, wie eine Uhr, die niemand mehr aufzieht.

36 Stunden Wartezeit

36 Stunden hat es gedauert, bis das Wasser von den Stauseen den Kamp erreichte – eine lange, bange Nacht für Fluss und Fauna. "Flächendeckend Niederwasserführung", nennt es Martin Angelmaier, Leiter der Wasserwirtschaft im Amt der NÖ Landesregierung, nüchtern. Immerhin: In vielen Regionen haben Kraftwerksbetreiber freiwillig zusätzliches Wasser freigegeben. Ein kleiner Sieg im großen Kampf gegen die Dürre.

Die Zukunft bleibt trocken

Angelmaier warnt: Solche Extremsituationen werden keine Ausnahme bleiben. Investitionen in Beschattung und natürlichen Uferbewuchs seien notwendig, um die Gewässer widerstandsfähiger zu machen. Vorerst aber bleibt die Lage angespannt – die meisten Kleinwasserkraftwerke stehen still, weil schlicht zu wenig Wasser durch die Adern der Landschaft fließt.

Fazit: Der Kamp hat eine Atempause bekommen, doch der Kampf gegen Hitze und Trockenheit ist noch lange nicht gewonnen.