"Katastrophe"

"Noch nie erlebt" - Massen stürmen Tiroler Naturjuwel

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Goldgelbe Bergahorne vor den schroffen Felswänden des Karwendels locken derzeit besonders viele Ausflügler nach Tirol. Der Ansturm auf den Großen Ahornboden ist derart groß, dass es bereits weit vor dem Tal zu Staus und Straßensperren kommt. Selbst Einheimische zeigen sich überrascht.
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Der Große Ahornboden im Tiroler Karwendel erlebt einen außergewöhnlich turbulenten Herbst. Mehr als 2000 jahrhundertealte Bergahornbäume leuchten derzeit in goldgelben Farben und verwandeln die Landschaft im Engtal in ein beeindruckendes Naturschauspiel. Doch die Schönheit der Natur hat eine Kehrseite: Der Besucherandrang bringt die Verkehrsinfrastruktur zunehmend an ihre Grenzen.

Wie die "Tiroler Tageszeitung" berichtet, schlängeln sich derzeit unzählige Autos, Motorräder und Fahrräder über die schmale Rißtal-Landesstraße. Schon weit vor der Mautstelle kommt es zu stockendem Verkehr. Die Situation ist offenbar auch für erfahrene Kenner ungewöhnlich. Selbst an Werktagen sei der Andrang enorm.

Simon Hintenegger von der örtlichen Wegegemeinschaft, die sich um Parkplätze und Wege kümmert, fand gegenüber der TT deutliche Worte: "Heute ist es eine Katastrophe." Auf einen derartigen Ansturm sei man am Wochenende vorbereitet, unter der Woche habe man damit jedoch nicht gerechnet. Zeitweise mussten Straßensperren eingerichtet werden, um Fahrzeuge auf Ausweichparkplätze weit vor dem eigentlichen Taleingang umzuleiten.

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Sackgasse sorgt für Verkehrsprobleme

Die geografische Lage verschärft die Situation. Der Große Ahornboden liegt am Ende des Rißtals und ist mit dem Auto nur über die Mautstraße von Hinterriß erreichbar. Wer mit dem Pkw anreist, muss denselben Weg wieder zurücknehmen. Bei starkem Besucheraufkommen wird die begrenzte Straßenkapazität damit rasch zum Problem.

Nach Angaben des Alpenvereins München und Oberland, der sich auf eine Machbarkeitsstudie der EUREGIO bezieht, nutzen bereits im Sommer rund 120.000 bis 150.000 Besucher die Mautstraße. Im Herbst sorgt die Laubfärbung zusätzlich für großen Andrang.

Webcam soll Ansturm besser verteilen

Um Besuchern die Planung zu erleichtern, hat der Tourismusverband Silberregion Karwendel eine Live-Webcam eingerichtet. Interessierte können sich damit vorab über den aktuellen Stand der Laubfärbung informieren. Das soll auch die örtlichen Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe entlasten, die regelmäßig zahlreiche Anfragen erhalten.

Wer den Großen Ahornboden besuchen möchte, sollte vor allem an Wochenenden möglichst früh anreisen – empfohlen wird eine Ankunft vor 8 Uhr. Eine Alternative ist der Bergsteigerbus ab Lenggries mit der RVO-Linie 9569.

Naturdenkmal unter Druck

Der Große Ahornboden steht seit 1972 unter Naturschutz und ist Teil des Naturparks Karwendel. Viele der mächtigen Bäume sind zwischen 300 und 600 Jahre alt. Der zunehmende Ausflugsverkehr und der hohe Parkdruck sorgen deshalb nicht nur für Verkehrsprobleme, sondern werfen auch Fragen zum Schutz des empfindlichen Naturraums auf.

Naturschutzverbände und Betreiber der Engalm fordern bereits seit Längerem strengere Verkehrskonzepte und eine mögliche Begrenzung der Fahrzeuge auf der Mautstraße zwischen Hinterriß und Eng. Das Ziel ist, das Naturjuwel langfristig zu bewahren, ohne den Zugang für Besucher vollständig einzuschränken.