Thema bei Wien-Wahl
Keine KI-Gigafactory für Wien: Milliarden-Chance verpasst
Vor gut einem Jahr präsentierten Stadt, Bund und Partner ihre Bewerbung für eine europäische KI-Gigafactory als ambitioniertes Zukunftsprojekt für den Standort Wien. Geplant war ein riesiges Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz, das Forschung, Unternehmen und unzählige Hightech-Anwendungen anlocken sollte. Für eine einzelne Anlage standen Investitionen von bis zu fünf Milliarden Euro im Raum. Rund ein Drittel davon sollte aus öffentlichen Mitteln kommen, der Rest von privaten Geldgebern.
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Doch im Frühling dieses Jahres geriet die Wiener Bewerbung ins Stocken. Ein über neue EU-Förderregeln entfachter Streit wirbelte mächtig Staub auf. Neue Modelle über eine gemeinsame Beschaffung gestalteten sich für Wien nämlich ungünstig, da die Stadt ihr Projekt fix an einen Standort und klare Vorgaben knüpfen wollte. Besonders wichtig war die Einbindung der Abwärme ins Fernwärmenetz, von der Hunderttausende Haushalte profitiert hätten. Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (SPÖ) stellte sogar einen Rückzug aus dem Verfahren in den Raum, sollte die EU diesen Weg blockieren. Währenddessen liefen die Vorbereitungen weiter, wobei das Projekt selbst ohne Brüsseler Rückenwind weitergedacht wurde.
Am Donnerstag hat die EU nun das Verfahren für bis zu sieben KI-Gigafactories offiziell gestartet. Dafür werden bis zu zehn Milliarden Euro an öffentlichen Geldern mobilisiert, die insgesamt mehr als 30 Milliarden Euro an Investitionen auslösen sollen. Allerdings: Wien scheint in den aktuellen Plänen nicht mehr als Standort auf, womit vorerst eine der größten Digitalhoffnungen der Stadt zu Ende geht. Unterm Strich bleibt ein Projekt, das im Zuge der vergangenen Wien-Wahl mit viel Elan angekündigt worden war, letztlich aber nie über die Bewerbungs- und Planungsphase hinauskam. Ob tatsächlich eine eigene Wien-Factory ohne EU-Beteiligung entstehen wird, steht derzeit noch in den Sternen. (Nikolai Uzelac)