F1-Doppeltalk:
Kimi Antonelli unstoppbar? Das sagen die TV-Experten Wurz & Lauda im oe-Talk
Singapur. Während am Wochenende in Singapur die F1-Motoren aufheulen, kann man bei Mercedes den WM-Champagner einkühlen. Wobei George Russell wohl nur mehr theoretische Chancen hat, WM-Leader Kimi Antonelli noch zu stoppen. Oder sehen das die TV-Experten anders? oe24 hakte bei den ehemaligen Rennfahrern Mathias Lauda (ServusTV) und Alexander Wurz (ORF) nach.
Bewährt sich die vieldiskutierte Formel E doch?
oe24: Bewährt sich vieldiskutierte "Formel E" doch?
Mathias Lauda: Die Rennen waren okay. Trotzdem bin ich kein Fan von den aktuellen Autos. Sie sind zu schwer und dadurch zu langsam, und das macht den Fahrern keinen Spaß. Die besten Fahrer der Welt sollten in den schnellsten Autos der Welt sitzen.
Alexander Wurz: Menschen tun sich immer schwer, sich an was Neues zu gewöhnen. Erst war Mercedes auf einem eigenen Level, aber mit dem Aufrücken der Konkurrenz war die Spannung, wie wir sie in der letzten Saison hatten, zurück. Fans, Experten und Fahrer gewöhnen sich daran und das TV-Spektakel hinkt nicht mehr hinterher. Nur die Fahrer lamentieren noch und jammern den alten Autos hinterher. Der Spaß am Vollgas-Fahren fehlt ihnen noch, aber in diese Richtung wird das Reglement eh weiter angepasst.
Formel-1-Titelkampf um Kimi Antonelli
oe24: Ist Kimi Antonelli der Titel noch zu nehmen?
Mathias Lauda: Nein, das geht sich nicht mehr aus, er kann sich sogar Wochenenden wie das in Baku, wo es nicht so lief für ihn, leisten. Abgesehen davon lernt er aus den Fehlern.
Alexander Wurz: Kimi hat seinen Spaß, normalerweise ist er nicht mehr einzuholen. Da müsste ihm das Pechvogel reinspielen. Selbst dann wird er vorn bleiben, weil sich die Verfolger gegenseitig Punkte wegnehmen.
oe24: Ihre Erklärung für das Phänomen Antonelli?
Mathias Lauda: Toto Wolff hat Kimis Ausnahmetalent schon zu Kart-Zeiten erkannt. Jetzt ist er erst im 2. F1-Jahr und verspürt noch immer nicht den großen Druck.
Alexander Wurz: Für ihn passt einfach alles: Das Auto, das Reglement, seine Fahrweise. Dazu kommt das Talent, mit dem er auch im Kart in der Formel 4 und der Formel 2 eine Klasse für sich war.
George Russell gerät in F1-Krise
oe24: Was lief bei Eurem WM-Favoriten Russell falsch?
Mathias Lauda: Ein Mix aus allem: Er war zu WM-Beginn stark und hat sich selbst viel Druck aufgebaut. Aber plötzlich kam Kimi in Schwung, und das konnte George nicht verkraften. Er hat Kimi nicht mehr aus dem Kopf bekommen und ist in die Krise geschlittert. Wenn der Teamkollege plötzlich so locker und so schnell fährt, dann macht das was mit einem im Kopf.
Alexander Wurz: Bei dem ist das Pechvogel gelandet. Zum Beispiel in Japan hat ihm das Safetycar zur falschen Zeit den sicher geglaubten Rennsieg genommen. Dann ist Kimi so richtig der Knopf aufgegangen.
oe24: Wann ist die WM rechnerisch entschieden?
Mathias Lauda: Drei Rennen vor Schluss.
Alexander Wurz: Zwei Rennen vor Schluss – in der Annahme, dass alle ausstehenden Rennen noch gefahren werden. Vielleicht sollten wir den KI-Agenten fragen.
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Max Verstappen und die Ferrari-Zukunft
oe24: Gewinnt Max Verstappen heuer noch Rennen?
Mathias Lauda: Ja, mindestens eines. Er holt aus dem Red-Bull-Auto, das nicht das Beste ist, das Maximum heraus.
Alexander Wurz: Ganz sicher - wobei es auch davon abhängt, welche Rennen am Schluss gefahren werden.
oe24: Wird die WM 2027 wieder spannend?
Mathias Lauda: Wenn Russell aus seinen Fehlern lernt und den Kopf frei bekommt, ist er der Erste, der Antonelli stoppen kann. UND: Junge Fahrer kommen mit den neuen Autos besser zurecht als die älteren.
Alexander Wurz: Wobei keiner behaupten kann, dass die Rennen heuer nicht spannend wären. Die WM ist leider zu schnell in eine Richtung gelaufen. Was das nächste Jahr betrifft, wird der Jumpstart, den sich Mercedes erarbeitet hat, weg sein. Damit werden drei, vier Top-Teams knapp beisammen liegen und um die WM kämpfen. Wobei auch Red Bull mit dem neuen Powertrains-Motor mit großen Schritten aufholt.
Fernando Alonso fährt in F1 weiter
oe24: Was wird aus Hamiltons Traum vom 8. Titel?
Mathias Lauda: Lewis ist vielleicht die Ausnahme meiner These. Mit seinem Fahrstil kommt er schon heuer viel besser zurecht mit dem Ferrari als es letztes Jahr der Fall war. Ich schätze, er kann nächstes Jahr wieder um Siege mitfahren, nicht aber um die WM.
Alexander Wurz: Dazu muss sich sein Team (Ferrari, d. Red.) fangen und die letzten zwei Zehntel finden. Wenn ich aber höre, dass es schon wieder Teamchef-Diskussionen gibt, braut sich die nächste hausgemachte Unruhe zusammen.
oe24: Alonso (45) macht weiter – macht das nicht Lust?
Mathias Lauda: Wenn ich sein Talent hätte, würde ich auch noch immer fahren. Fernando möchte sicher nicht mit seinem schlechtesten Jahr aufhören, nur weil das Auto überhaupt nicht funktioniert. Außerdem hat er sein Leben lang nix anderes gemacht.
Alexander Wurz: Die Stoppuhr weiß nicht, wie alt du bist. Ich habe aufgehört, als ich gespürt hab: Der letzte Funke ist nicht mehr da.