Erste Härtefälle

Kopftuchverbot stellt Direktorin vor Dilemma

© Getty Images (Symbolbild)
Zwei 13-jährige Mädchen wollen ihr Kopftuch trotz Verbots weiter tragen. Ihre Eltern sind dagegen, weil ihnen hohe Strafen drohen. Für die Schule wird der Fall zur Zerreißprobe.
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Das neue Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 sorgt in der ersten Schulwoche vor allem an Wiener Pflichtschulen für erste Konflikte. Während die Lage in Niederösterreich und im Burgenland vorerst ruhig blieb, wurden aus Wiener Volks-, Mittel- und Sonderschulen einzelne Problemfälle gemeldet. Besonders schwierig wird es dort, wo Mädchen das Kopftuch selbst weiter tragen wollen.

So auch an der Mittelschule Enkplatz in Simmering. Zwei 13-jährige Schülerinnen aus Syrien weigern sich dort, ihr Kopftuch abzulegen. Ausgerechnet ihre Eltern sprechen sich dagegen aus, dass die Töchter es weiter in der Schule tragen. Der Grund sind die drohenden Strafen.

Eltern fürchten hohe Geldstrafe

"Die Eltern wollten bei beiden Mädchen, dass sie das Kopftuch runternehmen. Sie wissen, dass das Vergehen bestraft wird", schildert Direktorin Martina Vogel im Ö1-Morgenjournal. Die Familien beziehen Mindestsicherung. "Da tut jeder Euro weh", sagt Vogel. Bei weiteren Verstößen gegen das Verbot können Verwaltungsstrafen von bis zu 800 Euro verhängt werden. Die beiden Schülerinnen selbst wollen ihr Kopftuch dennoch nicht ablegen. Laut der Direktorin tragen sie es bereits seit mehreren Jahren und sehen es als Teil ihrer Religion.

Am Montag führte Vogel zunächst Gespräche mit den Mädchen und sprach eine Ermahnung aus. Einen Tag später wurden auch die Eltern in die Schule gebeten. Für die Direktorin entstand dabei eine schwierige Situation. "Die haben mich beide angeschaut und die eine hat dann auch furchtbar geweint, weil sie gesagt hat: Frau Direktor, warum nimmst du mir mein Kopftuch weg?", erzählt Vogel.

Mädchen blieben der Schule fern

Am Mittwoch kamen beide Schülerinnen nicht zum Unterricht. Sie waren als krank entschuldigt. Für Vogel zeigt der Fall, wie schnell aus der gesetzlichen Vorgabe ein Problem für den Schulalltag werden kann. "Und dann tut's weh", sagt sie. Auch am Donnerstag blieb eines der Mädchen erneut zu Hause. Die zweite Schülerin kam zwar in die Schule, trug aber weiterhin ihr Kopftuch und verstieß damit gegen das Verbot.

Gerade darin sieht die Direktorin einen Widerspruch. In der Schule versuche man, Mädchen zu Selbstständigkeit und eigenen Entscheidungen zu erziehen. "Und jetzt habe ich ein starkes Mädchen und das starke Mädchen mit fast 14 entscheidet für sich: Das ist mein Kopftuch, meine Religion. Und dann sind uns die Hände gebunden", sagt Vogel gegenüber dem ORF-Radio.

Altersgrenze sorgt für Spannungen

Kopftücher waren an der Schule bisher laut Vogel kein größeres Problem. Die neue Altersgrenze bringe nun aber zusätzliche Spannungen mit sich. In derselben Klasse können Schülerinnen ab 14 ihr Kopftuch tragen, jüngere Mädchen dürfen das nicht. "Wo ich die 14-Jährige drinnen habe, die aufgrund ihres Alters das darf und die anderen es nicht dürfen, dort macht's auch in der Klassengemeinschaft was ganz was Schwieriges", schildert die Direktorin. Für die beiden betroffenen Schülerinnen ist die Situation besonders knapp. Im Jänner werden beide 14 Jahre alt. Dann gilt das Kopftuchverbot für sie nicht mehr und sie dürften ihr Kopftuch in der Schule wieder tragen. Bis dahin müssen sie sich jedoch an die neue Regelung halten.