Leben statt Liken!

Smartphone-Kritiker starten Plakat-Offensive

© APA/GERWIN HAIDER
Weniger scrollen, mehr miteinander reden. Eine Kunstaktion nimmt exzessive Smartphone-Nutzung und soziale Medien ins Visier und sorgt mit frechen Sprüchen auf Plakaten für Aufmerksamkeit.
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"Spritzer statt Smartphone", "Leben statt Liken!": Wer derzeit in der Wiener Innenstadt unterwegs ist, wird – sofern der Blick nicht am Handy klebt – unweigerlich auf schwarz-weiße Plakate mit provokanten Sprüchen gegen Smartphones und soziale Medien stoßen. Mit Klebeband an Straßenmasten befestigt, stammen die Botschaften von der "Radikalen Anti Smartphone Front" (RASF). Nach London und Brüssel setzt die Gruppe nun auch in Wien "verstärkte Aktionen", wie ihr Kopf sagte.

Auch wenn sich ihr Name etwas dramatisch anhört, haben Handystores und Apple-Shops nichts zu befürchten. "Es ist ein Kunstprojekt, das vor allem Bewusstsein schaffen will", sagte Benno Flügel, Initiator der Bewegung, der APA. Die Front kritisiert vor allem den exzessiven Gebrauch von Smartphones sowie sozialen Netzwerken.

Die digitale Dauerpräsenz verdränge persönliche Begegnungen, fördere Selbstdarstellung und trage zur gesellschaftlichen Spaltung bei. Ein Mensch, der in den 1980er-Jahren ins Koma gefallen wäre und heute wieder aufwachen würde, könnte denken, "es sei eine Seuche ausgebrochen, die unsere Öffentlichkeit bis in den letzten Winkel infiziert hat, da überall und an jeder Ecke Menschen nur noch in ihren elektronischen Spiegel starren", so Flügel.

"Algorithmusfreie Räume" statt Social Media

Vor allem will die RASF die stärkere Nutzung von "algorithmusfreien Räumen" wie Bibliotheken, Kinos, Museen oder Bars erreichen. Wichtiger als eine Horde Abonnenten auf Facebook oder Follower auf Instagram sei demnach eine "Handvoll Freunde, mit denen wir lachen, weinen und über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens reden können".

Mit seiner Botschaft hat Flügel offenbar einen Nerv getroffen. "Ich habe in Wien schon so viele positive Mails bekommen, dass ich eine Zelle aufbauen könnte", sagte er. Dennoch bleibe die "Radikale Anti Smartphone Front" ein reines Kunstprojekt. Beitreten könne man aber trotzdem: "Löschen Sie Ihre Social-Media-Konten."