Außerdem wurden zwei Personen verletzt, wie die Behörden mitteilten. Infolge der Angriffe mussten zwei wichtige Brücken über den Fluss Dnipro, der die Stadt teilt, vorübergehend gesperrt werden. Russland verstärkt damit vor dem Winter seine Angriffe auf die Infrastruktur der Hauptstadt. Auch in Charkiw gab es nach russischen Attacken Tote.
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Am Freitag in der Früh kam es in Kiew zu langen Staus. In Videos in den sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Menschen zu Fuß über eine Brücke gingen, die für Autos und Straßenbahnen gesperrt war. Betroffen von den Sperrungen waren die Südbrücke und die Paton-Brücke, zwei Hauptverkehrsadern für die Bewohner im Süden der Stadt. Gegen Mittag gaben die Behörden den Verkehr auf den Brücken Augenzeugen zufolge wieder frei.
Die Sperrungen trafen Hunderttausende Einwohner, vor allem jene auf dem östlichen Dnipro-Ufer. Auf diesem "linken Ufer" der Dreimillionenstadt befinden sich überwiegend Wohnhochhäuser aus der Sowjetzeit und den 1990er-Jahren. Vor der russischen Invasion im Februar 2022 lebte dort mehr als ein Drittel der Bevölkerung, obwohl auf dieser Seite nur 18 Prozent der Arbeitsplätze angesiedelt waren. Dem Wirtschaftsanalysten Andrij Schewtschyschyn zufolge pendeln täglich rund 500.000 Menschen vom östlichen auf das westliche Ufer, wo die meisten Regierungsbehörden und Unternehmen ihren Sitz haben.
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko bezeichnete die Lage als "sehr dramatisch". "Es ist nicht mehr möglich, so zu tun, als ob wir jetzt noch so wie in Friedenszeiten leben könnten", schrieb Klitschko am Freitag im Onlinedienst Telegram, nachdem die Sperrung der Südbrücke über den Fluss Dnipro zu Chaos in seiner Stadt geführt hatte.
Tote und Verletzte bei russischem Luftangriff auf Charkiw
Bei einem russischen Luftangriff auf die ostukrainische Stadt Charkiw kamen unterdessen nach offiziellen Angaben mindestens zwei Menschen ums Leben. Weitere 28 Menschen seien durch Gleitbomben verletzt worden, teilte der regionale Militärverwalter Oleh Synjehubow auf Telegram mit. Möglicherweise befänden sich noch weitere Opfer unter den Trümmern getroffener Wohnhäuser.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf dem russischen Militär vor, auf Anordnung von Kremlchef Wladimir Putin die Städte der Ukraine zu zerstören. "Aus Geheimdienstinformationen und von einigen Personen aus Putins Umfeld wissen wir, dass Putin Anfang September gesagt hat: 'Jetzt gibt es keine Regeln mehr'", schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Russland habe die Ukraine nicht besetzen können. "Deshalb führen sie nun massive Angriffe durch und töten in großem Umfang."
Sybiha: Ukraine braucht 300 Patriot-Raketen
Seit dem Ende des Sommers setzt Russland täglich Dutzende Drohnen mit Düsenantrieb gegen die Ukraine ein. Die ukrainische Flugabwehr stößt dabei an ihre Grenzen. Das russische Verteidigungsministerium teilte auf Telegram mit, die Drohnen hätten eine Brücke über den Dnipro, ein Kraftwerk in der Region Kiew, den Hafen von Ismajil nahe Odessa sowie ein Frachtschiff getroffen. Alle Ziele seien für militärische Zwecke genutzt worden.
Um sich gegen die neuen schnellen russischen Drohnen zu wehren, setzt die Ukraine unter anderem auf F-16-Kampfjets. Außenminister Andrij Sybiha erklärte am Donnerstag vor Journalisten, Polen, Belgien und Spanien hätten sich bereit erklärt, 20-Millimeter-Munition für die Bordkanonen der Jets zu liefern. Die Ukraine erwarte zudem in naher Zukunft den Besuch eines hochrangigen Gastes, bei dem eine Vereinbarung über die Lieferung von "mehreren Millionen" Schuss dieser Munition getroffen werden könnte. Sybiha betonte zudem, dass das Land mindestens 300 Patriot-Abwehrraketen benötige, um im Winter einen Mindestschutz gegen russische ballistische Raketen zu gewährleisten. Russland stellt Schätzungen zufolge monatlich 120 bis 140 ballistische Raketen her und verfügt derzeit über einen Bestand von rund 600 dieser Waffen.
Ukraine attackiert Raffinerie in Wolgograd
Bei einem ukrainischen Angriff in der russischen Grenzregion Belgorod kam den örtlichen Behörden zufolge ein Zivilist ums Leben, als ein Auto von einer ukrainischen Drohne getroffen worden sei. Die Ukraine griff ihrerseits erneut Ölanlagen im russischen Landesinneren an. Nach Angaben des ukrainischen Militärs nahmen Drohnen die Lukoil-Raffinerie in Wolgograd sowie eine weitere Ölanlage in der Region Samara ins Visier. Die ukrainischen Angriffe auf Raffinerien in Russland haben das Land nach Angaben des russischen Präsidenten Wladimir Putin bisher bereits ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts gekostet. Angesichts der Schäden kam es in Russland zu Kraftstoffengpässen und langen Schlangen an Tankstellen.
Putin beobachtet Ural-Manöver mit China, Belarus und Pakistan
Der russischen Agentur Interfax zufolge beobachtete Putin am Freitag ein Militärmanöver in der Ural-Region, bei dem auch Truppen aus China, Belarus und Pakistan im Einsatz gewesen seien. Bei der Übung seien russische strategische Bomber im Einsatz gewesen. Der Kreml bezeichnete das Manöver der Agentur TASS zufolge als routinemäßig.