Tennis-Star in Wien

Leben mit Diabetes: Was Zverev so stark macht

© Chris Singer
An diesem Wochenende wird die Wiener Stadthalle zum Centercourt für Tennis-Asse wie Carlos Alcaraz. Auch Alexander 
Zverev hat sich angesagt. Mit gesund&fit sprach er über seine Top-Erfolge trotz Typ-1-Diabetes und seine größte Motivation.
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Wenn bis zum 1. November beim traditionsreichen ATP-500- Turnier "Erste Bank Open" in Wien die Tenniswelt zu Gast ist, richtet sich der Blick auf Superstars wie Carlos Alcaraz (23) und Alexander Zverev (29). Doch gerade hinter der beeindruckenden Karriere des deutschen Olympiasiegers, der kurz vor dem Turnierstart damit aufhorchen ließ, dass er bald eine Pause brauche und Kraft tanken müsse, steckt eine besondere Geschichte. Sie handelt von Disziplin, Gesundheit, einem Leben mit Diabetes – und dem Wunsch, anderen zu helfen.

Auch Superstar Carlos Alcaraz schlägt in Wien auf. © Getty Images for Laver Cup

Hinter Zverevs Höchstleistungen steckt ein täglicher Kampf

Alexander Zverev gehört seit Jahren zur absoluten Weltspitze. Der gebürtige Hamburger gewann 2021 bei den Olympischen Spielen in Tokio Gold, triumphierte zweimal bei den ATP Finals und sammelte zahlreiche Turniersiege. Sein druckvoller Aufschlag, seine Athletik und seine mentale Stärke machen ihn zu einem der gefährlichsten Gegner auf der Tour – und noch in diesem Jahr zur Nummer eins der Weltrangliste. Doch was viele lange nicht wussten: Hinter seinen sportlichen Höchstleistungen steckt ein täglicher Kampf, der weit über den Tennisplatz hinausgeht. Bereits im Alter von vier Jahren wurde bei Zverev Typ-1-Diabetes diagnostiziert.

Was Zverev so leistungsfähig hält

Seit seinem vierten Lebensjahr leidet Alexander Zverev an Diabetes. © Chris Singer

Bei der Autoimmunerkrankung zerstört das Immunsystem jene Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren. Betroffene müssen deshalb lebenslang Insulin zuführen und ihren Blutzuckerspiegel sorgfältig überwachen. Für einen Spitzensportler, der stundenlang unter höchster körperlicher Belastung steht, ist das eine besondere Herausforderung. Was hält einen Athleten wie Zverev dauerhaft leistungsfähig? Neben konsequentem Training sind es vor allem ein bewusster Umgang mit dem eigenen Körper, die richtige Ernährung, Regeneration und ein präzises Gesundheitsmanagement. Zverev muss auch während intensiver Matches seinen Blutzucker kontrollieren und die Insulinversorgung an die körperliche Belastung anpassen.

Seit 2021 sind Zverev und TV-Star Sophia Thomalla ein Paar. © Getty Images for Laver Cup

Aufschlag gegen Diabetes

Die Darmgesundheit spielt ebenfalls in der Sportmedizin eine wichtige Rolle. Billionen Mikroorganismen bilden das sogenannte Darmmikrobiom. Sie unterstützen die Verdauung, beeinflussen die Verwertung von Nährstoffen und stehen in engem Austausch mit dem Immunsystem. Gerade im Spitzensport, wo Energieversorgung, Belastbarkeit und Regeneration über Sieg oder Niederlage entscheiden können, rückt der Darm deshalb immer stärker in den Fokus. Auch bei Diabetes ist dieses Thema interessant. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen Zusammenhänge zwischen Darmmikrobiom, Immunprozessen und Stoffwechselregulation. Veränderungen der Darmflora werden sowohl bei Typ-1– als auch bei Typ-2-Diabetes erforscht. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung kann die Darmgesundheit unterstützen. Allerdings lässt sich Typ-1-Diabetes weder durch eine bestimmte Ernährung noch durch Probiotika heilen oder ersetzen diese die notwendige Insulintherapie. Dass Darmgesundheit und Spitzensport zunehmend zusammengedacht werden, zeigt auch Zverevs Kooperation mit OMNi-BiOTiC. Die österreichische Probiotika-Marke unterstützt seine Stiftung "Aufschlag gegen Diabetes" und spendet in der ATP-Saison 2026 für jedes Ass des Tennisstars zehn Euro.

“Lass es lieber, das ist gefährlich, hat man mir öfter gesagt.”

Alexander Zverev

"Alles ist möglich!" Mit seiner Alexander Zverev-Foundation unterstützt der Tennis-Star seit 2022 auch Kinder und Jugendliche mit Diabetes – in Europa, aber auch in ärmeren Regionen, wo es an der nötigen medizinischen Versorgung und Aufklärung mangelt. Und Alexander Zverev möchte Betroffenen zeigen, dass "mit Diabetes alles möglich ist", wie der Spitzensportler im MADONNA-Interview sagt. "Man kann ein ganz normales Leben führen, wenn man die Krankheit richtig einstellt und kontrolliert." Ihm selbst sei als Kind noch häufig vermittelt worden, dass Diabetes und Leistungssport kaum miteinander vereinbar seien. "Lass es lieber, das ist gefährlich, hat man mir öfter gesagt", so der 29-Jährige. Heute beweist er auf höchstem Niveau das Gegenteil – auch wenn die Erkrankung weiterhin konsequentes Management verlangt.

Sieger der Herzen

Wenn Zverev in Wien aufschlägt, geht es für ihn um wichtige Weltranglistenpunkte und den nächsten Titel. Doch seine vielleicht größte Leistung findet abseits des Centre Courts statt: Menschen mit Diabetes Hoffnung zu geben und ihnen zu zeigen, dass eine Diagnose nicht über ihre Träume entscheiden muss. Oder wie es Zverev selbst formuliert: "Wenn man Freude hat an dem, was man tut, kann man alles schaffen – im Sport wie im Leben. Mit Begeisterung und Leichtigkeit kann man Großes bewirken – und anderen helfen." Und das ist doch noch viel mehr wert als jeder Siegerpokal.