Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zieht nach den gewaltsamen Krawallen Konsequenzen. Nach einem Treffen mit Geheimdienstvertretern und mehreren Ministern kündigte er am Donnerstag neue Einschränkungen für Demonstrationen an. Künftig sollen Proteste nur noch von Gewerkschaften organisiert werden dürfen. Gruppen ohne offizielle Anerkennung sollen keine Kundgebungen mehr abhalten dürfen.
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Auch bei genehmigten Demonstrationen wollen die Behörden eingreifen und die Routen verändern. Damit sollen Innenstädte, Geschäfte und öffentliche Gebäude besser geschützt werden. Macron erklärte, man werde "alternative Routen vorschlagen, um unsere Innenstädte zu schützen, und vor allem unsere Geschäfte und unsere öffentlichen Gebäude".
Proteste in mehreren Städten verboten
Die Maßnahmen fallen je nach Region unterschiedlich streng aus. In Marseille und im Département Bouches-du-Rhône sind für Samstag sämtliche Kundgebungen untersagt. Lyon verbietet ebenfalls alle Proteste. In Grenoble, Rouen, Le Havre und Toulon dürfen Demonstrationen nicht in den jeweiligen Stadtzentren stattfinden.
Auch in Paris gelten Einschränkungen. Ein Protestmarsch der Gelbwesten-Bewegung darf am symbolträchtigen Bastille-Platz starten. Ein Innenstadtbereich mit zahlreichen Geschäften bleibt jedoch tabu. Die Bewegung will die Auflagen nicht akzeptieren. Benjamin Ball, Koordinator der Gelbwesten-Website, kündigte Widerstand an: "Wir werden dem nicht zustimmen."
Museen und Kunstmesse bleiben geschlossen
Die Sicherheitsmaßnahmen treffen auch das kulturelle Leben der Hauptstadt. Die Kunstmesse Art Basel Paris beendet ihre Veranstaltung zwei Tage früher als geplant. Am Samstag bleiben zudem der Louvre, das Musée d’Orsay und das Picasso-Museum geschlossen. Die Behörden wollen verhindern, dass die Einrichtungen in mögliche Unruhen hineingezogen werden.
Tausende Geschäfte geplündert
Die Maßnahmen sind eine Reaktion auf die heftigen Ausschreitungen am vergangenen Wochenende. Tausende Geschäfte wurden geplündert, Rathäuser und Polizeistationen angegriffen und Gebäude in Brand gesetzt. In mehreren Großstädten verhängten die Behörden daraufhin nächtliche Ausgangssperren.
Macron macht unter anderem "ultralinke" Gruppen für die Gewalt verantwortlich. Sie hätten versucht, "die Republik zu Fall zu bringen". Die Täter müssten für begangene Straftaten mit "größter Härte" bestraft werden, forderte der Präsident.
Die Gelbwesten-Bewegung hatte zu Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten aufgerufen. Für Samstag ist in Paris erneut ein Marsch geplant.
217 Menschen inhaftiert
Justizminister Gérald Darmanin gab bekannt, dass nach den Ausschreitungen 217 Menschen inhaftiert worden seien. Insgesamt waren rund 2.700 Menschen in Polizeigewahrsam genommen worden. "Es handelt sich im Allgemeinen um Männer zwischen 18 und 25 Jahren, die zum größten Teil den Justizbehörden nicht bekannt sind", sagte Darmanin.
Unterdessen laufen die Ermittlungen zum Brand des Rathauses von Limoges weiter. Im Département Creuse wurde ein weiterer Verdächtiger festgenommen. Bereits am Dienstag war ein Mann im Département Haute-Vienne in Gewahrsam genommen worden. Ihm wird inzwischen versuchter Mord an Polizisten vorgeworfen, die sich beim Ausbruch des Feuers im Rathaus aufgehalten hatten.