Bäckermeister

Mehrwertsteuer-Senkung: "Bei Mohnstriezel drohen Strafen"

© Johannes Kernmayer
Ab 1. Juli soll die Mehrwertsteuer-Halbierung auf Grundnahrungsmittel den Einkauf für die Menschen billiger machen. Das Gesetz ist aber kompliziert geraten. Bäcker warnen, dass sie sich strafbar machen können.
Zur Vollversion des Artikels

Die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Brot sorgt unter Bäckern für Aufruhr. Denn die Regierung hat es kompliziert gemacht. Es gilt nämlich nicht für jedes Brot. "Bei einem Mohnstriezel drohen Strafen", sagt Josef Schrott, Innungsmeister des Bundesverbands der Bäcker und Inhaber der Wiener Bäckerei-Konditorei Schrott zu oe24.

Je nach Gehalt an Fett und Zucker gelten unterschiedliche Steuersätze. Enthalten Brot und Gebäck mehr als fünf Prozent Fett in der Trockenmasse, sind zehn Prozent zu versteuern. Bei weniger Fett sinkt der Satz auf 4,9 Prozent. Im Zweifelsfall sieht das Gesetz einen Labortest vor.

"Ich möchte kein Finanzstrafverfahren"

"Wir können künftig entscheiden, ob wir lieber Kunden oder den Finanzminister betrügen", sagt Schrott. Er möchte kein Finanzstrafverfahren am Hals. "Ich verrechne weiterhin 10 Prozent auf Mohnstriezel." Nachsatz: "Auch wenn das Konsumentenschützer nicht freuen wird. Dafür riskiere ich kein Finanzstrafverfahren."

Grenze zur Straftat ist hauchdünn

Die Grenze zur Straftat ist hauchdünn. Mohn neigt wie viele Rohstoffe zu schwankendem Fettgehalt. Aber auch Mehl variiert je nach Anbaugebiet, Herstellungszeit etc.

Das Problem betrifft viele Lebensmittel, die Fette, Ölsaaten oder auch Streugut wie Mohn etc. beinhalten. Auch Handsemmeln enthalten meist mehr Fett als industriell gefertigte, was sie steuerlich angreifbar macht.

Laut Finanzministerium hatten die Bäcker genug Zeit sich vorzubereiten. Außerdem gebe es ein umfangreiches FAQ (Fragen-und Antworten-Sammlung) für die Betriebe, heißt es gegenüber oe24.

"Das hätte man billiger haben können"

Schrott sagt zum Gesetz der Regierung, welches einige Grundnahrungsmittel billiger macht. "Das hätte man billiger haben können." Wenn man Bevölkerungsgruppen mit weniger Geld helfen wollte, wäre das laut dem Innungsmeister viel einfacher gegangen. So mussten viele Bäcker rund eine Woche Arbeitszeit in die Umstellung investieren. Was letztendlich auch den Preis der Ware erhöhen wird. "Die Arbeitszeit ist das teuerste in Österreich."