Gleich der erste Satz stellt eines klar: "Haus, ich verkaufe dich!" und damit wird das Schicksal vorweggenommen, wie bei einer Romanfigur, deren Ende schon am Anfang vorausgesagt wird, schnell vergessen, sodass sie liebgewonnen werden kann.
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Haus ist Referenzpunkt für Lebensetappen
Das Haus an einem See, mitten im Nirgendwo der ehemaligen DDR, steht im Zentrum dieser Geschichte, ist mal Objekt, mal Raum, mal Ort, hat viel mit der Ich-Erzählerin erlebt: Kinder, Scheidung, Lieben, Feste. Dem Haus werden Emotionen zugesprochen – wenn die Erzählerin zu ihm flieht, dann verhielt es sich stets liebevoll, bei Bekannten, die es nicht zu schätzen wussten, freilich hochmütig. Das Haus, eine ehemalige Gastwirtschaft, hat die Erzählerin gemeinsam mit ihrem Mann angeschafft, als Gegenentwurf zu ihrer Wohnung in der Stadt.
Ebenen. Eva Menasse hat mit diesem neuen, autofiktionalen Roman, Alleinruhelage, einen Text verfasst, der auf vielen Ebenen nahegeht, dabei unterhaltsam ist und lustig! Klug sind ihre Betrachtungen sowieso. Nach der Trennung von ihrem Mann will die Ich-Erzählerin das Wochenendhaus loswerden, der Garten ist überwuchert und sie holt sich Hilfe von der moldawischen Alla und dem polnischen Bolek, um alles zeigefein zu machen. Doch sie kann sich vorerst nicht trennen: Die beiden bereiten den Neuanfang für sie und das Haus, das nochmal Glück gehabt hat und zu diesem Zeitpunkt nicht verkauft wird.
Ehemalige DDR
Das Haus ist Referenzpunkt für Gefühle, Stimmungen, Impulsgeber für Geschichten über die Familie. So hätte die Mutter der Erzählerin auch gerne etwas im Grünen besessen, der Vater allerdings strikt nicht; es folgt eine liebenswerte Anekdote über die Familie. Wenn Menasse dank der Haus-Lage die ehemalige DDR streift, folgen wir ihrem Blick als Österreicherin, die Wahldeutsche ist, neugierig und werden mit Eigenarten konfrontiert. Eigenarten zeichnen auch die Nachbarschaftsdünkel aus, die sich über die Zeit zuspitzen. Immer wieder blitzt zudem die Grausamkeit der Trennung auf, ihre Details dessen, was die einst so Verbundenen entzweit hat. Das Große im Kleinen literarisch zu verhandeln, ist jetzt nichts Neues. Aber immer dann besonders, wenn es aufgeht und gut unterhält, wie hier in diesem Roman.
Kritischer Blick, Gespür" & "Integrität"
Eva Menasse, Halbschwester des österreichischen Schriftstellers Robert Menasse, wurde einem größeren Publikum durch ihren Roman Vienna bekannt, der 2005 erschien. Darin erzählt sie die Geschichte ihrer jüdisch-katholischen Familie während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Stil ist anekdotisch, die Figuren extravagant und "Katzi" ist uns auch Jahrzehnte nach der Lektüre noch im Gedächtnis. Es folgten u.a. die Bücher Quasikristalle (2013) und Dunkelblum (2021), das sich um die Massenvernichtung von jüdischen Zwangsarbeitenden 1945 im burgenländischen Rechnitz dreht. Das Schweigen über die Toten hielt an, die Leichen der über 100 Menschen wurden bislang nicht gefunden.
Auszeichnung
Ende 2025 wurde Eva Menasse mit dem Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln ausgezeichnet. Die Jury rund um Benedikt Föger begründete den Entschluss mit Menasses "kritischem Blick, für Aufklärung und aktives gesellschaftliches Engagement". Sie habe "moralische Integrität" und "feines literarisches Gespür".