Seit seinem urplötzlichen Erscheinen auf der Weltbühne der WM 2006 suchen die Argentinier jeglichen Vergleich zwischen Lionel Messi und ihrem Volksheld Diego Armando Maradona. Auch wenn der mittlerweile 39-Jährige eine ganz andere Karriere aufs Parkett brachte, drängen sich die Vergleiche auch im Profi-Spätsommer immer noch auf.
Wie schon 1986 packte ein Albiceleste-Superstar seine Nation bei der Hand und führte sie zum 2:1-Sieg gegen den verhassten Gegner England.
Aus Kampfsport wurde erst spät Fußball
Bereits die erste Hälfte bot eine ordentliche Parallele zum Viertelfinal-Duell zwischen Argentinien und England (2:1) bei der WM 1986. Wurde damals vor allem Maradona in Grund und Boden getreten, beteiligten sich diesmal fast alle 22 Akteure. 19 Fouls (7 bei England, 12 bei Argentinien) in 45 Minuten, Schüsse aufs Tor brachten beide nicht zusammen. Die "Schlacht von Atlanta" war geboren.
Wer für einen ansehnlichen Kick zusah, der kam erst nach der Halbzeit auf seine Kosten. Und wieder war 1986 allgegenwärtig, denn wie damals fielen alle drei Tore im zweiten Abschnitt. Maradona präsentierte sich mit der "Hand Gottes" und dem Sololauf-"Tor des Jahrhunderts" als Hauptdarsteller, Messi hingegen eher als Regisseur. Zwar kam er nicht auf 16 Dribblings wie sein Vorgänger, egalisierte mit 9 aber seinen persönlichen WM-Rekord aus 2010 und 2018.
Viel eher glänzte er aber mit seinen Pässen: Sein Abspiel kurz nach einer Ecke auf Enzo Fernandez war eher simpel und nur von guter Übersicht geprägt. Der Distanz-Hammer des Chelsea-Stars verrichtete hier die hauptsächliche Arbeit (85.).
Eher am Zaubern war der 39-Jährige beim Siegtor nur sieben Minuten später: Mit einer Körpertäuschung ließ er zwei Engländer stehen, danach griff er überraschend zu seinem eher weniger gebrauchten rechten Fuß. Er bewies aber, dass er selbst in dem mehr Gefühl besitzt als manch anderer in seinem starken Fuß, seine Flanke kam punktgenau auf den einspringenden Joker Lautaro Martinez (90.+2), der die Gauchos in völlige Ekstase abdriften ließ.
Die Argentinier geben einfach niemals auf
Nur etwas mehr als eine halbe Stunde davor sah die Welt aber noch ganz anders aus. Nach einem blitzsauberen Konter kam Englands Morgan Rogers am rechten Flügel zum Ball, für seinen Ball in die Mitte drückte sich Anthony Gordon an seinem Gegenspieler Nahuel Molina vorbei (55.). Das erste WM-Finale der Three Lions seit 1966 war zum Greifen nah. "Nach unserem Tor kam nur noch eine Welle nach der anderen", nannte es England-Stürmer Harry Kane. 12 Prozent Ballbesitz ab dem 1:0 zwangen sie in die Knie.
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"Episch? Historisch? Wie sollen wir es nennen? Die Jungs hatten keine Angst, sie fühlten die Last der Verantwortung nicht", fasste Argentiniens Coach Lionel Scaloni es treffend zusammen. Angeführt von Messi, gibt diese Truppe nie auf.
Der G.O.A.T. hat seinen zweiten Titel fest im Visier.