Skandal-Designer

Met Gala 2027 plötzlich ohne Motto: John-Galliano-Ausstellung abgesagt

© Getty Images for The Met Museum/Vogue
Die Met Gala 2027 muss völlig neu geplant werden: Nach heftiger Kritik hat das Metropolitan Museum of Art die angekündigte John-Galliano-Retrospektive gestrichen. Damit fällt auch das bisherige Thema für den berühmtesten Modeabend der Welt weg. Doch warum ist die Ausstellung so entscheidend für die Gala – und was passiert jetzt?
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Die Met Gala gilt als das wichtigste Modeereignis des Jahres. Doch bei dem glamourösen Abend handelt es sich nicht nur um einen spektakulären Red Carpet mit Stars wie Zendaya, Rihanna oder Kim Kardashian. Die Veranstaltung ist in erster Linie die jährliche Spendengala für das Costume Institute des Metropolitan Museum of Art in New York.

Jede Met Gala eröffnet die dazugehörige Frühjahrsausstellung des Costume Institute. Deren Inhalt bestimmt auch das Thema des Abends, an dem sich Designer, Stars und Stylisten bei ihren Looks orientieren. Genau deshalb hat die überraschende Absage der geplanten Ausstellung "John Galliano: Horizons" direkte Auswirkungen auf die Met Gala 2027.

Dieses Thema war für die Met Gala 2027 geplant

Erst Ende Juli gab das Metropolitan Museum of Art bekannt, dass die nächste große Frühjahrsausstellung dem britischen Modedesigner John Galliano gewidmet ist.

"John Galliano: Horizons" hätte dessen gesamte Karriere beleuchtet: von seiner berühmten Abschlusskollektion am Central Saint Martins College über seine Arbeit für Givenchy und Christian Dior bis zu seinem gefeierten Comeback bei Maison Margiela.

Galliano wäre damit erst der dritte noch lebende Designer gewesen, dem das Costume Institute eine große Solo-Retrospektive widmet. Zuvor erhielten nur Yves Saint Laurent im Jahr 1983 und Comme-des-Garçons-Gründerin Rei Kawakubo 2017 diese besondere Ehre.

Die Met Gala sollte am 3. Mai 2027 stattfinden. Wenige Tage später, am 9. Mai, wäre die Ausstellung eröffnet worden. Ursprünglich sollte sie bis Jänner 2028 zu sehen sein.

John Galliano bei der Arbeit in seinem Atelier: Seine Entwürfe für verschiedene Modehäuser sollten 2027 im Costume Institute ausgestellt werden. © Getty Images

John Galliano sorgte für viel Kritik

John Galliano gilt als einer der einflussreichsten und kreativsten Modeschöpfer der vergangenen Jahrzehnte. Besonders seine opulenten Shows für Dior schrieben Modegeschichte. Seine Karriere ist jedoch untrennbar mit einem schweren Skandal verbunden.

2010 und 2011 fiel Galliano durch antisemitische und rassistische Äußerungen auf. Nachdem ein Video bekannt geworden war, in dem er unter anderem seine Bewunderung für Adolf Hitler ausdrückte, wurde er von Dior und seinem eigenen Label entlassen. Ein Pariser Gericht verurteilte ihn wegen öffentlicher Beleidigungen aufgrund von Herkunft, Religion und ethnischer Zugehörigkeit.

Galliano begab sich anschließend wegen Alkohol- und Drogenproblemen in Behandlung, entschuldigte sich mehrfach und kehrte 2014 als Kreativdirektor von Maison Margiela in die Modewelt zurück.

Das Met wollte diese dunklen Kapitel nicht ausklammern. Die Ausstellung sollte ausdrücklich untersuchen, wie Gallianos künstlerische Leistung, sein Fehlverhalten und die Frage nach persönlicher Verantwortung nebeneinander betrachtet werden können.

Dennoch wurde der Widerstand nach der Ankündigung immer größer. Jüdische Organisationen, Vertreter der New Yorker Politik sowie Unterstützer des Museums kritisierten, dass Galliano mit einer der bedeutendsten Einzelausstellungen der Modewelt geehrt werden sollte.

John Galliano sollte bei der Met Gala 2027 im Mittelpunkt stehen – nun wurde die geplante Retrospektive nach heftiger Kritik abgesagt. © Getty Images for BFC

John Galliano zieht die Ausstellung zurück

Nach wochenlangen Diskussionen gaben das Metropolitan Museum und Galliano schließlich bekannt, dass die Ausstellung nicht stattfinden wird.

"Ich möchte nicht, dass die Debatte um meine Person das Met in eine schwierige Lage bringt", erklärte der Designer in einem Instagram-Post. Zudem erkenne er an, dass eine Ausstellung, die sein Werk würdigt, für manche Menschen schmerzhaft wäre.

Galliano betonte, weiterhin die Verantwortung für den durch seine früheren Aussagen verursachten Schmerz zu übernehmen. Museumsdirektor Max Hollein erklärte, die Entscheidung sei nach ausführlichen Gesprächen gemeinsam getroffen worden.

Wird die Met Gala 2027 jetzt abgesagt?

Bislang nicht. Das Metropolitan Museum hat lediglich die Galliano-Ausstellung gestrichen. Gleichzeitig kündigte es an, Informationen zu einer neuen Frühjahrsausstellung und zur Met Gala 2027 zu einem späteren Zeitpunkt bekannt zu geben.

Eine vollständige Absage der Gala gilt als unwahrscheinlich. Schließlich ist sie die wichtigste Finanzierungsquelle für die Arbeit des Costume Institute. Offen ist derzeit allerdings, ob die Veranstaltung wie ursprünglich geplant am 3. Mai stattfinden wird.

Sicher ist: Die Met Gala 2027 braucht nun ein komplett neues Thema. Das Costume Institute muss kurzfristig eine neue Frühjahrsausstellung entwickeln oder ein anderes bereits vorbereitetes Konzept vorziehen. Erst wenn dieses feststeht, können auch das neue Gala-Motto und der dazugehörige Dresscode präsentiert werden.

Vouge-Chefin Anna Wintour zählt seit Jahren zu Gallianos prominentesten Unterstützerinnen und setzte sich auch für seine Met-Retrospektive ein. © Dave Benett/Getty Images

Das hat zahlreiche weitere Konsequenzen:

  • Die gesamte Inszenierung des Abends muss an das neue Thema angepasst werden.
  • Modehäuser und Stylisten müssen ihre bisherigen Ideen für die Stars verwerfen.
  • Bereits geplante Galliano-Hommagen und angefragte Archivlooks sind vorerst vom Tisch.
  • Einladungen, Sponsorenauftritte und die visuelle Gestaltung der Gala müssen überarbeitet werden.
  • Auch die Auswahl der Co-Gastgeberinnen und Co-Gastgeber dürfte vom neuen Thema beeinflusst werden.

Ein offizieller Dresscode und die Namen der Co-Chairs wurden noch nicht bekannt gegeben. Das verschafft den Verantwortlichen zumindest etwas Spielraum. Dennoch bleibt für eine Ausstellung dieser Größenordnung vergleichsweise wenig Zeit.