Tradition

Miller: 160 Jahre im Zeichen der Schreibkultur

© Miller
Seit 1866 prägt Miller die Wiener Schreib- und Papierkultur. Das Unternehmen hat Kriege, Wirtschaftskrisen und den Wandel zum Onlinehandel überstanden.
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Die Geschichte der Firma Miller beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts und ist eng mit der Entwicklung der europäischen Schreib- und Papierkultur verbunden. Den Grundstein legte der Ulmer Carl Friedrich Kuhn, der in den 1840er-Jahren das Potenzial der damals neu entwickelten Stahlschreibfeder erkannte.

Von der Stahlfeder zum Papiergeschäft

Der ehemalige Zündholzfabrikant gründete in Wien eine Stahlschreibfederfabrik und leistete damit einen Beitrag zum Wandel vom traditionellen Gänsekiel hin zur modernen Schreibtechnik. Die Produkte fanden rasch Abnehmer in ganz Europa.

Auch Friedrich Miller, ebenfalls aus Ulm stammend, war zunächst für Kuhn tätig. Als Handelsreisender lernte er das Geschäft kennen, heiratete schließlich Kuhns Nichte und gründete 1866 in Wien sein eigenes Papier- und Schreibwarengeschäft. Der Standort in der Mariahilfer Straße 93 wurde bald zu einer etablierten Adresse für Papier- und Schreibwaren.

Vom Fachgeschäft zum Großhandel

Noch vor der Jahrhundertwende setzte Miller auf zwei Standbeine. Das Unternehmen fungierte als Niederlage renommierter Geschäftsbücherfabriken und spezialisierte sich gleichzeitig auf den Großhandel mit Buntpapieren und Kartonagenmaterial.

Diese Ausrichtung prägte das Unternehmen über viele Jahrzehnte. Doch die wirtschaftlichen und politischen Umbrüche der Zwischenkriegszeit stellten auch Miller vor große Herausforderungen.

In den 1930er-Jahren wurde das Unternehmen grundlegend umstrukturiert. Der Handel mit Buntpapieren wurde aufgegeben. Stattdessen übernahm Miller die Generalvertretung für eine deutsche Neuerung: die "Durchschreibebuchhaltung" der Marke "Fortschritt".

Eine Erfindung für den Büroalltag

Die neue Form der Buchhaltung sollte den Büroalltag deutlich beschleunigen. Ernst Miller, der Enkel des Firmengründers, machte den Vertrieb der Produkte zu einem großen Erfolg. Die Durchschreibebuchhaltung entwickelte sich zu einem wichtigen Standbein des Unternehmens und sicherte damit einen Teil der Zukunft von Miller.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand erneut der Wiederaufbau an. Der Betrieb wurde modernisiert und das Sortiment um Organisationsmittel, Schreibgeräte und weitere Büroprodukte erweitert.

U-Bahn-Bau als Belastungsprobe

Eine weitere wichtige Etappe folgte Anfang der 1980er-Jahre mit dem Eintritt in die Büroprofi-Partnerschaft. Mithilfe der Logistik von PBS-Austria konnte Miller den Großhandel mit Bürobedarf ausbauen und stärken.

Die Entscheidung hatte auch Auswirkungen auf das traditionelle Detailgeschäft in der Mariahilfer Straße. Es konnte trotz großer wirtschaftlicher Herausforderungen erhalten bleiben. Eine besondere Belastungsprobe war der sieben Jahre dauernde Bau der Wiener U-Bahn. Erst am 3. September 1993 wurde die U3 eröffnet.

Rückkehr zur Schreibkultur

Unter Georg Mosler, dem Ur-Ur-Enkel des Firmengründers, setzte Miller schließlich auf eine bewusste Rückbesinnung auf die eigene Kernkompetenz: die Schreibkultur. Angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch Anbieter im unteren Preissegment rückten hochwertige Schreibgeräte, besondere Papiere und ausgewählte Accessoires wieder stärker in den Mittelpunkt. Gleichzeitig modernisierte das Unternehmen seinen Auftritt, entwickelte eine eigene Corporate Identity und baute seine Onlinepräsenz aus.Mit dem Relaunch der Website und einem eigenen Onlineshop verbindet Miller heute die lange Unternehmensgeschichte mit zeitgemäßen Vertriebswegen.

160 Jahre zwischen Tradition und Wandel

Von der Stahlschreibfeder des 19. Jahrhunderts über die Durchschreibebuchhaltung bis zum modernen Onlineshop: Die Geschichte von Miller ist auch eine Geschichte des Wandels. Seit 160 Jahren setzt das Unternehmen auf Kontinuität und Anpassungsfähigkeit – und auf die Leidenschaft für das Schreiben. Aus dem einstigen Papier- und Schreibwarengeschäft ist ein Unternehmen geworden, das seine historische Identität mit einer modernen Interpretation der Schreibkultur verbindet.