Interview

Miriam Fussenegger übers Blackout: "Ich bin nach wie vor schlecht vorbereitet"

© ORF/Allegro Film/Anjeza Cikopano
Bevor Schauspielerin Miriam Fussenegger 2027 mit dem "Tatort" durchstartet, ist sie in der zweiten Staffel der Blackout-Serie zu sehen.
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Es ist ein bisschen Zeit vergangen, seit in "Alles finster" die Lichter ausgegangen sind: 2022 feierte die ORF-Serie ihre Premiere und wurde zum Quotenbringer. Vielleicht, weil das Thema eines europaweiten Blackouts den Zeitgeist traf. Wahrscheinlich auch wegen der hochkarätigen Star-Besetzung: Die "Vorstadtweiber" Martina Ebm und Hilde Dalik sind ebenso mit von der Partie wie Lukas Watzl, Christian Strasser und Miriam Fussenegger. Ab 9. November (20.15 Uhr, ORF 1 und 24 Stunden vorab auf ORF ON) kehren wir nach Kekenberg an der Della zurück und es gibt immer noch keinen Strom. Das europaweite Blackout hält mittlerweile fast vier Monate an. Die Vorräte werden knapper, der Herbst zieht ein und die Stimmung sinkt mit den Temperaturen Richtung Tiefpunkt. Neben der Frage, wo sie Nahrung herbekommen, stehen die Bewohn:innen Kekenbergs aber auch vor dem Rätsel um den Verblieb von Laura (Miriam Fussenegger). Die ist erst einmal wie vom Erdboden verschluckt.

Sorge um Laura

Im Interview spricht Miriam Fussenegger über "Alles finster", verrät, ob sie für ein Blackout gewappnet ist, und gibt zu, dass sie ihrem Debüt als neue "Tatort"-Ermittlerin im kommenden Jahr schon ein wenig aufgeregt entgegenblickt.

Das Interview

Hilde Dalik (Elisabeth), Michael Edlinger (Patrick), Martina Ebm (Agnes), Miriam Fussenegger (Laura), Simon Hatzl (Martin). © ORF/[M] Landsiedl [F] Ramstorfer

"Alles finster" geht im Herbst weiter. Sie haben die zweite Staffel von September bis November gedreht, oft im Freien. Wie war das?

Miriam Fussenegger: In dem Jahr gab es diese starken Regenfälle und Überschwemmungen. Ich glaube, das war eine Woche vor meinem ersten Drehtag. Ich habe viel im Wald gedreht. Man konnte sehen, dass alles ein bisschen zerstört war. Es war natürlich herbstlich frisch. Aber ich finde, dass man friert oder schwitzt, ist Teil solcher Dreharbeiten. Man ist immer entweder in zu warmem Gewand in heißen Gebäuden oder in zu kühlem draußen. Ich habe schon viel erlebt und bin mittlerweile abgebrüht. Das war eine harmlose Nummer. Die Temperaturen waren erträglich. Wir werden auch immer gut mit Jacken und Wärmflaschen versorgt.

Die Lage in Kekenberg hat sich über die Monate zugespitzt. Wie schaut es dort jetzt aus?

Fussenegger: Die Situation dauert länger an, die Ressourcen werden knapper, der Umgang wird rauer. Es gibt Plünderer, Menschen, die kriminell werden. Meine Figur trifft das aber weniger. Sie existiert in einem Paralleluniversum. In der Welt, in der sie gerade ist, ist das Blackout kein Thema.

“Ich bin auf wohlwollende Mitmenschen angewiesen und vertraue, dass es sie gibt.”

Miriam Fusseneggers Strategie für ein Blackout.

Laura ist – zumindest am Anfang der Staffel – nicht da.

Fussenegger: Ja, sie ist verschwunden und taucht später wieder auf. Dazu kann ich noch nicht viel verraten.

Was macht diese Rolle und diese Serie für Sie spannend?

Fussenegger: Ich finde das Thema des Blackouts sehr interessant. Bei der ersten Staffel war das ein relativ neues, aber omnipräsentes Thema. Das zu einer Serie zu machen, fand ich cool, und es war am Puls der Zeit. Meine Figur ist sehr praktisch veranlagt und hat etwas Bodenständiges. Das schätze ich sehr.

Die Dreharbeiten fanden teilweise im Wald statt. © ORF/Allegro Film/Anjeza Cikopano

Wie war die Stimmung am Set?

Fussenegger: Es war eine sehr familiäre und vertraute Zusammenkunft. Wir haben die Stimmung am Set genossen. Ich glaube, das haben alle so empfunden. Man kennt das Team und den Drehort schon. Es ist immer schön, zu etwas zurückzukehren, das ein bisschen vertraut ist. Bei Dreharbeiten ist es oft so, dass man am Set steht und niemanden kennt.

Ist es als Schauspielerin eine Herausforderung, sich immer wieder auf ein neues Umfeld einlassen zu müssen?

Fussenegger: Es hängt natürlich vom Team und der Rolle ab und davon, wie lange man am Set ist. Aber ich finde, es ist manchmal seltsam, wenn man sich als Schauspielerin öffnen muss und niemanden kennt. Es hat Vorteile, wenn man miteinander vertraut ist.

Haben Sie sich damit auseinandergesetzt, wie Sie auf ein Blackout vorbereitet wären?

Fussenegger: Während der ersten Staffel war die Auseinandersetzung größer, muss ich gestehen. Jetzt ist das ein wenig in den Hintergrund getreten. Ich bin nach wie vor schlecht vorbereitet. Ich sage immer, ich bin auf wohlwollende Mitmenschen angewiesen und vertraue, dass es sie gibt. Jeder hat seine Stärken und meine liegen nicht beim Preppen und Überleben während eines solchen Ernstfalls.

In der Serie sind nicht alle Menschen wohlwollend. Das ist, wenn man von einem Blackout ausgeht, nicht unrealistisch.

Fussenegger: Absolut. Ich finde es spannend, das zu untersuchen: Wie reagieren Menschen in so einer Extremsituation? Das hat einen bedrohlichen Beigeschmack. Man kann sich gut vorstellen, dass jemand in dieser Situation auf seinen Vorteil bedacht ist. Um es positiv zu formulieren. Ich habe aber das Gefühl, es gibt in der Serie beides. Einerseits ist der Umgang rauer und andererseits wird auch der Zusammenhalt stärker. Ich glaube, man kann in solchen Situationen entscheiden, wie man reagieren möchte.

2027 schlüpfen Miriam Fussenegger und Laurence Rupp am "Tatort" in zwei Fällen erstmals in die Rollen des neuen österreichischen Ermittlungsduos Charlie Hahn und Alex Maleky. © ORF/Petro Domenigg

Wir sehen am Nachbarort Mucking, wie schnell sich ein totalitäres Regime aufbauen kann. Wie geht es Ihnen – auch in Anbetracht der Weltlage – bei diesem Gedanken?

Fussenegger: Das ist natürlich alles nicht völlig aus der Luft gegriffen. Es ist möglich und beunruhigend. Persönlich beschäftigt mich die Klimakrise sehr. Wenn man sich vorstellt, zu was das noch führen kann, worauf es hinausläuft. Privilegiertere haben dann Ressourcen und Möglichkeiten und andere bleiben auf der Strecke oder müssen ums Überleben kämpfen. Natürlich gibt es da Parallelen zu unserer Welt.

Nächstes Jahr steht Ihr erster "Tatort"-Fall auf dem Programm. Spüren Sie schon eine gewisse Aufregung?

Fussenegger: Natürlich. Wir kennen den Sendetermin noch nicht. Aber es ist aufregend, gepaart mit Vorfreude. Die Filme sind abgedreht. Ich habe sie selbst noch nicht gesehen und kann es selbst noch nicht beurteilen. Ich bin gespannt, wie es aufgenommen wird, und ich hoffe, dass es auf ein Publikum trifft, das uns gerne annimmt.

Die Ausstrahlung

"Alles finster" startet am Montag, 9. November mit zwei Folgen um 20.15 Uhr und 21.05 Uhr. Weiter Folgen gibt es am 16. und 23. November 2026 in ORF. Die Folgen 1 und 2 gibt es je 24 Stunden vorab auf ORF ON, alle weiteren Episoden sieben Tage vorab.