Interview

Mirjam Weichselbraun: "Mein Herz schlägt für Unterhaltung mit Haltung"

© ORF/Roman Zach-Kiesling
Am 26. September lässt Mirjam Weichselbraun in "Universum – Die Show" wieder Kandidat:innen und prominente Gäste rätseln. Mit uns sprach sie über die Show und ihren Job.
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So viel zu sehen wie bei "Universum – Die Show" gibt es bei wenigen Quizsendungen: Das Studio verwandelt sich in die verschiedensten "Universum"-Erlebnislandschaften, nimmt das Publikum mit in abenteuerliche Landschaften, zu faszinierenden Tierarten oder in längst vergangene Zeiten und lässt es in die "Universum"-Welt eintauchen. Zu den spektakulären Bildern gibt es knifflige Fragen, auf die die drei Rate-Teams Antworten finden müssen.

Prominente Unterstützung

Die Teams bestehen aus je einem Promi und einer Kandidatin oder einem Kandidaten. In einer neuen Ausgabe von "Universum – Die Show" (am 26. September, 20.15 Uhr in ORF 2) stellen sich Kabarettist Michael Mittermeier, Schauspielerin Hilde Dalik und der ehemalige Skirennläufer Fritz Strobl den spannenden Fragen. Für die Kandidat:innen steht dabei ihre Traumreise auf dem Spiel. Durch die Show führt in bewährter Manier Mirjam Weichselbraun. Im Gegensatz zu den Quizzer:innen kennt sie übrigens nicht nur die Fragen, sondern auch alle Antworten, verriet sie im Interview (rechts).

Das Interview

Am 26. September raten Michael Mittermeier, Fritz Strob und Hilde Dalik mit den drei Kandidat:innen in "Universum - Die Show". © ORF/Roman Zach-Kiesling

Bei "Universum – Die Show" glänzen nicht nur die Kandidat:innen mit ihrem Wissen. Moderatorin Mirjam Weichselbraun (44) verrät in MADONNA, wie sie sich auf die Quiz-Sendungen vorbereitet und was sich in der TV-Welt zum Besseren verändert hat.

Was mögen Sie an "Universum – Die Show"?

Mirjam Weichselbraun: Die Show beweist, dass Fernsehen und Bildung Hand in Hand gehen können, ohne dass versucht wird, den Menschen etwas mit erhobenem Zeigefinger beizubringen. Ich war schon immer ein großer Fan von Dokumentationen. Wenn man diesen Show-Faktor, mit dem ich groß geworden bin, mit meiner privaten Leidenschaft für Dokumentationen zusammenbringen kann, umso besser.

Für die Kandidat:innen geht es um viel. Fiebern Sie mit?

Weichselbraun: Absolut. Es geht nicht nur um einen Pokal, die Kandidat:innen können eine Traumreise erspielen. Natürlich stehen mir manche emotional näher als andere. Mir ist aber sehr bewusst, dass sich die Menschen im besten Fall einen Lebenstraum erfüllen können. Ich habe mich über die Kandidatinnen und Kandidaten etwas eingelesen. Sie wirken alle sehr fit – manche studieren Biologie, eine ist Floristin und kennt sich gut mit Pflanzen aus. Wir haben gescheite Leute dabei.

“Mein Gehirn vertieft sich manchmal viel zu lange in eine einzige Frage, und dann stehen noch 72 andere an.”

Mirjam Weichselbraun bereitet sich Gewissenhaft auf die Sendung vor.

Kennen Sie die Fragen vor der Aufzeichnung?

Weichselbraun: Wir bereiten sehr viel mehr Fragen vor, als wir dann in der Sendung haben bzw. brauchen. Bei einigen fliege ich nur drüber, bei anderen erfahre ich Dinge, die mir so noch nicht bewusst waren. Da kann es passieren, dass mein Kopf sich auf ein Thema fokussiert und auf einmal vergehen drei Stunden. Dafür weiß ich inzwischen alles über die Habsburger in Mexiko. Mein Gehirn vertieft sich manchmal viel zu lange in eine einzige Frage, und dann stehen noch 72 andere an. Auf diese Fragen freue ich mich besonders, weil ich wissen will, ob nur ich das so faszinierend finde. Die Vorbereitungen für diese Sendung dauern bei mir länger als bei anderen. Ich möchte nicht nur sagen: "Das ist falsch, das ist richtig." Es ist mein Anspruch an den Job, dass ich mich in den Themen auskenne.

Sie moderieren sehr unterschiedliche Formate. Was ist Ihnen wichtig?

Weichselbraun: Es ist immer Unterhaltung. Aber Unterhaltung mit Haltung, dafür schlägt mein Herz. Wenn ich zurückschaue, gibt es Formate, die ich heute nicht mehr machen würde, weil sie nicht mehr zu mir passen. Früher gab es Shows, in denen man in einer Bluebox saß und Szenen oder Ausschnitte kommentiert hat. Es ging oft darum, sich über andere lustig zu machen. Dazu habe ich keine Ambition. Unterhaltung ist für mich nicht lustig, wenn sie auf Kosten anderer Menschen geht.

Denken Sie, dafür hat sich in den letzten Jahren ein größeres Bewusstsein entwickelt?

Weichselbraun: Ich hoffe es. Wenn man sich anschaut, was in den 90er-Jahren im Fernsehen okay war, wie Frauen in Shows bewertet wurden und welche Fragen sie in Interviews beantworten mussten, bin ich froh, dass wir weiter sind. Manches passiert zwar immer noch, aber heute muss man mit entsprechender Kritik rechnen. Das finde ich gut. Schwierig finde ich allerdings, dass sich online heute jeder ungefiltert auskotzen kann, egal ob es zur Sache beiträgt oder nicht. Das Netz ist gehässiger geworden.

Schauen Sie Ihre eigenen Shows an?

Weichselbraun: Nein. Ich gehe davon aus, dass alle im Team ihr Bestes geben, damit es eine gute Show wird. Das Gefühl direkt nach der Aufzeichnung reicht mir meistens aus. Selbst meine Kinder haben, glaube ich, noch nie eine Sendung von mir gesehen.

“Wenn man sich anschaut, was in den 90er-Jahren im Fernsehen okay war, wie Frauen in Shows bewertet wurden und welche Fragen sie in Interviews beantworten mussten, bin ich froh, dass wir weiter sind.”

Mirjam Weichselbraun über die Veränderungen in der TV-Landschaft.

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie mit keinem guten Gefühl rausgehen?

Weichselbraun: Ich versuche, sanfter mit mir umzugehen, mir Fehler einzugestehen oder mir zu sagen: Es geht hier nicht um dich, sondern um das große Ganze. Ich will meinen Job so gut wie möglich machen, und es ärgert mich, wenn manches nicht wie gewünscht funktioniert. Das kann ich nicht immer leicht abschütteln, daran arbeite ich noch. Aber es ist auch gut, wenn einem nicht alles egal ist.