Comeback nach 100 Jahren

Mission Monte Carlo

Motoren-Countdown vor dem Landesmuseum NÖ in St. Pölten: Rund drei Dutzend Oldtimerfans feuern den Avis 3 an, als der historische Flitzer nach mehreren Anlaufversuchen endlich anspringt. Startschuss für die „Mission Monte Carlo 2026" – ein Comeback-Rennen mit 100 Jahren Verspätung.
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Heimatforscher Robert Krickl steht am Steuer dieser besonderen Mission. „Wir haben so lange gearbeitet und heute wird es endlich ernst", so Krickl vor dem Start. Der Avis 3 – lateinisch für „Vogel" – zeigt sich trotz seines stolzen Alters von 100 Jahren topfit für die Herausforderung.

Ein Auto mit Rennstall-Gen

Gebaut wurde der Sportwagen in den 1920er-Jahren in Brunn am Gebirge im Bezirk Mödling. Krickl bezeichnet das Fahrzeug als echte Pionierleistung: effizient, leistungsstark und alltagstauglich zugleich. In der Zwischenkriegszeit prägten solche Autos das heimische Straßenbild, ehe die Marke im Zuge der Weltwirtschaftskrise vom Markt verschwand.

Fund in der Scheune bringt die Wende

Der Avis 3 galt lange als verschollen – bis Krickl, im Brotberuf Materialwissenschafter, vor sieben Jahren in einer Tiroler Scheune fündig wurde. Es folgten Jahre aufwendiger Restaurierungsarbeit, bis der Boliden-Klassiker wieder startklar war.

Das unvollendete Rennen von 1926

Die eigentliche Krönung sollte am 19. Jänner 1926 folgen: Der Start eines österreichischen Werksteams bei der legendären Rallye Monte Carlo. Doch an der italienischen Grenze war Endstation – starker Schneefall stoppte die Fahrt über die Alpenpässe. „Höhere Gewalt", sagt Krickl über das damalige Aus. Jetzt, 100 Jahre später, soll das Rennen endlich zu Ende gebracht werden.

1.200 Kilometer ohne Sicherheitsnetz

Die sportliche Herausforderung könnte kaum größer sein: Krickl und sein Vater nehmen 1.200 Kilometer in Angriff – in zwei Wochen, mit Tempo 50, ganz ohne Gurt und Benzinanzeige. Ersatzteile gibt es keine. „Es ist ein 100 Jahre altes Fahrzeug, es gibt immer ein Risiko, wir haben aber versucht, uns bestmöglich vorzubereiten", so Krickl kampfbereit vor dem Start.

Zwischenstopps mit Fan-Programm

Die Route führt auch durch Niederösterreich, mit Stopps in Wiener Neustadt und am Semmering. Fans und Interessierte sind eingeladen, dem historischen Renn-Team live zu begegnen. Einziger Wunsch des Teams: gutes Wetter. „Wir hoffen sehr, dass das Wetter diesmal mitspielt", sagt Krickl mit einem Lächeln.

Zieleinlauf mit Museums-Etappe

Nach dem Rennen wartet auf den Avis 3 ein prominenter Ehrenplatz: Der Boliden-Oldtimer kehrt kommendes Jahr ins Landesmuseum St. Pölten zurück und wird Teil der Ausstellung „1927. Ein Jahr am Abgrund", die von 5. März 2027 bis 30. Jänner 2028 im Haus der Geschichte gezeigt wird.