Bergführer entsetzt

Mit Flipflops am Vulkan! Touristen stürmen den Ätna

© Anadolu via Getty Images
Der Ätna ist wieder aktiv und lockt Tausende Schaulustige an. Doch was für Urlauber spektakuläre Bilder verspricht, wird für Bergführer zunehmend zum Sicherheitsproblem: Viele Besucher steigen trotz der Gefahren auf eigene Faust hinauf – manche sogar in Flipflops.
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Seit vergangenem Freitag schleudert der Ätna wieder Lava und Asche in die Höhe. Der Andrang ist enorm. Bergführer Daniele Perricelli berichtet von rund 300 Anfragen täglich – etwa dreimal so viele wie üblich.

Doch nur einige Dutzend Menschen kann er pro Abend tatsächlich begleiten. Viele andere machen sich deshalb offenbar alleine auf den Weg. "Jeden Abend steigen bis zu 2000 Menschen den Ätna hinauf, die Wege sind überfüllt", schildert Perricelli gegenüber AFP. Besonders absurd: Einige Besucher seien sogar in Flipflops unterwegs gewesen.

Vulkan wird zur Selfie-Kulisse

Auch Bergführer Ernesto Maria Magri beobachtet die Entwicklung mit Sorge. An manchen Stellen herrsche inzwischen regelrechtes Gedränge. Für viele scheint das Naturschauspiel vor allem eine perfekte Kulisse für Fotos und Videos zu sein.

Wie gefährlich das werden kann, zeigte sich erst kürzlich. Ein etwa 20-jähriges Paar aus der Provinz Catania wollte zu einem Aussichtspunkt gelangen, um die Lavaströme aus der Nähe zu beobachten. Wegen des schwierigen Geländes, der Dunkelheit und der Gefahr musste das Paar schließlich gerettet werden.

Auch Diletta Leotta sorgt für Wirbel

Für Aufsehen sorgten zudem Bilder von DAZN-Moderatorin Diletta Leotta. Sie veröffentlichte auf Instagram Aufnahmen, auf denen es so aussieht, als stehe sie nur wenige Meter von einem Lavastrom entfernt.

Das löste Kritik aus – unter anderem wegen der geltenden Regeln für das Sperrgebiet. Ihr Management erklärte jedoch, dass die Tour mit einem spezialisierten Guide stattgefunden habe. Auch Videos der Exkursion zeigen, dass der tatsächliche Abstand zur Lava größer war, als es die Fotos durch die Perspektive erscheinen lassen.

Wie nah darf man an die Lava?

Wie weit Besucher an den Vulkan heran dürfen, hängt von seiner aktuellen Aktivität und den behördlichen Vorgaben ab.

Bei normaler Aktivität ist eigenständiges Wandern bis etwa 2400 Meter Höhe möglich. Höhere Bereiche dürfen nur mit zertifizierten Vulkanführern betreten werden. Bei einem aktiven Ausbruch können die Zonen rund um Krater und Lavaströme komplett gesperrt werden. Direkt an fließende Lava heranzugehen oder sie zu betreten, ist grundsätzlich verboten. Aktuell gilt laut italienischem Zivilschutz die zweite von vier Warnstufen.

Ätna legt auch Flugverkehr lahm

Die Folgen sind nicht nur am Berg spürbar. Auch der Flughafen von Catania kämpft mit den Auswirkungen des Vulkanausbruchs.

Der Betrieb musste bereits mehrfach unterbrochen werden, Hunderte Flüge fielen aus, Zehntausende Reisende waren betroffen. Nach Angaben der Flughafenbetreibergesellschaft sollte der Flugverkehr bis Donnerstag, 13. August, um 16 Uhr ausgesetzt bleiben.

Während der Ätna weiter Lava und Asche ausstößt, bleibt damit vor allem eine Frage: Wie lange lässt sich der Touristenansturm auf den aktiven Vulkan noch kontrollieren?