Für Leentje De Visscher aus Belgien sollte eine Mittelmeer-Kreuzfahrt zu einem unvergesslichen Urlaub werden. Doch als die 43-Jährige während der Reise plötzlich gesundheitliche Probleme bekam, folgte eine böse Überraschung: Für die medizinische Behandlung an Bord wurden ihr 1629 Euro verrechnet. Das Geld bekam sie anschließend nicht von ihrer Krankenkasse zurück.
Wie die belgische Zeitung "Het Laatste Nieuws" berichtet, war Leentje gemeinsam mit ihrem Mann und 26 Freunden unterwegs. Die Gruppe reiste nach Marseille und ging dort an Bord der "MSC Splendida", die eine einwöchige Mittelmeer-Tour absolvierte.
Während eines Landausflugs in Palermo bekam die Belgierin plötzlich schwere Atemnot. Am Abend kamen Schwierigkeiten beim Finden von Wörtern hinzu. Am nächsten Morgen suchte sie deshalb die medizinische Abteilung des Kreuzfahrtschiffs auf. Blutuntersuchungen und mehrere EKGs ergaben Herzrhythmusstörungen. Daraufhin erhielt die 43-Jährige eine Magnesium-Infusion.
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Mit der medizinischen Versorgung war Leentje zufrieden. Die Rechnung traf sie allerdings unvorbereitet: 1629 Euro wurden von ihrer Bankkarte abgebucht. Das war sogar mehr als der Preis für die gesamte Kreuzfahrt, die 1475 Euro gekostet hatte. "Das ist viel Geld für uns, mehr als die Hälfte des Monatsgehalts meines Mannes", sagte sie zu "Het Laatste Nieuws".
Schiffsflagge wird zum entscheidenden Faktor
Die Belgierin hatte angenommen, dass ihre Krankenkasse die Behandlungskosten zumindest teilweise übernehmen würde. Doch ihre Zusatzversicherung deckte medizinische Leistungen in bestimmten Urlaubsländern ab – Panama gehörte nicht dazu. Die "MSC Splendida" fährt unter panamaischer Flagge. Damit war die Kostenübernahme nach den Angaben im Bericht ausgeschlossen, obwohl sich das Schiff auf einer Reise durch das Mittelmeer befand.
Der Reiseveranstalter TUI erklärte dem Bericht zufolge, Leentje sei vorab über die Flagge des Schiffs informiert worden. Außerdem habe sie die Versicherungsdeckung selbst bei ihrer Krankenkasse abklären sollen. Die Frau sieht den Fall dennoch als Warnung für andere Urlauber.
Auch für Reisende aus Österreich ist Vorsicht geboten
Dass die Flagge eines Kreuzfahrtschiffs bei der Erstattung von Behandlungskosten eine Rolle spielen kann, ist auch für Urlauber aus Österreich relevant. Die Europäische Krankenversicherungskarte bietet an Bord nicht automatisch denselben Schutz wie bei einer Behandlung an Land. Zudem können Schiffsärzte privat abrechnen, wodurch hohe Kosten entstehen.
Wer eine Kreuzfahrt plant, sollte daher vor der Abreise bei der eigenen Krankenkasse und einer möglichen Reiseversicherung nachfragen, ob medizinische Behandlungen an Bord gedeckt sind. Eine zusätzliche Auslandsreisekrankenversicherung kann sinnvoll sein. Entscheidend sind die jeweiligen Versicherungsbedingungen und mögliche Ausschlüsse.
Für Leentje bleibt die erste Kreuzfahrt damit vor allem wegen der hohen Arztrechnung in Erinnerung. Sie hofft, dass andere Reisende aus ihrer Erfahrung lernen und sich vor der Buchung genauer über den Versicherungsschutz informieren.