Freund erstochen
Mord-Prozess: Schülerin (17) suchte im Netz nach dem tödlichen Stich
Im Jänner wurde der 17-jährige Onur in Castrop-Rauxel (Nordrhein-Westfalen, Deutschland) blutüberströmt entdeckt. Schnell geriet Angela H. ins Visier der Ermittler.
Die Schülerin erklärte zunächst, sie sei auf dem Weg zur Fahrschule von einem Unbekannten angegriffen worden und habe sich lediglich verteidigt. Diese Version hielt den Ermittlungen jedoch nicht stand. Unter anderem passten die Spuren nicht zu ihrer Darstellung. Außerdem berichteten erste Zeugen, dass sie Onur kannte.
Polizei vergisst ihr Handy abzunehmen
Bei der ersten Festnahme unterlief den Ermittlern zudem eine folgenschwere Panne: Laut "Focus" wurde Angela H. das Handy in der Zelle nicht abgenommen.
Die Schülerin soll daraufhin einen Chatverlauf mit dem späteren Opfer gelöscht haben. Ein Ermittler sprach von einem "ärgerlichen Kommunikationsfehler". Große Auswirkungen habe dieser allerdings nicht gehabt, weil die Nachrichten weiterhin auf dem Handy des Opfers vorhanden gewesen seien.
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Sie änderte ihre Geschichte
Später räumte Angela H. ein, sich mit Onur auf der Terrasse eines ehemaligen Jugendzentrums getroffen zu haben. An ihrer Darstellung von Notwehr hielt sie jedoch fest.
Zunächst habe sie mit einer Scherbe zugestochen, anschließend mit einem zufällig gefundenen Messer. Sie behauptete, Onur habe sie missbrauchen wollen.
Die Ermittler zweifelten offenbar an dieser Version. Für einen Haftbefehl reichten die Beweise zunächst dennoch nicht aus. Angela H. war zu diesem Zeitpunkt bereits untergetaucht.
Zielfahnder spürten sie in Litauen auf
Im Juli gelang Zielfahndern des Landeskriminalamts schließlich die Festnahme der 17-Jährigen in Litauen.
Bei der Auswertung ihres Handys stießen die Ermittler laut "BILD" auf weitere Hinweise. Demnach sollen Angela H. und Onur bereits zuvor einvernehmlichen Sex gehabt haben.
Noch brisanter: Die Ermittler sollen auf Internet-Suchen gestoßen sein, die sich damit beschäftigten, wie man einen Menschen mit einem Stich in den Hals töten kann.
Ermittler vermuten Rache als Motiv
Nach den bisherigen Ermittlungen könnte ein Streit über die sexuelle Beziehung eine Rolle gespielt haben. Sex vor der Ehe soll nicht den konservativen Wertvorstellungen von Angela H.s Elternhaus entsprochen haben.
Die Ermittler vermuten deshalb, dass die Jugendliche den Geschlechtsverkehr später bereut und Onur dafür verantwortlich gemacht haben könnte. Ob sich diese Theorie im Prozess bestätigt, muss das Gericht klären.
Der Anwalt der Familie des Getöteten, Burkhard Benecken, ist überzeugt, dass die Darstellung einer versuchten Vergewaltigung im Prozess widerlegt werden wird. Angela H.s Verteidigung hält dagegen und hofft auf einen Freispruch.
Bis zu zehn Jahre Jugendhaft
Angela H. muss sich nun wegen Mordes vor dem Landgericht Dortmund verantworten. Sollte sie verurteilt werden, drohen ihr als Jugendliche bis zu zehn Jahre Haft.
Weitere Details des Verfahrens bleiben vorerst unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Weil die Angeklagte erst 17 Jahre alt ist, wird der Prozess nicht öffentlich geführt.