Ein neues Medikament aus den USA verspricht die Wirkung von Sport zu imitieren und so den gefürchteten Jo-Jo-Effekt nach dem Absetzen von Abnehmspritzen zu verhindern. Erste klinische Studien des US-Unternehmens Enveda zeigen vielversprechende Erfolge bei der Regulierung des Sättigungshormons Leptin.
Durchbruch nach Wegovy und Co.
Die Nachricht schlägt in der medizinischen Welt hohe Wellen: In den USA benutzen bereits rund zwölf Prozent der Erwachsenen die bekannten Abnehmspritzen oder entsprechende Medikamente in Tablettenform. Doch die größte Herausforderung bei Behandlungen mit Präparaten wie Wegovy bleibt der Moment nach dem Absetzen. Häufig droht den Betroffenen die schnelle Gewichtszunahme, da der Appetit zurückkehrt und der Stoffwechsel sich verlangsamt. Hier setzt die bahnbrechende Entwicklung eines US-Biotechnologieunternehmens an, das nun ein neues Arzneimittel vorstellt. Dieses Präparat soll körperliche Aktivität im Körper so vortäuschen, dass der Gewichtsverlust dauerhaft erhalten bleibt.
Kommt jetzt Sport in Pillenform?
Im renommierten US-Pharmainformationsdienst "STAT" wird die Innovation bereits als mögliche Sensation gefeiert. Wenn man ein oral einnehmbares Medikament entwickeln könnte, das den Appetit zügelt und gleichzeitig die positiven Effekte körperlicher Aktivität nachahmt, könne man von "Sport in Pillenform" sprechen. Genau diesen Ansatz verfolgt das Biotech-Unternehmen nun mit ersten, äußerst vielversprechenden Studienergebnissen zu einem neuen Wirkstoff.
KI-Wirkstoff nach Entdeckungen an Elite-Uni Stanford
Hinter dem potenziellen medizinischen Meilenstein steht das US-Unternehmen Enveda mit Sitz in Boulder im Bundesstaat Colorado. Die Entwicklung basiert auf bahnbrechenden Entdeckungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der weltberühmten Stanford University in Kalifornien. Diese hatten das Peptid Lactat-Phenylalanin (Lac-Phe) erforscht. Dabei handelt es sich um ein Hormon, das der menschliche Körper natürlicherweise als Reaktion auf starke körperliche Belastung sowie nach Mahlzeiten freisetzt. Lac-Phe hat die Eigenschaft, den Appetit effektiv zu hemmen und den Fettanteil im Körper zu reduzieren. Es dient als wichtiger Nährstoffsensor und erklärt, wie körperliche Betätigung den Stoffwechsel auf molekularer Ebene beeinflusst.
Das Problem war bisher, dass das natürliche Lac-Phe im menschlichen Körper viel zu schnell abgebaut wird, um direkt als Medikament eingesetzt werden zu können. Um diese Hürde zu nehmen, setzte das Unternehmen Enveda auf modernste Programme mit künstlicher Intelligenz. Das Ergebnis ist das synthetische Molekül ENV-308. Dieser Wirkstoff wurde speziell dafür entwickelt, die positiven Eigenschaften von Lac-Phe in Form einer oralen Tablette stabil nachzubilden, die einfach täglich eingenommen werden kann.
Erste Tests an Menschen liefern positive Ergebnisse
Vor Kurzem veröffentlichte das Unternehmen die mit Spannung erwarteten Daten einer ersten klinischen Phase-I-Stunde an Menschen. An dieser Untersuchung nahmen bisher 88 gesunde erwachsene Probanden teil, um die Sicherheit, die Verträglichkeit und die genaue Wirkung des Wirkstoffs im menschlichen Körper zu überprüfen. Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen der Forscher deutlich: ENV-308 wurde über den gesamten getesteten Dosisbereich hinweg hervorragend vertragen.
Besonders hervorzuheben ist das außergewöhnlich gute gastrointestinale Sicherheitsprofil der Tablette. Das ist ein entscheidender Vorteil, da Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören, die Patientinnen und Patienten zum Abbruch einer klassischen GLP-1-Therapie mit Abnehmspritzen zwingen.
Ausblick: Nächste Schritte in der Forschung
In kommenden Studien soll gezielt an größeren Gruppen von Patienten, die zuvor eine Behandlung mit GLP-1-Abnehmspritzen abgeschlossen haben, untersucht werden, ob der mühsam erzielte Gewichtsverlust durch die tägliche Einnahme von ENV-308 tatsächlich dauerhaft erhalten werden kann. Die medizinische Fachwelt blickt nun gespannt auf die nächsten Ergebnisse, die den Kampf gegen Adipositas grundlegend verändern könnten.