Social Egg Freezing

Neue Fruchtbarkeits-Behandlung ab 2027 bei uns erlaubt

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Beim "Social Egg Freezing" werden Eizellen ohne medizinischen Anlass eingefroren. In Österreich war das bisher verboten, im Nachbarland Tschechien wächst die Nachfrage.
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Vor dem Einfrieren einer Eizelle sind zunächst hormonelle Stimulierung und die Entnahme nötig. Bei der Eizellenentnahme wird eine Ultraschall-Nadel durch die Scheide in das Eibläschen eingeführt. Dann wird die Follikelflüssigkeit samt Eizellen abgesaugt. Der Prozess ist mit gewissen Risiken verbunden: etwa dem Hyperstimulationssyndrom, einer übermäßigen Reaktion der Eierstöcke als Reaktion auf hormonelle Stimulation.

Eizellen einfrieren als "Spartan Race"

Um Eizellen einzufrieren, sind vor allem Geschwindigkeit und Kälte gefragt. Zunächst wird das in der Eizelle bereits vorhandene Wasser mit Kryoprotektiva, einer Art Frostschutzmittel, ersetzt. Dann wird die Zelle bei minus 196 Grad binnen Millisekunden in flüssigen Stickstoff eingetaucht. Das Ganze muss schnell gehen damit sich keine für die Eizellen schädlichen Eiskristalle bilden. Dieser Vorgang heißt Kryokonservierung.

Um eine eingefrorene Eizelle aufzutauen, wird der Prozess wieder umgekehrt. Sowohl beim Einfrieren als auch beim Auftauen sind Eizellen einem extremen Hürdenlauf ausgesetzt, erklärte die Embryologin Zuzana Holubcová gegenüber der APA. "Das ist so ähnlich wie das Spartan Race", scherzte sie in Anspielung auf einen Typ des Hindernislaufs. Das Rennen sei für sportliche, junge Menschen oftmals einfacher als für ältere Generationen.

In Tschechien wächst der Markt

In Österreich soll Social Egg Freezing ab April 2027 erlaubt werden. Im Nachbarland Tschechien werden Kinderwunschkliniken indes zu einer immer beliebteren Destination für Fruchtbarkeitsbehandlungen. Die Kliniken Prague Fertility Centre und Unica bestätigten etwa gegenüber der APA einen Anstieg bei Patientinnen aus dem Ausland, darunter auch aus Österreich. Unica behandle viele österreichische Kundinnen in Brünn (Brno), das nur rund 100 Kilometer von Wien entfernt ist, hieß es in einer schriftlichen Mitteilung der Klinik.

Ein Grund für die wachsende Nachfrage aus dem Ausland ist der Preis. Beispielsweise kostet Social Egg Freezing in Tschechien rund 3.000 bis 4.000 Euro pro Zyklus. In den USA liegt der Preis bei bis zu 20.000 US-Dollar (knapp 18.000 Euro) pro Zyklus. Zudem könnten tschechische Kinderwunschkliniken mit hohen medizinischen Standards, Dienstleistungen in verschiedenen Sprachen und kurzen Wartezeiten punkten. Das sagte die Bioethik-Expertin Anna de Bayas Sanchez der APA. Sie forscht an der Karls-Universität in Prag zu ethischen Fragen rund um medizinische Verfahren, die Schwangerschaften ermöglichen. In Tschechien gäbe es über 48 Fachkliniken für Reproduktionsmedizin - bei einer Bevölkerung von 10,5 Millionen Menschen.

Irreführende Marketingstrategien

Im Gespräch mit der APA warnte Sanchez mitunter vor irreführenden Marketingstrategien. Im Rahmen ihrer Forschung hat die Bioethikerin die Marketingstrategien von 29 Kinderwunschkliniken in Tschechien untersucht. 13 von ihnen informierten Eizellenspenderinnen nicht adäquat über mit der Eizellenentnahme verbundene Risiken. Eine Klinik behauptete sogar fälschlicherweise, dass keine Risiken bestünden. Für Eizellenspenden böten die Websites 800 bis 1.400 Euro. Im Vergleich: 2023 betrug das durchschnittliche Nettoeinkommen in Tschechien 1.431 Euro.

Unrealistische Erwartungen

Irreführende Vermarktung sei laut Sanchez auch im Bereich des Social Egg Freezing ein Problem. Die dadurch geschaffenen unrealistischen Erwartungen würden sowohl Patienten als auch den Kliniken selbst schaden: zum Beispiel bei den Erfolgschancen der Behandlung. Sie sind für Patientinnen unter 35 Jahren höher und nehmen mit steigendem Alter ab. Nur jene Kinderwunschkliniken, die Erfolgschancen klar kommunizieren, könnten laut der Bioethikerin auch langfristig Vertrauen und eine treue Kundenbasis aufbauen.

Tschechische Kinderwunschkliniken sind jedenfalls gesetzlich dazu verpflichtet, Patienten über Behandlungsrisiken zu informieren, betonte die Juristin Barbora Steinlauf gegenüber der APA. Dabei müssten sie "informed consent" (informierte Zustimmung) einholen. Für diese Art der Zustimmung müsste es einen Dialog zwischen Patienten und medizinischem Personal geben. Steinlauf vertritt unter anderem Patienten in Streitfällen mit Krankenkassen und Kliniken.

Dass klare Kommunikation über Risiken und Erfolgschancen nötig sei, hob auch die Unica-Klinik gegenüber der APA hervor. Oftmals würden Frauen im Alter von über 40 Jahren der Klinik ihr Interesse an Social Egg Freezing bekunden. Unica kommuniziere in solchen Fällen die altersgemäß geringeren Erfolgschancen.