China arbeitet an einer neuen Technologie für den Luftkampf. Eine künstliche Intelligenz soll Wärmebilder von US-Tarnkappenjets auswerten und mögliche Ziele innerhalb kürzester Zeit identifizieren. In Labortests erreichte das System laut den Entwicklern eine Erkennungsgenauigkeit von bis zu 97,1 Prozent.
Wie das Fachportal "Interesting Engineering" berichtet, wurde die Technik von Forschern des Beijing Institute of Technology und der China Airborne Missile Academy entwickelt. Sie ist für Luft-Luft-Raketen gedacht und soll direkt an Bord eines Flugkörpers arbeiten.
3.245 Wärmebilder für das Training
Für das Training verwendeten die Forscher 3.245 Infrarotbilder. Darauf waren drei verschiedene Arten von Luftzielen zu sehen – darunter simulierte F-22- und F-35-Kampfjets sowie kleine Angriffsdrohnen.
Der Ansatz: Tarnkappenflugzeuge sind zwar auf dem Radar nur schwer zu entdecken, ihre Wärmeentwicklung lässt sich aber nicht vollständig verhindern. Triebwerke und Flugzeugoberflächen geben Infrarotstrahlung ab. Genau diese Signale soll die neue KI erkennen und einordnen.
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KI muss in Millisekunden entscheiden
Eine Rakete hat nur sehr wenig Zeit, um ein Ziel zu identifizieren. Sie muss beispielsweise ein echtes Flugzeug von einem Täuschkörper unterscheiden können. Deshalb entwickelten die Forscher ein besonders kleines und stromsparendes System, das direkt im Flugkörper eingesetzt werden kann.
Den Rechenaufwand konnten sie nach eigenen Angaben auf 19,2 Prozent des ursprünglichen Werts reduzieren. Bei zusätzlichen Hardware-Tests erreichte das System eine Genauigkeit von 96,4 Prozent. Ein Wärmebild wurde dabei in rund 1,5 Millisekunden ausgewertet – bei einem Stromverbrauch von etwa 2,2 Watt.
Keine Tests gegen echte US-Jets
Trotz der hohen Werte gibt es einen entscheidenden Haken: Die KI wurde bislang nicht gegen echte F-22- oder F-35-Kampfjets getestet. Die Versuche basierten auf simulierten Zielen. Die tatsächlichen Testdaten wurden laut dem Bericht nicht veröffentlicht.
Bisher konzentriert sich die Entwicklung außerdem auf Luft-Luft-Raketen für den Nahbereich. Ob die Technik auch für andere Waffensysteme eingesetzt werden kann, ist noch offen. Die Forscher wollen die Erkennung und Verarbeitung weiter verbessern.