Schwangerschafts-Tabus
Neue Studie deckt auf: So groß ist der Druck auf werdende Mütter
Strahlende Mütter, perfekt eingerichtete Kinderzimmer und unbeschwerte Vorfreude: Auf Social Media wird Schwangerschaft häufig als rundum glückliche Zeit inszeniert. Eine großangelegte BIPA-Studie hat deshalb (werdende) Eltern zu ihren Erfahrungen und Wahrnehmungen rund um Schwangerschaft, Wochenbett und Stillzeit befragt. Die Ergebnisse zeigen: Hinter der vermeintlichen Idylle gibt es nach wie vor viele Themen, über die nur selten offen gesprochen wird und die für viele Eltern noch immer mit Scham und Tabus verbunden sind.
Mütter werden unter Druck gesetzt
Die Lücke zwischen gesellschaftlicher Erwartung und dem echten Leben von (werdenden) Eltern ist riesig. Ganze 76 Prozent der Befragten finden, dass Mütter durch unrealistische Bilder der "perfekten Schwangerschaft" und makelloser After-Baby-Bodies enorm unter Druck gesetzt werden.
Doch der Druck entsteht nicht nur in den sozialen Medien. Auch im Alltag fühlen sich Schwangere häufig mit Bewertungen und ungefragten Ratschlägen konfrontiert: 82 Prozent der Befragten beobachten, dass Schwangere ständig mit gut gemeinten, aber unerwünschten Tipps überschüttet werden. Der Babybauch wird dabei schnell zum Allgemeingut, während die psychische Belastung und die emotionalen Herausforderungen dieser besonderen Lebensphase oft wenig Raum bekommen.
Die Schattenseite des Mutterglücks: Worüber niemand spricht
Während über den richtigen Kinderwagen stundenlang debattiert wird, herrscht bei den echten Herausforderungen oft Schweigen. Die Studie deckt auf, wie stark Schwangerschaft und Wochenbett noch immer von Tabus geprägt sind:
- 6 von 10 Müttern (und über die Hälfte der Väter) trauen sich in bestimmten Situationen nicht, offen über ihre Erschöpfung und Überforderung zu sprechen.
- Themen wie Wochenbettdepression (39 %), Zweifel an der Mutterrolle (39 %), veränderte Körperbilder (43 %) und Sexualität in der Schwangerschaft (45 %) werden von einem erheblichen Teil der Frauen verschwiegen.
Wo suchen werdende Eltern nach Hilfe?
Neben Gynäkolog:innen (35 %) und Hebammen (29 %) wird natürlich fleißig das Internet durchforstet. Interessant: Frauen nutzen Social Media doppelt so häufig als Info-Quelle wie Männer (17 % vs. 9 %), während Männer lieber zum Buch greifen.
Das Problem? Das Internet ist voller Widersprüche. 57 Prozent der Eltern wünschen sich verlässlichere Informationen. Genau hier hakt BIPA ein: Mit der Initiative "Ehrlich gesagt" bietet die Drogeriekette ab sofort einen Platz für Fragen, die sonst im Netz-Chaos untergehen. Ein weiteres Unsicherheitsthema: Nahrungsergänzungsmittel. 45 Prozent der Mütter nahmen in der Schwangerschaft Präparate einfach mal "auf Verdacht" ein, ohne ihren tatsächlichen Bedarf zu kennen. Fast die Hälfte (47 %) empfand die Kosten dafür als finanzielle Belastung.
Karriere und Baby: Gen Z fordert Mental-Health-Support
Für 86 Prozent der Österreicher:innen ist klar: Es braucht verpflichtende Unterstützung in den Unternehmen. Die Liste wird angeführt von flexiblen Arbeitszeiten (54 %) und Still- sowie Ruheräumen am Arbeitsplatz (31 %).
Besonders deutlich zeigt sich der Generationenunterschied beim Thema mentale Gesundheit: 34 Prozent der Gen Z wünschen sich gezielte Mental-Health-Angebote für werdende Eltern am Arbeitsplatz. Bei den Babyboomern sind es hingegen nur 11 Prozent. Dass Vereinbarkeit kein Wunschdenken sein muss, lebt BIPA (mit 98 % Frauenanteil bei 4.000 Mitarbeitenden) bereits vor. "Vereinbarkeit ist kein Zusatzangebot, sondern Kern unserer Unternehmenskultur", so BIPA-Geschäftsführerin Margit Reisinger. Flexible Modelle, Führung in Teilzeit und spezielle Förderprogramme zeigen: Karriere und Familie schließen sich im Jahr 2026 längst nicht mehr aus.