Hoffnung

Neue Tablette: Forscher knacken Krebs-Code

© Getty Images
Die Zulassung des neuen Medikaments Daraxonrasib markiert einen Meilenstein in der Krebsforschung. Erstmals gelingt es einer Tablette, das bisher als unangreifbar geltende Protein KRAS gezielt zu blockieren.
Zur Vollversion des Artikels

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat vergangenen Monat mit der Zulassung von Daraxonrasib, das unter dem Namen Rasonque von Revolution Medicines auf den Markt kommt, einen wichtigen Erfolg verbucht. Das Medikament wird zweimal täglich als Tablette eingenommen und greift das mutierte Protein KRAS an. Dieses treibt im mutierten Zustand das Wachstum von Krebszellen an und befeuert fast alle Arten von Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie zahlreiche Lungen-, Darm- und andere Tumorarten.

Jahrzehntelange Suche nach Andockstelle

Lange Zeit galt das KRAS-Protein wegen seiner glatten Oberfläche ohne offensichtliche Andockstelle als unbezwingbar. Wissenschaftliche Fortschritte widerlegten dies schrittweise, ehe die Forschungsaktivität ab 2024 schlagartig anzog. Laut einer Erfassung testen akademische Forscher weltweit mittlerweile mindestens 79 ähnliche Wirkstoffe in 238 klinischen Studien. Große Pharmakonzerne wie Eli Lilly, Pfizer, Amgen und AstraZeneca wetteifern um vergleichbare Entwicklungen.

Dr. David S. Hong vom MD Anderson Cancer Center vergleicht die Zulassung mit dem Aufkommen der Immuncheckpoint-Inhibitoren vor rund 15 Jahren, die heute breit eingesetzt werden. Das Potenzial reicht über Bauchspeicheldrüsenkrebs hinaus: KRAS-Mutationen treten bei etwa einem Fünftel aller menschlichen Krebserkrankungen auf. Selbst bei gestreutem Brustkrebs, der Resistenzen entwickelt, könnten künftig Studien folgen, wie Ariella Hanker vom UT Southwestern Medical Center erklärt.

Hoffnungen auf wirksame Kombinationstherapien

Frühere KRAS-Inhibitoren von Amgen und Bristol Myers Squibb enttäuschten, da sie nur eine einzige inaktive Form des Proteins angriffen und Tumore rasch mutierten. Wirkstoffe wie Daraxonrasib stoppen KRAS hingegen direkt während der aktiven Phase des Krebswachstums. Dennoch entsteht mit der Zeit meist eine Resistenz.

Forscher wie Channing Der betonen daher, dass Kombinationen nötig sind, um die Wirkdauer zu steigern. Revolution Medicines testet Daraxonrasib bereits als Erstlinientherapie direkt nach der Diagnose sowie in Kombination mit Partnern wie Bristol Myers Squibb, Tango Therapeutics und Summit Therapeutics. Zudem befindet sich der Wirkstoff Zoldonrasib gegen Lungenkrebs in Entwicklung.

Herausforderungen und Streit unter Entwicklern

Dr. Elizabeth Jaffee von der Johns Hopkins University sieht zentrale Aufgaben in der Reduzierung von Nebenwirkungen, der Überwindung von Resistenzen und der Verknüpfung mit Immuntherapien. "Wir sind natürlich alle sehr begeistert", erklärt die Forscherin, verweist jedoch darauf, dass noch viel Arbeit bevorstehe.

Für weitere Fortschritte sei eine enge Zusammenarbeit der Branche nötig. Hier gibt es bereits Konflikte: Revolution Medicines warf dem Konkurrenten Erasca bezüglich dessen experimentellen Wirkstoffs ERAS-0015 im Frühjahr eine Patentverletzung vor. Erasca weist die Anschuldigungen zurück.