Gigant in Tirol

See in Österreich wird zur gigantischen Batterie

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Auf 2140 Metern Höhe entsteht in Tirol derzeit eines der spektakulärsten Energie-Projekte Europas: Ein neuer Bergsee soll künftig riesige Mengen Strom speichern – und im Ernstfall sogar ganz Österreich beim Wiederhochfahren des Stromnetzes helfen.
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33 Millionen Kubikmeter Wasser

Im Kühtai südwestlich von Innsbruck fließen seit Kurzem die ersten Wassermassen in den neuen Speichersee. Insgesamt fasst das gewaltige Becken 33 Millionen Kubikmeter Wasser. Doch der See ist weit mehr als nur ein Stausee: Er funktioniert wie eine riesige Batterie mit einer Speicherkapazität von mehr als 100 Gigawattstunden.

Strom speichern wie mit einer Batterie

Das Prinzip dahinter ist simpel: Fließt Wasser vom höher gelegenen Speichersee durch die Turbinen ins Tal, wird Strom erzeugt. Gibt es dagegen zu viel Strom im Netz – etwa durch starke Sonneneinstrahlung oder viel Wind – wird das Wasser mithilfe von Pumpen wieder nach oben befördert und die Energie gespeichert.

Besonders beeindruckend: Die Umschaltung zwischen Stromproduktion und Speicherung dauert weniger als zwei Minuten.

Kraftwerk tief im Berg versteckt

Das eigentliche Herzstück der Anlage liegt tief unter der Erde verborgen. Zwei riesige Francis-Pumpturbinen arbeiten in einer unterirdischen Kaverne, die 65 Meter lang, 25 Meter breit und 40 Meter hoch ist. Die beiden Turbinen können gemeinsam bis zu 90 Kubikmeter Wasser pro Sekunde bewegen.

Das Kraftwerk besitzt noch eine weitere Besonderheit: Es ist schwarzstartfähig. Das bedeutet, dass die Anlage nach einem großflächigen Stromausfall auch ohne externe Stromversorgung selbstständig wieder anlaufen kann – ein entscheidender Vorteil für die Versorgungssicherheit.

1,13 Milliarden Euro investiert

In das Projekt fließen insgesamt 1,13 Milliarden Euro. Ab August 2026 soll erstmals Strom produziert werden, der Vollbetrieb ist für Ende 2027 geplant. Jährlich sollen dadurch zusätzlich rund 216 Millionen Kilowattstunden grüner Strom erzeugt werden. Ganz ohne Eingriffe in die Natur kommt das Großprojekt allerdings nicht aus. Neun Jahre dauerte die Umweltprüfung.Für den Bau mussten unter anderem Frösche, Bergmolche und mehr als 200 Ameisenhügel umgesiedelt werden. Zusätzlich wurden Aufforstungen und Renaturierungsmaßnahmen vorgeschrieben. speichern kann.

Frösche, Bergmolche und Ameisenhügel umgesiedelt

Für ein neues Wasserkraftwerk in den Alpen zahlt man aber auch seinen Preis, beziehungsweise die Natur. Neun Jahre lang dauerte die Umweltverträglichkeitsprüfung für Kühtai 2, bevor 2020 grünes Licht gegeben wurde. Tiwag wurde zu 25 verschiedenen Ausgleichsmaßnahmen verpflichtet: 10 Hektar Aufforstung, die Umsiedlung von Fröschen, Bergmolchen und mehr als 200 Ameisenhügeln. Hinzu kamen Renaturierungsmaßnahmen an der Ötztaler Ache und Teilen der Innauen. Insgesamt hat Tiwag 1,13 Milliarden Euro in Kühtai 2 investiert. Dafür erhöht der Energieversorger seine Pumpspeicherkapazität um 50 Prozent. Ab August 2026 soll das Kraftwerk erstmals Strom erzeugen, der reguläre Betrieb ist für Ende 2027 geplant. Jährlich sollen damit zusätzlich rund 216 Millionen Kilowattstunden grüner Strom in das österreichische Netz fließen – was einem Plus von 41 Prozent für die gesamte Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz entspricht.