Preise erhöht
Neuer Fahrplan: So teuer wird jetzt das Zugfahren
Mit 13. Dezember tritt europaweit der neue Fahrplan der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) in Kraft. Mit der Eröffnung des Koralmtunnels im Dezember 2025 werde die Strecke 2027 am Tagesrand ausgebaut. Zudem sollen die Fahrgäste von mehr Direktverbindungen innerhalb Österreichs, neuen Angeboten nach Deutschland, Italien, Serbien und Slowakei sowie von neuen Fahrzeugen profitieren. Aber es wird auch Einschränkungen aufgrund von Bauarbeiten am Deutschen Eck geben.
Auch interessant
Von 8. Februar bis 9. Juli 2027 wird eine Totalsanierung am deutschen Schienennetz zu einer Sperre des Deutschen Ecks zwischen Freilassing und Rosenheim führen. Das habe auch Folgen auf den österreichischen Zugverkehr, sagte ÖBB-CEO Andreas Matthä bei der Präsentation in der Unternehmenszentrale am Hauptbahnhof. Gleichzeitig werde die Tauernstrecke zwischen Schwarzach-St. Veit und Mallnitz-Obervellach für die zweite Etappe der umfassenden Tunnel- und Streckensanierung vollständig gesperrt. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn haben die ÖBB deshalb Ersatz- und Umleitungskonzepte erarbeitet. Für Fahrgäste auf der Weststrecke nach Tirol, Vorarlberg und Zürich stehen je nach Reiseziel durchgehende Zugverbindungen mit längeren Fahrzeiten von bis zu 120 Minuten oder Reiseketten mit Schienenersatzverkehr zur Verfügung. Dafür verkehren die Verbindungen von und nach Deutschland über Passau ab dem 13. Dezember wieder planmäßig. RJX-Züge von Wien nach München und retour werden über Passau umgeleitet.
Im österreichischen Fernverkehr wird das Angebot im kommenden Jahr weiter ausgebaut, kündigten die ÖBB am Mittwoch bei ihrer Pressekonferenz an. Zu den wichtigsten Neuerungen zählen zusätzliche Interregio-Verbindungen zwischen Graz und Villach über die Koralmbahn am Tagesrand. Die Interregio-Züge zwischen Graz und Maribor halten künftig am Flughafen Graz. Ab Juli 2027 ergänzen drei zusätzliche IC-Züge pro Tag und Richtung die Verbindung zwischen Graz und Linz. Da habe man auf die steigende Nachfrage reagiert, sagte Matthä. Gemeinsam mit den bestehenden Interregio-Verbindungen stehen damit elf tägliche Direktzüge zwischen Graz und Linz je Richtung zur Verfügung. An Werktagen gibt es künftig eine neue Frühverbindung von Graz (ab 4.48 Uhr) nach Klagenfurt (an 5.47 Uhr) mit Anschlüssen Richtung Villach und Salzburg.
Rund 10.000 Fahrgäste täglich auf der Koralmbahn-Strecke
Die Strecke der Koralmbahn werde "gut angenommen", betonte der ÖBB-CEO. Im ersten Halbjahr waren es 7.000 Fahrgäste durchschnittlich pro Tag, mittlerweile sind es durchschnittlich 10.000 Passagierinnen und Passagiere am Tag, sagte Matthä. Mit der Koralmbahn sei eine Strecke gebaut worden, "das haben wir seit 100 Jahren nicht mehr gemacht." Zur Einordnung: 2025 gab es zwischen Wien und Kärnten rund 2.800 Fahrgäste pro Tag. Die Nachfrage würde steigen und die Wirtschaft, der Tourismus und die Kultur davon profitieren, sagte der Konzernchef.
Auch im Nahverkehr soll es in Zukunft Verbesserungen geben. In der Ostregion werde der Flughafen Wien besser angebunden und zwischen Wolfsthal und Wien werde es schnellere Verbindungen geben. Hinzu kommen zusätzliche Züge zwischen Wien und Wiener Neustadt, Eisenstadt und Wulkaprodersdorf sowie zwischen Wien Westbahnhof und Eichgraben/Altlengbach. In Vorarlberg entstehen neue grenzüberschreitende Direktverbindungen in die Schweiz und nach Deutschland.
ICEs nach Deutschland kehren zurück
Nach Abschluss der Generalsanierung Passau - Nürnberg kehrt mit Fahrplanwechsel der ICE nach Nürnberg, Frankfurt, Dortmund und Berlin zurück. Ein zusätzliches ICE-Zugpaar am Tagesrand zwischen Wien und Dortmund erweitert das Angebot. Insgesamt bestehen somit ab Fahrplanwechsel zehn ICE-Verbindungen von Wien nach Nürnberg. Eine Nacht-Fernverkehrs-Verbindung zwischen Wien und Stuttgart wird als Nacht-ICE eingeführt.
Angebot nach Italien wird ausgebaut
Für Urlauber gibt es bald mehr Reisemöglichkeiten etwa Richtung Süden. Ab Sommer 2027 wird das Bahnangebot nach Italien ausgebaut. In Kooperation mit der Deutschen Bahn und der Trenitalia bieten die ÖBB den Hochgeschwindigkeitszug "Frecciarossa" für Reisen von München über Innsbruck nach Mailand bzw. Rom an.
Erstmals seit 2019 ist im Jahr 2027 auch die Aufnahme einer Direktverbindung nach Belgrad mit zwei Zügen pro Tag und Richtung und einer Fahrzeit von rund sechseinhalb Stunden geplant. Der genaue Zeitpunkt des Starts dieser Verbindung hänge allerdings noch von der Zulassung der Strecke in Ungarn ab.
Richtung Slowakei werden zwei neue EC-Direktverbindungen von Wien über Bratislava und Žilina nach Košice in den Fahrplan aufgenommen. Ab Sommer 2027 werden der RJX 765 von Bregenz über Wien bis Bratislava und der RJX 168 von Bratislava über Wien bis Zürich verlängert. Das sei vor allem für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus diesen Ländern interessant, sagte Matthä. Im Vergleich dauert eine Busfahrt auf der Strecke zehn Stunden, während es mit dem Zug in 6,5 Stunden möglich sei, sagte der CEO.
Preise steigen
Die Erweiterung der ÖBB-Flotte werde auch 2027 fortgesetzt. Zwischen 2024 und 2030 werden 6,1 Milliarden Euro für 330 neue Züge investiert. "30 Prozent sind bereits eingeflottet", sagte Matthä. Im Nahverkehr kommen 2027 weitere 27 Cityjet Doppelstockzüge dazu. Für den grenzüberschreitenden Nahverkehr zwischen Tirol und Südtirol sind sechs neue Coradia Stream-Züge vorgesehen, damit entfalle der Umstieg am Brenner, so Matthä. Auch im Fernverkehr werden weitere moderne Fahrzeuge eingesetzt: Zehn Railjets der neuen Generation und 14 neue Railjet-Doppelstockzüge erweitern künftig die ÖBB-Flotte. 2026 wurde die ÖBB-Flotte um ca. 80 Fahrzeuge erweitert, 2027 kommen 57 weitere dazu. Das "größte Beschaffungsprogramm" sei "auf Schiene", meinte Matthä.
Der Ticketverkauf für 2027 startet ab sofort. Die Preise erhöhen sich im Durchschnitt um 3,5 Prozent. Trotz der Stammstreckensperre erwarten die ÖBB stabile Fahrgastzahlen im Nahverkehrssegment. "Und im Fernverkehrsbereich sehen wir, dass die Fahrgastzahlen deutlich nach oben gehen. Wir erwarten hier ein Plus von rund 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr", sagte Matthä.