Notarztstandorte
NÖ-Retter sehen Notfallversorgung gut aufgestellt
Wolfgang Frühwirt, Landesrettungskommandant vom Roten Kreuz NÖ, sprach am Dienstag vor Journalisten von einem Versorgungsgrad, "der seinesgleichen sucht". Das System mit etwas weniger Notärzten sowie mit Notfallsanitätern mit mehr Kompetenzen ist für Christian Fohringer von Notruf NÖ ein "entscheidender Schritt nach vorne".
Das künftige System "ist aus unserer Sicht mindestens gleichwertig", denn Patientinnen und Patienten würden einen wesentlich größeren Vorteil aus der höheren Sanitäter-Kompetenz ziehen, erklärte Frühwirt bei einem Termin in Melk. "Ein Notfallsanitäter kann keinen Notarzt ersetzen, das war aber auch nie das Ziel", hielt er auf Nachfrage zu anhaltender Kritik an der Umstrukturierung fest. Es gehe darum, die maximale Versorgung mit möglichst kurzer Eintreffzeit schnell zu den Patienten zu bringen und unnötige Notarzteinsätze zu reduzieren. "Das Sparen steht nicht im Vordergrund", betonte Frühwirt, aber die Rettungsorganisationen müssten mit ihren Ressourcen gut haushalten, um die Herausforderungen zu meistern.
Die Palette reicht von professionellen Ersthelfern (First Respondern) über Sanitäter und Telenotarzt bis hin zu Notärzten und Hubschraubern für den Transport in eine Klinik. "Alle Rädchen müssen ineinandergreifen", dann seien Patienten bestmöglich versorgt, betonte Jürgen Heinrich vom Samariterbund (ASBÖ).
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Nicht jeder Notfall braucht einen Notarzt
Seit 2023 rücken Notärzte in Niederösterreich nur mehr dann aus, wenn sie wirklich einen Vorteil für den Patienten bringen. Wurde 2022 im Bundesland noch fast 53.000 Mal ein Notarzteinsatzfahrzeug alarmiert, waren es im Jahr darauf nur mehr rund 38.000 Mal. 2025 resultierten aus circa 36.000 Alarmen knapp 25.000 Patientenkontakte. Darunter waren rund 8.700 Fälle, die von einem Notarzt profitierten. Heuer waren es bisher um die 26.400 Alarmierungen. Bei der Anzahl der Einsätze, in denen ein Notarzt erforderlich ist, gibt es große Unterschiede zwischen den Standorten.
Die Aufgabe sei zu entscheiden, welcher Patient zu welchem Zeitpunkt welche Versorgung braucht, erläuterte Fohringer, Geschäftsführer von Notruf NÖ. Ein Notarzt sei etwa für eine Notfallnarkose nötig. Ein Schlaganfall oder Herzinfarkt könne jedoch nicht an Ort und Stelle behandelt werden, hier sei ein Transport in ein spezialisiertes Zentrum notwendig. Die richtige Versorgung im Krankenhaus heiße "nicht zwingend im nächstgelegenen Spital", betonte er.
Die Empfehlungen der Experten, die die Grundlage für das künftige Notarztsystem im Rahmen des vom Landtag im Vorjahr beschlossenen Gesundheitsplans sind, seien "zutiefst sinnvoll", betonte Fohringer. Elf der bisher 32 Notarztstandorte im Bundesland fallen mit April 2027 weg. Mit künftig 21 Stützpunkten sei die Versorgung von der Fläche und Einwohnerzahl mit Oberösterreich vergleichbar, hieß es. Die 86 Standorte der Rettungstransportwagen Typ C (RTW-C) bleiben erhalten. Davon werden 26 mit 1. April 2027 durchgehend mit Notfallsanitätern mit erweiterter Kompetenz NKV (Venenzugang und Infusion) besetzt, der Rest folgt bis zum Jahr 2030.
Zahl der Notfallsanitäter mit erweiterten Kompetenzen steigt
Derzeit gibt es beim Roten Kreuz und ASBÖ in Niederösterreich 3.057 Notfallsanitäter, das sind rund ein Viertel der Sanitäter. Knapp 1.900 davon haben mindestens die Kompetenz NKV - Tendenz steigend. 81 Prozent der Notfallsanitäter und 72 Prozent der Notfallsanitäter mit erweiterten Kompetenzen sind Freiwillige. "Wir werden dem Auftrag des Landes nachkommen, dass genug Personal mit erweiterter Kompetenz ausgebildet wird", betonte Heinrich. Pro Jahr gibt es Ausbildungsplätze für 200 bis 300 neue Notfallsanitäter mit Kompetenz für Venenzugang und Infusion.
Der Ausbau der Kompetenzen von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern, RTW-C, Telenotfallmedizin und Flugrettung seien wichtige Weiterentwicklungen, hielt SPNÖ-Gesundheitssprecher Rainer Spenger in einer Aussendung fest. Entscheidend sei aber, dass diese Strukturen nicht nur geplant, sondern tatsächlich flächendeckend verfügbar und im Alltag funktionsfähig seien. "Kein Notarzt-Stützpunkt darf geschlossen werden, bevor nicht nachweislich ein mindestens gleichwertiger Ersatz vorhanden ist und die gesamte Versorgungskette funktioniert", forderte er. Es gelte: "Sicherheit vor Geschwindigkeit."