Stadt Wien evaluiert

Öffentliche Klos: Gratis-Nutzung auf dem Prüfstand

© WienTourismus/Hermann Höger
Die Stadt Wien prüft die kostenlose Nutzung von Toiletten im öffentlichen Raum - die Debatte dreht sich dabei auch um die aktuelle Unterscheidung zwischen Pissoirs und Kabinen.
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In Wien wird derzeit geprüft, die Nutzung der öffentlichen Toiletten generell kostenfrei zu ermöglichen. Festgehalten ist die Evaluierung im rot-pinken Regierungsübereinkommen, das im Vorjahr geschmiedet wurde. Anlass dafür ist die in mehreren Anlagen geltende Tarifgestaltung. Denn für die Nutzung von Kabinen ist oft eine Gebühr zu entrichten. Pissoirs können hingegen gratis aufgesucht werden.

Ein Ergebnis der Untersuchung gibt es noch nicht, wie das Büro des zuständigen Stadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ) gegenüber der APA erläuterte. Die Ungleichheit durch die Einhebung einer Gebühr für Urinale zu beenden, steht zumindest nicht zur Debatte. Denn im Koalitionsvertrag heißt es ausdrücklich: "Wir prüfen, die Nutzung aller öffentlichen Toiletten für alle Menschen kostenlos zur Verfügung zu stellen, ohne Unterschiede zwischen Pissoir und Einzelkabinen."

Kritik an aktueller Situation

Über die Tatsache, dass das kleine Geschäft in den Pissoirs gratis verrichtet werden kann, die Kabinen hingegen oft etwas kosten, wird immer wieder diskutiert. Laut Medienberichten hat nun eine Wienerin sogar eine Klage eingebracht, da sie die aktuelle Situation als Diskriminierung sieht. Volksanwältin Gaby Schwarz kritisierte die Situation ebenfalls seit längerer Zeit. Dass die Stadt die Situation nicht ändere, stinke zum Himmel, befand sie zuletzt.

"Erneut zeigt sich, dass die Beharrlichkeit der Volksanwaltschaft Früchte trägt. Seit drei Jahren kritisiere ich die Toiletten-Diskriminierung von Frauen bei zahlreichen öffentlichen WC-Anlagen in der Bundeshauptstadt. Dass Männer Pissoirs gratis nützen können, WC-Kabinen jedoch 50 Cent kosten, ist mit keinem Argument erklärbar. Diskriminierung bleibt Diskriminierung. Es bleibt zu hoffen, dass die Prüfung rasch erfolgt und am Ende des Tages eine weitere Ungleichbehandlung beseitigt wird. Entweder es zahlen alle oder niemand", so Schwarz.

Begründet wird die Gebühr mit einem höheren Reinigungsaufwand. Außerhalb der Personalbetreuungszeiten - also vor allem in der Nacht - stehe laut Stadt ein großer Teil dieser Anlagen ebenfalls gratis zur Verfügung. Betroffen ist ein Teil der WC-Standorte im öffentlichen Raum. Die für die öffentlichen Bedürfnisanstalten zuständige Magistratsabteilung 48 verwaltet 167 stationäre Anlagen. Bei mehr als 80 Prozent wird laut Rathaus nicht kassiert. In 27 besonders hoch frequentierten Örtchen sorgt externes Personal während bestimmter Betreuungszeiten für Sauberkeit.

Umstellung in Salzburg

Dass ein Aus der Ungleichheit nicht bedeuten muss, dass es freien Eintritt für alle gibt, zeigt sich in Salzburg. Dort wird die Stadt generell die Gebühren erhöhen. Die neue Regelung gilt voraussichtlich ab 2027, und zwar für Anlagen, die neu renoviert wurden. Statt bisher 50 Cent kostet der Klogang dann einen Euro.

Die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen wird jedoch fallen. Die Benutzung eines Pissoirs war bisher meist kostenlos und soll in Zukunft ebenfalls einen Euro kosten. Die Stadt begründet das mit den hohen Kosten für Renovierungen an den WCs.

Auch in Wien gibt es schon seit längerer Zeit stille Örtchen, wo bereits beim Eingang bezahlt werden muss, nämlich im Öffi-Netz. Die Wiener Linien haben vor einigen Jahren ein entsprechendes neues Klo-Konzept umgesetzt. (APA)