ANALYSE

ÖSV ohne Podest: Was die Sölden-Zeiten wirklich verraten

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Kein Stockerl, aber starke Teilzeiten: Die FIS-Daten zeigen, wo Österreich in Sölden Zeit verlor – und was hinter Mitters gemischter Bilanz steckt.
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Ein dritter Platz im ersten Lauf, Bestzeit im zweiten – und trotzdem kein Österreicher auf dem Podest. Beim Sieg des Brasilianers Lucas Pinheiro Braathen am Sonntag in Sölden blieb Raphael Haaser als Fünfter bester ÖSV-Läufer. Für Alpinchef Christian Mitter war das weniger als erhofft: "Aber natürlich wollten wir auf das Podium beziehungsweise gewinnen."

Seine Erklärung für das verpasste Stockerl: "Es waren schnelle Sektionen dabei und schnelle ganze Durchgänge. Dass wir es heute nicht ganz zusammengebastelt haben, das ist der Skisport." Wie genau dieser Satz das Rennen trifft, zeigt eine Auswertung der FIS-Zeitmessung.

Zwei Österreicher, eine bemerkenswerte Rechnung

Brennsteiners erster Durchgang in 52,89 Sekunden und Haasers Finalfahrt in 51,90 Sekunden ergeben zusammen 1:44,79 Minuten. Nur sieben Hundertstel mehr als Braathens Siegerzeit – rechnerisch Platz zwei vor Loïc Meillard.

Eine Kombination zweier verschiedener Fahrer, kein tatsächlich verpasster zweiter Platz. Sie veranschaulicht aber Mitters Bilanz: Schnelle Fahrten waren vorhanden. Zusammengebracht hat sie keiner der beiden.

Haaser arbeitete sich mit Laufbestzeit von Rang 20 auf fünf vor. Brennsteiner rutschte vom dritten auf den elften Platz zurück. Dahinter stecken allerdings unterschiedliche Geschichten, wie die einzelnen Streckenabschnitte zeigen.

Brennsteiner verlor im Mittelteil den Anschluss

Brennsteiner fehlten nach dem ersten Lauf 49 Hundertstel auf Braathen. Im Finale kamen weitere 72 dazu. Der größte Teil dieses zusätzlichen Rückstands entstand zwischen den beiden Zwischenzeitmessungen.

Stefan Brennsteiner (AUT). Photo: GEPA pictures/ Harald Steiner © GEPA pictures

Für diesen Mittelabschnitt benötigte der Salzburger 24,85 Sekunden, Braathen nur 24,34. Allein dort verlor Brennsteiner 51 Hundertstel – rund 71 Prozent seines Zeitverlusts auf den Sieger im zweiten Durchgang. In den Abschnitten davor und danach waren es zehn beziehungsweise elf Hundertstel.

"Ich habe mich echt ganz gut gefühlt. Leider einfach den Speed scheinbar nicht ganz gefunden", erklärte Brennsteiner. Die Messwerte grenzen zumindest ein, wo ihm das Tempo fehlte.

Bei Joshua Sturm lag die Schwachstelle anderswo. Der spätere Siebentezehnte büßte in den beiden Schlussabschnitten zusammen 1,03 Sekunden auf Braathen ein. Das waren rund 65 Prozent seines gesamten Rückstands. Schon im ersten Lauf fiel Sturm zwischen letzter Zwischenzeit und Ziel vom achten auf den 17. Zwischenrang zurück.

Laufzeiten, Platzierungen und Zeitverluste im Vergleich zu Sölden-Sieger Lucas Pinheiro Braathen: Haaser fuhr im Finale mit 51,90 Sekunden Bestzeit. Brennsteiner verlor 71 Prozent seines Rückstands im zweiten Lauf im Mittelteil. Bei Sturm entstanden 65 Prozent des Gesamtrückstands in den Schlussabschnitten beider Läufe. © Daten: FIS

Haasers Bestzeit hatte eine Besonderheit

Haaser wiederum gewann im Finale keinen einzigen Abschnitt. Seine Platzierungen in den drei Sektoren: Siebenter, Dritter, Dritter. Zusammen ergab das dennoch die schnellste Fahrt des Feldes. Zum Podest fehlten ihm am Ende 37 Hundertstel.

"Der zweite Durchgang war volle Attacke, ich habe es von oben bis unten durchgezogen", sagte der Tiroler.

Zur Einordnung gehört aber auch ein auffälliges Muster: Die sechs schnellsten Finalfahrer lagen zur Halbzeit allesamt außerhalb der ersten 14. Sie starteten im zweiten Durchgang entsprechend früh, unter den ersten 15. Haasers Aufholjagd war damit Teil größerer Verschiebungen im Klassement.

Ohne Stockerl, aber vor elf anderen Nationen

ÖSV-Alpinchef Christian Mitter ist auf Fehlersuche. © GEPA pictures

Mitters Bilanz: "Man sieht schon, dass wir eine Mannschaft haben, das ist einmal gut."

Dafür liefert die Punkteausbeute einen Beleg. Haaser, Patrick Feurstein als Zehnter, Brennsteiner und Sturm sammelten zusammen 109 Weltcuppunkte. Damit war Österreich bei diesem Herren-Riesentorlauf die zweitbeste Nation. Nur die Schweiz holte mit 154 Zählern mehr. Brasilien kam durch Braathens Sieg auf 100.