Chats gesehen

Westenthaler zu 3.820-ORF-Chats: "Weißmann entlastet"

© APA/HELMUT FOHRINGER
ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler hat Einsicht genommen in die 3.820 Chats zwischen Roland Weißmann und einer ORF-Mitarbeiterin, die dem ehemaligen ORF-General sexuelle Belästigung vorwirft. Laut ihm zeigen die Chats eine wechselseitige Beziehung, der ORF müsse die Lage neu bewerten.
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"Ich bin baff", sagt ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler, nachdem er bei Rechtsanwalt Scherbaum die fast 4.000 Weißmann-Chats gesehen hat. "Es zeigt sich mir eine völlig neue Faktenlage zum Ausscheiden von Roland Weißmann aus dem ORF."

Gegen die Frau, die Weißmann sexuelle Belästigung vorwarf und die immer noch ORF-Mitarbeiterin ist, werden mittlerweile  Ermittlungen wegen des Verdachts der schweren Erpressung und der missbräuchlichen Verwendung von Tonaufnahmegeräten geführt. Auch gegen ihren Anwalt wird ermittelt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Chats, Bilder und Tonaufnahmen

Im Zuge des Ermittlungsverfahrens wurden auch Mobiltelefone ausgewertet. Ein seit kurzem vorliegender Zwischenbericht beinhaltet unter anderem 3.820 wechselseitig ausgetauschte Chatnachrichten,  eine Vielzahl von der Mitarbeiterin hergestellter "sexuell konnotierter" Lichtbilder und 17 sichergestellte sachverhaltsrelevante, und wiederum heimlich angefertigte Tonaufnahmen, schrieb Weißmann an ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher und die Mitglieder des Stiftungsrats.

“Die Chats der Frau, die diese nicht veröffentlicht hat, die aber durch das Ermittlungsverfahren in den Akt kamen, zeigen ein völlig neues Bild. Weißmanns These der gegenseitigen Beziehung hat sich vollinhaltlich bestätigt.”

ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler

Einsichtnahme in Chats

ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler hat die Chats gesehen und sagt gegenüber oe24: "Jetzt muss die ORF-Führung handeln. Ich hoffe, dass alle maßgeblichen Personen so schnell wie möglich die Chats sehen und dann die richtigen Schlüsse ziehen."

Die Korrespondenzen würden nicht nur die Schlüsse der ORF-Compliance Untersuchung bestätigen (Anm.: Die stellte im April 2026 fest, dass keine sexuelle Belästigung im rechtlichen Sinn vorlag). Die Chats stünden den Behauptungen der ORF-Mitarbeiterin diametral gegenüber.

Stiftungsrat Peter Westenthaler © APA/GEORG HOCHMUTH

"Es ist Gefahr im Verzug", sagt Stiftungsrat Westenthaler, der zu den Chats selbst keine Details nennen darf. "Jetzt muss schnell gehandelt werden - es kommen noch einige Arbeitsrechts-Prozesse auf den ORF zu."