Steinpilze, Eierschwammerl, Champignons: Es ist wieder Pilzzeit. Für viele gehört es zum Herbst, selbst durch den Wald zu streifen und die begehrten Schwammerl zu sammeln. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten. Wir zeigen, bei welchen Pilzen die Verwechslungsgefahr besonders groß ist und wie Sie im Notfall richtig reagieren.
Der Steinpilz und sein giftiger Doppelgänger
Der Steinpilz gehört zu den beliebtesten Speisepilzen. Doch er hat einen fiesen Begleiter: den Gallenröhrling. Er sieht dem Steinpilz auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich, ist aber ungenießbar. Ein einziger Gallenröhrling im Korb reicht aus, um das gesamte Pilzgericht durch seine extreme Bitterkeit zu ruinieren.
Tipp: Schauen Sie unter den Hut. Während die Röhren beim älteren Steinpilz gelblich-grün werden, färben sie sich beim Gallenröhrling rosa. Im Zweifel hilft die "Zungenprobe": Ein winziges Stück des Hutes an die Zungenspitze halten, ist es extrem bitter, heißt es: Finger weg.
Eierschwammerl in tödlicher Gesellschaft
Die gelben Eierschwammerl sind eine absolute Delikatesse. Doch Vorsicht: Oft teilt es sich den Lebensraum mit dem Falschen Pfifferling. Dieser ist zwar nicht tödlich, gilt aber als schwer verdaulich und kann unangenehmen Brechdurchfall auslösen. Schneidet man den Pilz auf, ist das Eierschwammerl innen weißlich mit gelbem Rand, der Falsche Pfifferling hingegen durchgehend gelb-orange.
Viel dramatischer ist jedoch die Verwechslung mit dem Spitzgebuckelten oder Orangefuchsigen Raukopf. Vor allem kleine Exemplare dieser hochgiftigen Pilze sehen Eierschwammerl verblüffend ähnlich. Das Tückische: Das Gift greift die Nieren an und Symptome (wie unstillbarer Durst und Schmerzen) treten oft erst 2 bis 21 Tage nach dem Verzehr auf.
Champignons vs. Knollenblätterpilz
Bei der Suche nach dem Wiesenchampignon auf Wiesen und an Waldrändern besteht eine erhöhte Verwechslungsgefahr mit giftigen Pilzen. Sein Doppelgänger ist der Grüne oder Weiße Knollenblätterpilz, der wohl gefährlichste Pilz Europas. Er ist für gut 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich.
Der lebensrettende Unterschied: Der Champignon hat im Alter rosa bis schokoladenbraune Lamellen an der Hutunterseite. Der Knollenblätterpilz hat IMMER rein weiße Lamellen. Zudem wächst der Knollenblätterpilz fast immer in der Nähe von Bäumen (meist Eichen oder Buchen) und besitzt eine verdickte Knolle an der Stielbasis. Schon ein einzelner verspeister Pilz kann durch das enthaltene Zellgift Amatoxin zu Leber- und Nierenversagen führen.
Die wichtigsten Regeln für Pilzsammler
- Nur 100 % Sicherheit zählt: Sammeln Sie ausschließlich Pilze, die Sie zweifelsfrei kennen.
- Vorsicht bei Technik: Smartphone-Apps zur Pilzerkennung sind eine nette Spielerei, liegen aber oft falsch. Verlassen Sie sich nie auf eine App für die Essensfreigabe.
- Expertenrat einholen: Gehen Sie mit Ihrem Fund zu einer offiziellen Pilzberatungsstelle (in Wien bietet dies z.B. das Marktamt an)
- Keine alten Exemplare: Auch eigentlich essbare Pilze können giftig werden, wenn sie zu alt sind oder falsch (z.B. in Plastiktüten, wo sie schwitzen) gelagert wurden. Dabei zersetzt sich das Eiweiß und verursacht eine "unechte Pilzvergiftung".
Notfall Pilzvergiftung: Was Sie jetzt tun müssen
Wenn Ihnen nach einer Pilzmahlzeit übel wird, Sie Bauchkrämpfe, Schwindel oder Durchfall bekommen, auch wenn das Essen schon 6 bis 24 Stunden her ist (wie beim Knollenblätterpilz!) –, zählt jede Minute.
Keine Hausmittel: Trinken Sie auf gar keinen Fall Milch oder Salzwasser, um Erbrechen auszulösen. Das kann die Giftaufnahme im Körper sogar noch beschleunigen oder gefährlich werden.
Ruhe bewahren und Notruf wählen: Bei leichten bis mäßigen Symptomen kontaktieren Sie sofort den Giftnotruf. Österreich: Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43
Bei schweren Symptomen (Atemnot, Bewusstlosigkeit) sofort den Rettungsdienst unter 144 rufen.
Beweise sichern: Heben Sie Pilzreste, Putzreste, Reste der Mahlzeit oder sogar das Erbrochene auf. Das ist für die Ärzte und Mykologen (Pilzexperten) im Krankenhaus wichtig, um das exakte Gift zu identifizieren und das richtige Gegengift zu verabreichen.