Im Jahr 2020 hatte die Post AG versichert, den Standort in Wien-Hernals als Heimat des Post SV beibehalten zu wollen. Beteuert wurde die "langfristige Sicherung und das Weiterbestehen des traditionsreichen Wiener Postsportvereins sowie die Modernisierung und den Ausbau der Sportanlagen". Heute jedoch zeichnet sich ein völlig anderes Bild: Die Zusage wurde am 2. Juli einseitig aufgelöst.
Aufreger ist eine europaweite Ausschreibung des Areals, durch welche die bisher als Gesamtanlage geführte Sportstätte in drei Bereiche aufgeteilt werden soll. Dabei will die Post AG genau jene Flächen herauslösen, die bisher die wirtschaftliche Grundlage des Betriebs gesichert haben. Allerdings: Eine Beendigung des Mietverhältnisses ist der Post AG nur durch eine gerichtliche Kündigung und aus wichtigen Gründen möglich, wie der Verein per Aussendung mitteilt. Eine solche liege bis heute aber nicht vor.
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Dabei beruft sich der Post SV auf einen seit 1973 bestehenden unbefristeten Mietvertrag - abgesichert durch das Sportstättenschutzgesetz. Für den Verein sei unverständlich, wie dieselben Flächen ausgeschrieben werden können, während das bestehende Nutzungsverhältnis weiter aufrecht ist. "Warum hat die Post AG nicht alternative, rechtlich konforme Möglichkeiten zur Ausschreibung, etwa ein Gutachterverfahren, gewählt? Der gemeinnützige Sport wird durch die Ausschreibung zurückgedrängt, Kinder und die Allgemeinheit werden künftig die Zeche dafür zahlen", befürchtet Vorstand Clemens Rarrel.
Millionenschwerer Einschnitt
Beim Post SV trainieren aktuell rund 5.000 Sportler in 15 Sektionen, darunter etwa 2.000 Kinder und Jugendliche aus mehr als 40 Nationen. Fußball, Handball, Basketball, Volleyball und Hockey zählen zu den größten Bereichen des Vereins.
Die geplante Teilung hätte dramatische Folgen, dem Verein gingen dadurch jährlich eine Million Euro an Einnahmen verloren. Bei einem Budget von 1,8 Millionen Euro entspräche das mehr als der Hälfte der Gesamteinnahmen. Gleichzeitig drohen zusätzliche Belastungen: Für Hallen, Büroflächen, Kabinen und Infrastruktur müssten künftig marktübliche Mieten bezahlt werden. Auch Sanierungen sowie die Pflege öffentlich zugänglicher Wege würden nach den vorliegenden Plänen den Betreiber stark treffen. Sollte es darüber hinaus tatsächlich zur Verbauung von Teilen des Areals (geplant sind unter anderem Wohnbauten) kommen, müsste man den Sportbetrieb parallel zu Großbaustellen aufrechterhalten.
Rund um diese Entwicklungen macht sich allmählich Widerstand breit. Mehr als 25.800 Personen haben eine Petition zum Erhalt des Vereins und des Postsportplatzes unterzeichnet. Zudem sprachen sich der Wiener Gemeinderat sowie mehrere politische Gremien und Parteien für den Fortbestand der gemeinnützigen Sportanlage aus. Der Post SV fordert konkret den sofortigen Stopp der Ausschreibung, ein klares Bekenntnis der Stadt Wien und Verhandlungen über eine Lösung, die den Fortbestand des traditionsreichen Vereins langfristig absichert.