Brasilien

Präsident Lula startet Wahlkampf für Wiederwahl

© APA/AFP/MIGUEL SCHINCARIOL
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ist offiziell in den Kampf zur Wiederwahl gestartet.
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Vor rund 20.000 Anhängern seiner Arbeiterpartei (PT) trat er am Sonntag in einem Stadion in der Industriestadt São Bernardo do Campo auf, in dem er bereits 1979 zu streikenden Metallarbeitern gesprochen hatte. 50 Jahre nach seinen Anfängen als Gewerkschafter steht Lula nun vor der Herausforderung, eine neue Generation, die digital und App-basiert arbeitet, für sich zu gewinnen.

Diese Arbeiter haben kaum noch Bezug zu den traditionellen Gewerkschaften, die einst das Rückgrat seiner Partei bildeten. Der Anteil der Beschäftigten in regulären Arbeitsverhältnissen sank bis Dezember auf 38,2 Prozent, während die Zahl der über digitale Plattformen vermittelten Arbeitskräfte laut Schätzungen der Zentralbank zwischen 2015 und 2025 um 170 Prozent auf 2,1 Millionen gestiegen ist. Auch der gewerkschaftliche Organisationsgrad hat sich im vergangenen Jahrzehnt auf 8,9 Prozent nahezu halbiert.

"Ich danke den Arbeitern und Arbeiterinnen dieses Landes"

Lula erklärte, seine Partei müsse sich auf eine andere Arbeitswelt einstellen. "Ich danke den Arbeitern und Arbeiterinnen dieses Landes, die irgendwann geglaubt haben, dass jemand wie sie mehr für sie tun kann als jemand, der anders ist als sie" ergänzte der ehemalige Fabriksarbeiter.

Vor der Wahl im Oktober versucht die PT daher, mit der Forderung nach einer kürzeren Arbeitswoche und neuen Schutzrechten für App-basierte Arbeiter zu punkten. Entsprechende Gesetzesinitiativen stecken jedoch im Kongress fest. Sie stoßen nicht nur auf den Widerstand der Technologieunternehmen, sondern auch auf Skepsis bei den zumeist jungen, männlichen Beschäftigten, die staatliche Eingriffe, einen Verlust an Flexibilität und Steuern fürchten. Umfragen zufolge verortet sich ein Großteil dieser wachsenden Wählergruppe in der politischen Mitte oder im rechten Lager. Davon könnte Lulas wichtigster rechter Rivale, Senator Flavio Bolsonaro, profitieren, der sich gezielt um diese Wählerschaft bemüht.