Innovation

Prost Mahlzeit: Erstes Urin-Bier der Welt kommt jetzt aus Österreich

© Öklo
Pünktlich zum Herbststart präsentiert der niederösterreichische Betrieb Öklo eine Weltneuheit, die bereits international für Schlagzeilen sorgt. Ausgerechnet aus gefiltertem Urin entstand ein naturtrübes Lagerbier, das in streng limitierter Auflage abgefüllt wurde und am 3. Oktober in Wien erstmals offiziell verkostet werden kann.
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Rechtzeitig zum Oktoberfest 2026 sorgt ein niederösterreichisches Innovationsprojekt für weltweites Aufsehen. Der Komposttoiletten-Spezialist Öklo hat in Kooperation mit der Bio-Brauerei Erzbräu das nach eigenen Angaben erste Bier präsentiert, dessen Brauwasser aus menschlichem Urin gewonnen und hochgradig aufbereitet wurde.

Eineinhalb Jahre Entwicklungsarbeit für "Golden Shower"

Nach rund eineinhalb Jahren intensiver Forschungs- und Entwicklungsphase stellte Öklo-Gründer Niko Bogianzidis das marktreife Endprodukt vor. Das ungefilterte Märzenbier mit der englischen Stilbezeichnung Lager weist einen Alkoholgehalt von 4,8 Volumenprozent auf und trägt die Produktbezeichnung "Golden Shower". Bereits im Frühjahr 2025 hatte die Vorankündigung des Projekts ein breites Echo in internationalen Medien hervorgerufen – unter anderem berichteten die Times, die AFP, Bild, Stern und Chip über das Vorhaben.

Eine Flasche "Golden Shower" © oliacreations

Rechtlich gilt das Getränk nach dem österreichischen Lebensmittelkodex als "bierähnliches Hopfengetränk", da der Begriff Bier im strengen Sinn die Verwendung von regulärem Trink- beziehungsweise Quellwasser vorschreibt. Die Erstauflage umfasst eine limitierte Charge von 2.500 Flaschen à 330 Milliliter, die zu einem Richtpreis ab 3,90 Euro angeboten werden. Der Großteil der Produktion wird von Öklo direkt an Kunden verteilt, über Gewinnspiele verlost oder im Online-Shop der Bio-Brauerei Erzbräu verkauft.

Mehrstufige Wasseraufbereitung und Brauprozess im Mostviertel

Die Umwandlung von Toilettenabfällen in keimfreies Brauwasser vollzog sich in einem wissenschaftlich begleiteten, zweistufigen Prozess:

  • Nährstoffextraktion: Im ersten Schritt filterte das Forschungsteam den wertvollen mineralischen Nährstoff Struvit, der als Langzeitdünger eingesetzt wird, sowie Stickstoff aus dem gesammelten Urin.
  • Physikalische Reinigung: Das Restwasser wurde mittels industrieller Umkehrosmose und anschließender thermischer Destillation aufbereitet.
  • Zertifizierung: Ein befugtes Ziviltechnikerbüro untersuchte das gereinigte Destillat auf gesundheitliche Unbedenklichkeit und gab es offiziell für lebensmitteltechnische Zwecke frei.
  • Vermittlung: Der Kooperationspartner Muschikraft stellte den Kontakt zwischen Öklo und Erzbräu-Braumeister Benjamin Bruckner im niederösterreichischen Mostviertel her.
  • Brautechnische Mineralisierung: Da reines Destillatswasser keine Mineralstoffe besitzt und Hefezellen für die Gärung auf Calcium, Magnesium und Zink angewiesen sind, reicherten die Brauer 1.000 Liter aufbereitetes Wasser im Tank mit zehn Prozent frischem Quellwasser an.
  • Gärung und Abfüllung: Nach präziser Einstellung des pH-Wertes, Einmaischung und natürlicher Ausgärung reifte das Märzen heran; die Abfüllung und Etikettierung erfolgte vor rund einer Woche.

Verkostung in Wien und das Großprojekt "Öklo-Land"

Für Interessierte findet am 3. Oktober 2026 ab 18.00 Uhr beim Wiener Würstelstand an der U-Bahn-Station Spittelau (U4) eine öffentliche Verkostung inklusive offiziellem Fassanstich statt. Erste Testpersonen attestierten dem Getränk laut Herstellerangaben bereits hervorragende Geschmackseigenschaften.

Das Bier während des Brauprozesses © oliacreations

Hinter der Aktion steht ein ernster ökologischer Appell. Laut Daten des WWF sind weltweit rund 2,7 Milliarden Menschen mindestens einen Monat pro Jahr von akuter Wasserknappheit betroffen. Das Projekt soll beweisen, dass Urin nicht als Abfall, sondern als regionale Quelle für Brauchwasser und Phosphor verstanden werden muss, um energieintensive Phosphor-Importe aus Minen in Übersee zu reduzieren. Um diesen Ansatz im industriellen Maßstab zu demonstrieren, plant Öklo auf einem bereits erworbenen, 13.000 Quadratmeter großen Areal in der Nähe von Wolkersdorf bei Wien das Kompetenzzentrum "Öklo-Land". Dort sollen künftig Fäkalien und biogene Reststoffe modular in Sekundärrohstoffe, Düngemittel, Pellets sowie Biogas transformiert werden.