Neues Kriesgsziel

Putin-Plan bekannt: Ukraine soll bis Frühling 2027 fallen

© APA/AFP/POOL/VYACHESLAV PROKOFYE
Seit Februar 2022 versucht Kreml-Diktator Wladimir Putin, die Ukraine in die Knie zu zwingen. Nun hat er eine neue Frist gesetzt. Bis Frühjahr 2027 soll der Krieg beendet werden. Dabei setzt Putin nun vermehrt auf Terror aus der Luft statt der bisherigen Bodenoffensive.
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Russland hat in den vergangenen Monaten einen Kurswechsel betrieben. Ihre Ziele wollen sie nicht mehr über Bodenoffensiven mit Hunderten Tausend Toten unter den eigenen Soldaten erreichen, sondern mit billigen Düsendrohnen.

Mit den Drohnen will Putin die Ukraine durch anhaltende Luftangriffe über den kommenden Winter zermürben und zur Kapitulation zwingen. Bislang kann die Ukraine die neuen Jetdrohnen mit Düsenantrieb nicht abfangen. Ihr fehlen passende Abfangraketen, so eine Analyse der US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW).

Kaum Geländegewinne

Doch warum hat Putin ausgerechnet Frühjahr 2027 als Deadline ausgewählt? Der Kreml-Chef will nicht nur auf den Winter setzen. In Europa stehen 2027 unter anderem die Präsidentschaftswahlen in Frankreich an. Der Kreml hofft bei einer möglichen politischen Veränderung, dass Europa noch tiefer gespaltet sein wird und sich mehr mit sich selbst beschäftigt als mit der Ukraine.

Im Frühjahr 2026 wollte Russland den gesamten Donbass erobern und die ukrainische Front überrennen. Dieser Plan scheiterte. Gegenüber der "Bild" erklärt Russland-Expertin Sarah Pagung (37) von der Körber-Stiftung: "Die Netto-Geländegewinne sind seit dem Frühjahr ungefähr null. Das ist jetzt der Strategiewechsel, der daraus folgt."

Drohnen statt Bodenoffensive

Russland hat nun seine Pläne umgestellt. Sie schicken nicht mehr Soldaten in den Tod, was innenpolitisch gefährlich werden könnte, lässt jetzt Putin aus der Ferne angreifen. Margarete Klein (53) von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) sagt: "Die weitreichenden Luftschläge sollen militärischen Druck auf die Ukraine ausüben, ohne dass Russland eine neue größere Zwangsmobilmachung durchführen müsste."

Mit dieser Taktik terrorisiert Putin vor allem unschuldige Zivilisten, wodurch auch die Front geschwächt wird. Militäranalyst Franz-Stefan Gady (43) erläutert: "Jedes Flugabwehrsystem, das eine Stadt schützt, fehlt an der Front." Die Angriffe stören zudem die ukrainische Rüstungsindustrie. Gady betont: "Wer keinen Strom hat, produziert keine Drohnen und keine Munition."

Zusätzlich werden die Angriffe noch brutaler. Laut Expertin Klein hat die Intensität "deutlich zugenommen und es werden noch stärker zivile Ziele ins Visier genommen wie Züge oder Metrostationen, wo Menschen Schutz suchen".

"Brechen werden sie die Ukrainer nicht"

Kann Putin mit dieser Taktik Erfolg haben? Russland-Experte Stefan Meister zweifelt daran: "Brechen werden sie die Ukrainer nicht. Aber sie werden Städte aufgeben müssen." Im Süden könnte es zu Evakuierungen kommen. Am Ende stünden "leere Städte". Laut ihm ist die neue Frist "eine erneute Fehleinschätzung" Putins.

ISW gibt an, dass seit 2022 der Kremlchef mindestens 15 Fristen seiner Armee gesetzt hat, um das Gebiet Donezk zu erobern. Keine einzige wurde bisher eingehalten.

Analyst Gady fasst Kremls Logik zusammen: "Wer länger durchhält, gewinnt." Und fügt hinzu: "Nicht, ob Russland bis 2027 durchhalten kann. Sondern ob die Ukraine und ihre Unterstützer länger durchhalten. Dieser Wettlauf wird auch in Europa entschieden."