Sparmaßnahmen

"Q1", "Smart 10" & Co.: Das große Quiz-Sterben im TV

© ORF
In der österreichischen Fernsehlandschaft bricht eine Ära weg: Nach dem Aus für mehrere beliebte Vorabend-Quizshows brodelt die Gerüchteküche gewaltig. Angesichts explodierender Kosten und harter Sparpläne steht plötzlich sogar der ORF-Klassiker "Die Millionenshow" im Visier der Spekulationen.
Zur Vollversion des Artikels

Über viele Jahre hinweg bildeten tägliche Wissensformate das stabile Fundament des österreichischen Fernsehens. Ob beim öffentlich-rechtlichen Sender oder im Privatfernsehen: Rätselformate garantierten verlässliche Marktanteile und scharten treue Zuseher um die Bildschirme. Doch diese Zeiten sind vorbei. Eine radikale Streichwelle hat das Genre erfasst, und immer mehr Erfolgssendungen verschwinden sang- und klanglos aus dem Programm. Hinter den Kulissen sorgt dabei vor allem ein Gerücht für Furore: Nicht mangelnde Quoten, sondern die enormen Preisgelder und die damit verbundenen Produktionskosten sollen den Sendern über den Kopf gewachsen sein.

Die Liste der prominenten TV-Opfer ist bereits lang:

"Q1 Ein Hinweis ist falsch": Bei der täglichen ORF-Vorabendshow wurden über lange Strecken verlässlich vierstellige Eurobeträge angesammelt und ausgeschüttet, ehe das Format den Programmreformen weichen musste.

"Smart 10" mit Caroline Athanasiadis: Die temporeiche Quizshow fiel den strikten Budgetkürzungen im Unterhaltungsbereich zum Opfer und wurde nicht mehr verlängert.

"Quizmaster" auf ServusTV: Nach mehr als 1.400 Folgen und sieben erfolgreichen Jahren zog der Salzburger Privatsender den Stecker und beendete die Ausstrahlung.

Oliver Polzer in Q1 © ORF

Preisgelder und Sparzwang bringen Sender in Bedrängnis

In Branchenkreisen wird seit Wochen hitzig diskutiert, warum gerade das Quiz-Genre so massiv unter die Räder kommt. Während klassische Talkformate mit überschaubarem finanziellem Aufwand auskommen, summiert sich bei Quizsendungen neben den Studiokosten ein unberechenbarer Faktor: das Wissen der Kandidaten. Räumen die Teilnehmer regelmäßig hohe Gewinnsummen ab, gerät die Budgetkalkulation der Sender rasch ins Wanken. Insbesondere der ORF steht unter enormem Druck: Bis Ende 2026 muss das Medienhaus rund 300 Millionen Euro einsparen. Jede Sendeminute und jeder ausgelobte Euro stehen auf dem internen Prüfstand.

Dass die Preisgelder bei täglichen Formaten wie "Q1" den Verantwortlichen ein Dorn im Auge waren, bestätigen Insider hinter vorgehaltener Hand. Auch wenn TV-Stationen hohe Jackpots üblicherweise über spezielle Policen absichern, belasten die laufenden Auszahlungen das Vorabendbudget spürbar. Wenn dann noch die Werbeeinnahmen im linearen Fernsehen sinken, wird die Luft für tägliche Eigenproduktionen extrem dünn.

Armin Assingers Millionenshow. © ORF/Milenko Badzic

Zitterpartie um Armin Assinger: Hat die Millionenshow eine Zukunft?

Mit dem Kahlschlag im Vorabend rückt nun unweigerlich das größte Aushängeschild der heimischen Quizkultur in den Fokus: "Die Millionenshow" auf ORF 2. Seit Jahrzehnten führt Armin Assinger als unangefochtener Publikumsliebling durch die legendäre Hauptabend-Show. Doch in den Redaktionsstuben stellt man sich nun besorgt die Frage: Ist das Flaggschiff wirklich unantastbar oder droht auch hier das jähe Ende?