Streik droht

Rechtspfleger: Zulagenstreichung jetzt Fall fürs Parlament

© APA/HELMUT FOHRINGER
Die Justizgewerkschaft protestiert gegen die Zulagenstreichung bei den Diplomrechtspflegern. Wie oe24 aus gut informierten Kreisen erfuhr, wird auch über einen Streik nachgedacht. Die Causa wird jetzt auch ein Fall für das Parlament.
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"Völlig unerwartet und ohne jede Vorankündigung" sei eine Neubewertung der Planstellen für die Diplomrechtspflegerinnen und -rechtspfleger verordnet worden, die zu massiven Verlusten bei den Betroffenen führen würde, heißt es in einem Offenen Brief der Gewerkschaft. Man werde "diese finanzielle Schlechterstellung unter dem Deckmantel einer Strukturreform nicht kampflos hinnehmen". Wie oe24 erfuhr, soll nun auch über einen Streik nachgedacht werden. Die Causa wird zudem ein Fall für das Parlament.

Das Justizministerium begründete die Maßnahme in seinem vergangene Woche ergangenen Erlass damit, dass die Neubewertung der gesamten Berufsgruppe wegen einer Klage eines Rechtspflegers auf eine höhere besoldungsrechtliche Einstufung durchgeführt werden musste. Dadurch kommt es nun zu einer Aufstufung und etwas höheren Grundgehältern, gleichzeitig wird aber die Mehrleistungszulage gestrichen. Dennoch sieht das Justizministerium die ab 1. September geltende Neueinstufung im Interesse der Bediensteten, weil das höhere Gehalt gegenüber der Zulage "neben einer signifikant höheren Bestandskraft auch andere besoldungs- und pensionsrechtliche Vorteile mit sich" bringe.

Gewerkschaft: Bis zu 193.000 Euro Verluste drohen

Anders sieht das die Gewerkschaft. Durch den ersatzlosen Wegfall der Mehrleistungszulagen würden den betroffenen Diplomrechtspflegern, die rund 80 Prozent der erstinstanzlichen Zivilverfahren erledigen, über die gesamte Dienstzeit hinweg Verluste zwischen 104.000 Euro und 193.000 Euro drohen, so die Justizgewerkschaft.

"Keine Maßnahme der Budgetkonsolidierung"

"Uns ist bewusst, dass diese Anpassung für viele Betroffene gewisse finanzielle Einbußen bedeutet", sie sei aber infolge des dienstrechtlichen Verfahrens rechtlich angezeigt gewesen, erklärte das Ministerium am Mittwoch in einer der APA übermittelten Stellungnahme. Betont wurde außerdem, dass es sich um keine Maßnahme im Rahmen der Budgetkonsolidierung handle. Zudem arbeite das Justizministerium daran, für die Diplomrechtspflege eine Fachhochschulausbildung und damit langfristig den Aufstieg in den höheren Dienst zu ermöglichen.

Ex-Justizministerin Alma Zadic. © Neumayr

Zadic stellt Anfrage an Sporrer

Ex-Justizministerin und Grüne-Vize-Klubchefin Alma Zadic stellt nun jedenfalls eine parlamentarische Anfrage an Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ). Sie will wissen, wann die Entscheidung getroffen wurde, wie viel dadurch gespart werde und ob die Gewerkschaft vorab überhaupt informiert wurde. Sporrer hat für die Beantwortung zwei Monate Zeit.

FPÖ: "Justiz-Kollaps mit Ansage"

Auch die FPÖ-Justizsprecher Harald Stefan und Volker Reifenberger äußerten sich bereits zu der Zulagenstreichung. "Hier wird unter dem Deckmantel einer Gehaltserhöhung eine faktische Kürzung vorgenommen, die für viele Betroffene einen herben finanziellen Verlust darstellt und für manche existenzbedrohend ist. Das ist ein fatales Signal an eine tragende Säule unseres Justizsystems und zeugt von mangelnder Sensibilität der Ministerin", so die beiden FPÖ-Mandatare.

Und: „Die Rechtspfleger sind für die Bürger oft die erste Anlaufstelle und erledigen einen Großteil der zivilrechtlichen Verfahren." Ihre Demotivation zu riskieren sei daher fahrlässig. Die FPÖ-Justizsprecher orten einen "Justiz-Kollaps mit Ansage".