Gefahr am Berg

Riesiger Felssturz an der Tiroler Nordwand gibt Rätsel auf

© TUM
Nach einem gewaltigen Felssturz an der Tiroler Nordwand der Zugspitze suchen Forscher der TU München (TUM) nach der genauen Ursache.
Zur Vollversion des Artikels

Am Dienstag vor einer Woche um 6.57 Uhr hatten sich auf 2.800 Metern Höhe rund 13.800 Kubikmeter Gestein aus einer 80 Grad steilen Wand gelöst. Dem Hauptabbruch waren kleinere seismische Erschütterungen vorangegangen, danach sorgten weitere Gesteinsabgänge stundenlang für dichte Staubwolken. Anschließende Drohnenaufnahmen der TUM zeigen die enorme Dimension: Die Abbruchfläche misst etwa 4.000 Quadratmeter.

Im Fokus der Wissenschaftler steht der schmelzende Permafrost im Berginneren. In dieser Höhenlage herrscht sogenannter "warmer" Permafrost, dessen Temperatur knapp unter dem Gefrierpunkt liegt. Messungen im nahegelegenen Kammstollen belegen in 15 Metern Tiefe einen klaren Erwärmungstrend: Seit 2007 stieg die Temperatur dort von minus 1,2 auf minus 0,7 Grad Celsius.

Wenn Eis in den Felsspalten aufgrund wärmerer Temperaturen teilweise schmilzt, dringt Wasser tiefer in Risse ein. Das verändert die wirkenden Kräfte in den steilen Gebirgswänden. Dennoch ist bisher nicht bewiesen, dass die Erwärmung allein das Ereignis ausgelöst hat. Auch die Struktur des Gesteins, vorhandene Klüfte, die Ausrichtung der Schichten sowie die Menge an Wasser spielen eine entscheidende Rolle. Ältere Geländedaten und die neuen Bilder sollen nun helfen, den genauen Ablauf zu klären.